Spargelernte bei Hockenheim. Foto: dpa/Silas Stein

Bauernverbände hatten gewarnt: Ohne Saisonarbeitskräfte sei die Ernte gefährdet. Das Online-Portal „Das Land hilft“ will potenzielle Helfer und Bauern zusammenbringen. Doch es gibt ein Ungleichgewicht. Warum?

Stuttgart - Eva-Maria Lenski ist enttäuscht. Mehrere Wochen lang – bis zum 19. April – hätte die Frau aus Stuttgart täglich Zeit gehabt, auf dem Feld mitzuarbeiten. So hatte sie es nach eigenen Angaben in ihrem Inserat auf dem Internetportal „Das Land hilft“ beschrieben, welches Bauern und Erntehelfer zusammenbringen soll. „Es ist wirklich schade, dass sich niemand gemeldet hat“, sagt 36-Jährige. „Teilweise habe ich gelesen, dass Bauern sagen, Helfer ohne Erfahrung seien nicht fähig. Das finde ich arrogant.“

 

Auch zwei weitere Inserate von Menschen aus Stuttgart, über die wir berichtet hatten, blieben ohne Rückmeldung.

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So sehen die Zahlen auf dem Portal aus

Tatsächlich scheinen die Zahlen auf dem Portal nicht so recht mit den jüngsten Hilferufen der Landwirte zusammenzupassen. 53 000 Saisonarbeitskräfte arbeiteten über das Jahr hinweg allein in Baden-Württemberg, hieß es vom Landesbauernverband. Die regionale Lebensmittelproduktion im Bereich Sonderkulturen könnte gefährdet sein, hatte Verbandspräsident Joachim Rukwied gewarnt, nachdem vor rund zwei Wochen vorübergehend ein Einreisestopp für Saisonarbeitskräfte verhängt worden war.

Trotzdem gibt es auf dem Internetportal ein starkes Ungleichgewicht: Den rund 52 000 potenziellen Helfern, die bundesweit ihre Arbeitskraft anbieten, stehen nur etwa 1000 Landwirtschaftsbetriebe gegenüber, die ein Gesuch aufgegeben haben. Das teilte der Initiator des Portals – die Bauern-Selbsthilfeorganisation Maschinenringe – auf Nachfrage mit.

Nehmen Bauern das Angebot nicht an?

Aus Sicht von Maschinenring-Sprecher Guido Krisam bedeuten die Zahlen nicht, dass die Hilfsangebote von Landwirten nicht angenommen werde. Die Plattform hätte schon innerhalb weniger Tage nach dem Start Mitte März so viele Helfer angezogen, dass es für Bauern gar nicht mehr notwendig gewesen sei, ein Inserat aufzugeben.

Speziell in der Region Stuttgart seien viele Landwirte Direktvermarkter und dadurch ständig in Kontakt mit ihren Kunden, sagt Ariane Amstutz, Sprecherin des Landesbauernverbands. „Deshalb sind Hilfsangebote oft direkt eingegangen statt über das Portal.“ Außerdem habe sich die Lage inzwischen für viele Betriebe schon wieder verändert. Ende vergangener Woche hatten sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) darauf verständigt, dass Saisonarbeitskräfte unter Auflagen doch kommen können. Um drohende Ernteausfälle zu verhindern, sollen in diesem und im kommenden Monat jeweils 40 000 Saisonarbeiter aus Osteuropa nach Deutschland einreisen dürfen. „Gerade Spargelbetriebe sind jetzt eher damit beschäftigt, wie sie die Einreise ihrer langjährigen Saisonarbeiter organisieren können“, sagt Amstutz.

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„Da kommt noch einiges“

Guido Krisam und seine Kollegen von den Maschinenringen wollen in den nächsten Tagen eine Rundmail an alle Helfer schicken, die sich auf „Das Land hilft“ registriert haben. Das Schreiben soll das landwirtschaftliche Jahr erklären. „Spargel war jetzt zwar viel in den Medien, aber bei vielen anderen Kulturen geht die Arbeit in den nächsten Wochen erst los“, sagt Krisam. Sein Appell an Arbeitswillige: Abwarten. „Da kommt schon noch einiges.“