Wie sich Symptome von Heuschnupfen und der Erkrankung Covid-19 unterscheiden und was die Betroffenen zur Linderung tun können.
Stuttgart - Trockener Husten, Atemnot, Niesreiz und Schnupfen – unterschiedliche entzündliche Atemwegserkrankungen wie Allergien und Virusinfektionen können gleichartige Beschwerden verursachen. Bei Allergologen häufen sich nun vermehrt Anfragen von Patienten, die zum einen wissen wollen, wie sich ihre Beschwerden von denen einer Covid-19-Erkrankung abgrenzen lassen. Zum anderen wird oft die Frage gestellt, ob die bisherige Therapie der allergischen Erkrankung geändert werden muss. Was Allergie-Experten Betroffenen nun raten.
Wie unterscheiden sich allergische Symptome und die einer Covid-19-Erkrankung?
Infektionen mit dem Coronavirus lösen in erster Linie ein allgemeines Krankheitsgefühl aus, es kommt zu einer erhöhten Körpertemperatur. Auch die Lunge ist ungewöhnlich angegriffen, es kommt zur Atemnot, sagt Peter von den Driesch, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Dermatologie, Phlebologie und Allergologie. Allergiker dagegen weisen kein Fieber auf. Sie haben dafür oft juckende Augen- und Nasenschleimhäute, tränende Augen, Niesreiz und Schnupfen.
Sind Allergiker eher gefährdet, an der Lungenkrankheit Covid-19 zu erkranken als gesunde Bundesbürger?
„Die absolute Mehrheit der Allergiker hat nach dem vorläufigen Wissensstand keine erhöhte Neigung, an Covid-19 zu erkranken“, sagt Peter von den Driesch. Allerdings ist es insbesondere für Patienten mit einem allergischen Asthma, also einer Lungenbeteiligung, auch nicht auszuschließen. „Es ist für diese Patienten daher besonders wichtig, die bereits etablierte Therapie mit Antihistaminika und der Anwendung von kortisonhaltigen Tropfen oder Inhalationen fortzusetzen, damit sie möglichst symptomarm sind, wenn sie mit dem Coronavirus infiziert werden sollten“, sagt von den Driesch. Das gelte auch für Patienten mit einer chronischen Sinusitis, heißt es seitens Ludger Klimek vom Allergiezentrum in Wiesbaden, der auch Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen ist. Eine Ausnahme sind laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund Patienten in Langzeittherapie mit oralem Kortison oder anderen Therapien, die das Immunsystem unterdrücken: „Sie gehören sicher zu der besonders gefährdeten Gruppe und sollten das weitere Vorgehen mit ihrem Arzt besprechen“, heißt es da.
Wie läuft ein Allergietest ab?
Wer derzeit im Frühling auf Pollen reagiert oder auf ganzjährig vorhandene Allergene wie Hausstaub oder Hausstaubmilben, hat wohl eine sogenannte Soforttyp-Allergie. Bei dieser Allergieform wird eine sogenannte Pricktestung durchgeführt: „Das heißt, das Allergen wird in Form eines kleinen Tropfens auf die Haut aufgetragen, diese mit einer kleinen Nadel punktförmig durchstochen“, erklärt der Stuttgarter Experte von den Driesch. Kommt es an der Stelle zu einer Reaktion – bilden sich etwa Quaddeln –, dann reagiert der Körper allergisch. „Ergänzt wird diese Diagnostik durch Blutuntersuchungen, bei denen man die spezifischen IgE-Antikörper gegen die verschiedenen Allergene nachweisen kann.“
Was gibt es für Therapiemöglichkeiten?
Erst versuchen Ärzte, die Beschwerden von Betroffenen mit Antiallergiemitteln zu lindern: Sie sorgen dafür, dass die allergische Reaktion im Körper nicht ablaufen kann und die Symptome gemildert werden. Dabei helfen etwa Antihistaminika und beispielsweise mometasonhaltige Nasentropfen oder Budenosid-Inhalationen. „Diese symptomatische Behandlung ist durchaus effektiv“, sagt Peter von den Driesch. Langfristig Beschwerdefreiheit bringen spezifischen Immuntherapien. Hier werden nach Diagnostik der auslösenden Allergene den Patienten diese Allergene in langsam aufsteigender Dosierung gespritzt, damit der Körper sich daran gewöhnt und keine Symptome mehr macht. „Es ist belegt, dass durch eine konsequente spezifische Immuntherapie sich das Risiko eines allergischen Asthmas deutlich verringert“, so von den Driesch.
Wie gut sind rezeptfreie Medikamente?
Die Stiftung Warentest hat sich in der Märzausgabe ihrer Zeitschrift „Test“ (3/2020) die frei verkäuflichen Mittel angeschaut und viele als geeignet bezeichnet – und zwar solche, deren Wirksamkeit durch aussagekräftige Studien belegt ist und deren Nutzen die Risiken übersteigt. Das ist bei Mitteln mit den Antihistaminika Azelastin, Levocabastin und Ketotifen der Fall – Präparate ohne Konservierungsstoffe, da diese auf Dauer die Schleimhäute schädigen. Diese helfen bei akuten Beschwerden. Vorbeugend sind Mittel mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure. Diese sollten etwa zwei Wochen vor dem Pollenflug eingenommen werden. Reichen Spray und Tropfen nicht aus, können nach Angaben der Stiftung Warentest noch Tabletten eingenommen werden, etwa Antihistaminika mit den Wirkstoffen Cetirizin, Loratadin und Levocetirizin – das nicht mehr verschreibungspflichtig ist.
Experten schätzen, dass die Zahl der Pollenallergiker stark zunehmen wird. Was sind die Gründe?
Epidemiologisch belegt ist die Zunahme der Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten, bestätigt Peter von den Driesch. Allerdings sei es schwierig, einzelne Verursacher zu benennen – etwa eine mögliche Verschlechterung der Atemluft. Die sei nachweislich in den letzten zehn Jahren in vielen großen Städten besser geworden. „Was aber sicher zugenommen hat, ist das allgemeine Stresslevel in unserer modernen Gesellschaft“, so von den Driesch. „Ich halte es für durchaus möglich, dass auch dies eine Rolle spielt.“