Der Maschinen- und Anlagenbau leidet nicht nur unter Corona, sondern auch unter den immer noch bestehenden Handelskonflikten. Die Vorzeigebranche, die in erheblichem Umfang von Kurzarbeit betroffen ist, erwartet 2020 einen Produktionsrückgang von 17 Prozent.
Stuttgart - Erstmals seit Jahren sinkt die Zahl der Mitarbeiter bei den Maschinen- und Anlagenbauern in Deutschland. 1,03 Millionen Personen waren Ende Juni in der Vorzeigebranche tätig. Das waren knapp drei Prozent weniger als vor einem Jahr, teilt der Branchenverband VDMA in Frankfurt mit. Und diese Zahl dürfte bis Ende des Jahres weiter leicht sinken. Welche Teilbranchen vom Abbau besonders betroffen sind, dazu gibt es keine Informationen. VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers vermutet aber, dass es vor alle die Unternehmen sind, die eng mit der Autoindustrie zusammenarbeiten. Das wären allen voran die Werkzeugmaschinenhersteller, die vor allem im Südwesten ihren Sitz haben.
Übrigens: Auch bei der weltweiten Finanzkrise vor rund zehn Jahren hat die Branche sich von Personal getrennt. Im Jahr 2008 wurden im Jahresdurchschnitt 945 000 Mitarbeiter beschäftigt; zwei Jahre später waren es „nur“ noch 908 000. In den vergangenen zehn Jahren ist es dann wieder zu einem deutlichen Personalaufbau gekommen.
Knapp ein Drittel sind in Kurzarbeit
Aber die Unternehmen streichen nicht nur Stellen; der Maschinenbau nimmt auch Kurzarbeit in erheblichem Umfang in Anspruch. So haben im August 336 000 (Juli: 378 000) Beschäftigte kurz gearbeitet, hat das Münchner Ifo-Institut errechnet. In welchem Umfang für die Einzelnen der Lohnersatz in Anspruch genommen wurde, geht aus den Zahlen allerdings nicht hervor. Noch 31 Prozent der Beschäftigten im Maschinenbau sind derzeit in Kurzarbeit, 35 Prozent waren es im Juli.
Die Personalmaßnahmen spiegeln die Lage der Branche wider. Die Unternehmen kämpften nicht nur gegen die Folgen der globalen Corona-Pandemie, sondern auch gegen einen nach wie vor belastenden Protektionismus im internationalen Handel. Hinzu komme ein industrieller Wandel, der sich insbesondere in der wichtigen Kundenbranche Automobilindustrie niederschlage, schreibt der VDMA in der Mitteilung.
Investitionszurückhaltung im Ausland
Dies habe zu einem erheblichen Rückgang der Auftragseingänge um 16 Prozent in den ersten sieben Monaten geführt. Überproportional um 20 Prozent gesunken sind dabei die Bestellungen aus dem Ausland. Vor allem die Order wichtiger Handelspartner wie den USA, Frankreich, den Niederlanden und Italien waren dabei hoch zweistellig rückgängig. In der Folge ist die Produktion um 14 Prozent (Stand Juli) gesunken. Für das gesamte Jahr 2020 prognostiziert der VDMA, trotz aktuell leichter Entspannung, einen Produktionsrückgang um 17 Prozent.
Die Maschinen und Anlagen seien derzeit „nur“ zu gut 76 Prozent ausgelastet, Anfang des Jahres habe dieser Wert noch bei gut 84 Prozent gelegen. Zum Vergleich: In der Finanzkrise vor zehn Jahren lag dieser Wert zeitweise unter 70 Prozent.
Vorsichtig optimistisch
Für 2021 ist die Branche vorsichtig optimistisch. „Für den Maschinen- und Anlagenbau werden die Bäume im nächsten Jahr nicht in den Himmel wachsen. Schon gar nicht werden wir schon das Vorkrisenniveau des Jahres 2019 erreichen”, sagt Wiechers. „Wir rechnen für 2021 mit einem Produktionswachstum von zwei Prozent”, fügt er hinzu. Voraussetzung sei aber, dass die Corona-Pandemie nicht wieder die Märkte und Lieferketten lahmlegt.