Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) Foto: AFP/CHRISTOF STACHE

Mit einer zweiwöchigen Maskenpflicht für alle versucht Bayern, von Dienstag an zumindest den Start ins neue Schuljahr gelingen zu lassen. Perfekt werde das wohl nicht laufen, argwöhnt selbst Ministerpräsident Markus Söder.

München - Nach den eher durchwachsenen Erfahrungen mit seinem Konzept „Testen für alle“ ist Markus Söder etwas vorsichtiger geworden. Diesen Dienstag beginnt in Bayern wieder die Schule, und der Ministerpräsident gibt mit Blick auf die Corona-Probleme freimütig zu: „Ich glaube nicht, dass der Start perfekt laufen wird.“ Umso wichtiger sei es, sagt Söder, und dieser Satz klang fast schon beschwörend, den Termin „so gut wie möglich gemeinschaftlich zu gestalten.“ Und wie Kultusminister Michael Piazolo, so appelliert auch Söder an alle, sich selbst vor einem Unterrichtsjahr, „das kein normales werden wird“, die Freude an der Schule nicht nehmen zu lassen.

Alsdann. Was die 115.000 Erstklässler davon halten werden, die – so ist aus den Landesteilen zu hören – da und dort ihre Einschulung aus Platzgründen ohne Mama und Papa bestehen müssen, ist nicht überliefert. Und in der niederbayerischen Hauptstadt Landshut, wo der Corona-Wochenindex ausgerechnet einen Tag vor Schulbeginn die kritische Marge von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner gerissen hat, müssen so manche Eltern ihre Freude auf ein kinderfreies, geregeltes Arbeitsleben wohl auch schon wieder begraben. Denn ab jener Fünfziger-Marge tritt in Bayern gleich die dritte, die höchste Stufe des Corona-Krisenplans in Kraft, und das kann heißen: nichts ist es mit dem von allen erhofften Präsenzunterricht in den Schulgebäuden; die jungen Leute bleiben zuhause, angewiesen auf den Fernunterricht via Internet.

Höhere Flexibilität vor Ort

So kann es kommen, aber die bei einem Schulgipfel Ende August von allen Interessenvertretern abgenickten neuen Corona-Maßnahmen der Landesregierung sehen eine weitaus höhere lokale Flexibilität vor, als das in den langen Schließungswochen des vergangenen Schuljahres der Fall war. Damit wird auch mehr Verantwortung auf die örtlichen Gesundheitsämter, Landräte, Kommunen und Schulleiter delegiert. Die Idee beispielsweise, den Unterrichtsbeginn in einzelnen Schulen zeitlich zu staffeln, um die Ankunft der Kinder und Jugendlichen zu entzerren, zwingt an der Basis zum Einsatz und zur Organisation von mehr Schulbussen. Zwar will der Freistaat die zusätzlichen Kosten übernehmen, aber nicht überall stehen Busse und Fahrer zur Verfügung, und gerade in ländlichen Gebieten ist der Aufwand enorm.

Dem zur Eindämmung von Corona offenbar erfolgreichen Beispiel von Nordrhein-Westfalen folgend und um wenigstens den Schulstart möglichst reibungslos über die Bühne zu kriegen, gilt in den ersten beiden Wochen eine Maskenpflicht in allen weiterführenden Schulen (also ab Klasse 5), auch am Sitzplatz im Klassenzimmer. Gerade in den jüngsten Corona-Hotspots Bayerns hat sich gezeigt, dass die meisten Ansteckungen durch Ferien-Heimkehrer verursacht worden sind; Söder und Piazolo wollen verhindern, dass dieses Phänomen auf die Schulen durchschlägt. Später regelt sich die Maskenpflicht nach dem Corona-Geschehen vor Ort.

Online-Unterricht verbindlich

Neu ist eine für Schüler wie Lehrkräfte höhere Verbindlichkeit beim Distanz-Unterricht. Dieser folgt dem regulären Stundenplan, beginnt jeden Morgen mit einem „virtuellen Startschuss“, also einer Rundum-Begrüßung der Schüler; diese sind zur „aktiven Teilnahme“ per Computer verpflichtet, erhalten verbindliche Arbeitsaufträge und können schon auch notenwirksam abgefragt werden. Um auch Familien zu erreichen, die sich keinen (Zweit- oder Dritt-)Computer leisten können, will Bayern 250.000 Laptops kaufen und verleihen; mit weiteren 120.000 Laptops sollen zusätzliche Lehrer aufgerüstet werden. Wann die Geräte eintreffen, wer sie an den einzelnen Schulen wie schnell konfiguriert – all das ist offen.

An Lehrkräften wenigstens soll es dieses Jahr nicht fehlen. So versichert es Kultusminister Piazolo – auch wenn Lehrerverbände, Oppositionsparteien und Gewerkschaften gegenteiliger Ansicht sind. Piazolo sagt, erstens gebe es dieses Jahr nur 1,645 Millionen Schüler in Bayern, damit etwas weniger als zuletzt; ferner würden tausend zusätzliche Lehrer eingestellt und zur Verstärkung besonders belasteter Schulen insgesamt 800 „Teamlehrkräfte“, von denen aber wohl mindestens die Hälfte keine fachliche Ausbildung oder die ihre noch nicht abgeschlossen haben – wenn sich in nächster Zeit überhaupt noch genügend Kandidaten bewerben.

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