Im November vorigen Jahres demonstrierten Fridays for Future und andere NGOs nahe dem Berliner Reichstag. Jetzt wird der Protest von der Straße ins Netz verlegt. Foto: dpa/Christoph Soeder

Volker Kienzlen, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, will die Corona-Krise als Chance für den Umweltschutz nutzen. Das Geld aus den staatlichen Corona-Fonds müsse jetzt entsprechend eingesetzt werden.

Stuttgart - Neben Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) ruft auch die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) dazu auf, bei den Corona-Hilfen für die Wirtschaft die Verbesserung des Klimas mit im Blick zu haben. „Die anstehenden Programme zur wirtschaftlichen Wiederbelebung und Erholung müssen die Herausforderung Klimaschutz mit adressieren und uns widerstandsfähiger gegen die Klimakrise machen“, sagte Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA, unserer Zeitung.

 

Untersteller hatte dazu aufgerufen, mit den Mitteln von Bund und Land der Industrie wieder auf die Beine zu helfen und gleichzeitig die drohende Klimakrise zu bekämpfen: „Wir müssen die Wirtschaft modernisieren, um ökonomisch und ökologisch stärker aus der Krise zu kommen“, so der Umweltminister von Baden-Württemberg. Wichtig sei eine Art „doppelter Booster“, erklärte Untersteller in Anspielung auf Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Der CDU-Politiker hatte zuletzt einen „Start-Up-Booster als Corona-Unterstützung“ für Start-Ups, junge Technologieunternehmen und kleine Mittelständler angekündigt.

Alarmierende Nachrichten aus aller Welt

Investitionen in eine CO2-arme, nachhaltige Infrastruktur, wie beispielsweise Wärmenetze, Nahverkehr oder energieeffiziente Produktion sind nach Ansicht von KEA-Geschäftsführer Kienzlen ein wirksamer und effektiver Konjunkturmotor, um der Wirtschaft nach Corona wieder auf die Beine zu helfen. Er finde es „ermutigend, wie wir es als Gesellschaft in kürzester Zeit geschafft haben, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen“, sagte Kienzlen. Nun wünsche er sich, dass diese Kraft auch beim Klimaschutz zum Tragen komme. „Denn die Erderwärmung ist eine ebenso reale und in ihren Folgen nochmals größere Bedrohung als das Virus.“

Gerade jetzt, wo die Welt zum Innehalten gezwungen sei, gebe es alarmierende Nachrichten: Meteorologen warnten vor einem weiteren Dürresommer, dem dritten in Folge. Dem größten Korallenriff der Erde, dem Great Barrier Reef vor Australien, drohe eine weitere Korallenbleiche, und die Temperaturen auch in Stuttgart sind bereits im April sommerlich – nach Rekordwerten im Vorjahr. Andererseits seien nach mehreren Wochen des Lockdowns in Deutschland auch positive Veränderungen spürbar: „Erste Bundesländer bestätigen bereits verbesserte Luftwerte.“

Fridays for Future mit neuen Protestformen

Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future will an diesem Freitag unter veränderten Bedingungen wieder demonstrieren – im Rahmen des globalen Klimastreiks. Bundesweit und auch in Baden-Württemberg ruft die Organisation dazu auf, bemalte Plakate an eigenen Fenstern und in den Städten anzubringen und so unter Einhaltung der Kontaktbeschränkungen den Protest fortzuführen. In Stuttgart wird laut einer Sprecherin der Bewegung zwischen 11 und 18 Uhr außerdem eine Route angeboten. An verschiedenen Stationen sollen dabei Banner und Kreidebotschaften angebracht werden.

In Ulm sollen die Demonstranten ihre Plakate bei zwei Bio-Supermärkten abgeben. Neben der Corona-Pandemie gibt es noch weitere drängende Probleme auf diesem Planeten, heißt es in einer Pressemitteilung der Klimademonstranten aus Ulm. „Und auch für die Klimakatastrophe gilt: die Gefahr ernst nehmen, früh handeln, die Kurve flach halten“, sagt Anton Sieber von Fridays for Future in Ulm. Ansonsten findet der Protest vor allem im Internet statt: Dazu seien am 24. April in Deutschland und in über 100 weiteren Ländern Online-Aktionen geplant, sagte „Fridays for Future“ (FFF)-Sprecherin Carla Reemtsma.