Felix Falk ist Geschäftsführer des Branchenverbands Game. Foto: Game

Computerspiele im Home Office zu entwickeln, ist nicht leicht. Branchenexperte Felix Falk erklärt im Interview, welche Konsequenzen die Corona-Pandemie für den Wirtschaftszweig haben könnte.

Stuttgart - Felix Falk, Jahrgang 1979, führt seit Anfang 2018 die Geschäfte des Branchenverbands Game. Bis 2016 war er Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle und entwickelte unter anderem den globalen Kennzeichnungsstandard für Online-Spiele mit. Von 2004 bis 2009 leitete Falk das Büro von Monika Griefahn (SPD), damals Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag. In dieser Zeit begleitete er die Entwicklung des Deutschen Computerspielpreises. Im Interview sagt Falk, wie die Entwicklung neuer Games während der Corona-Pandemie weiterläuft.

Herr Falk, Millionen Menschen weltweit verbringen derzeit sehr viel Zeit zu Hause. Plattformen für Computerspiele verzeichnen Rekordzugriffe. Verhilft die Corona-Pandemie der Games-Branche zum Boom?

Man hört jetzt gerade zwar viel von solchen Rekorden, aber die Lage ist durchwachsener, als man denkt. Zunächst einmal ist fraglich, wie sich Rekordzugriffe am Ende auf die Umsätze auswirken. Zu den beliebtesten Spielen, die derzeit etwa auf Steam, einer der weltweit größten PC-Games-Plattformen, gespielt werden, gehören viele sogenannte Free-to-play-Spiele, die kostenfrei gespielt werden können, zum Beispiel „Dota 2“ oder „Counter-Strike“. Auch wenn hier sogenannte In-Game-Käufe möglich sind, entwickeln sich diese nicht genauso wie die Zugriffszahlen. Laut einer Mitgliederumfrage geht die Mehrheit der Betriebe in unserem Verband davon aus, dass die Corona-Pandemie kurzfristig negative oder sehr negative Auswirkungen auf ihren Geschäftsbetrieb haben wird.

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Warum?

In Deutschland besteht die Computer- und Videospielbranche in erster Linie aus kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Da gab es für viele zunächst einmal die Herausforderung, ob sie die Arbeit von zu Hause überhaupt stemmen können. Auch wenn unsere Branche viel digitaler ist als andere, so stößt die Spiele-Entwicklung im Homeoffice an klare Grenzen. Man arbeitet mit enorm großen Datenmengen, weil ein Spiel eben aus sehr vielen verschiedenen Assets – zum Beispiel Häusern, Bäumen, Straßen in einer virtuellen Welt – besteht. Aber vielerorts sind die Bandbreiten für den Internetanschluss zu Hause noch zu gering. Und nicht jeder beliebige Rechner ist leistungsstark genug dafür. Wir wissen von manchen Studios, dass die Mitarbeiter erst ihre Computer nach Hause geschleppt haben, bevor die Arbeit im Homeoffice wirklich losgehen konnte. Mittlerweile arbeitet aber der Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter relativ reibungslos im Homeoffice. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Krise werden wir auch hier erst später wirklich sehen. Es ist aber schon jetzt klar, dass die Veröffentlichung des ein oder anderen groß angekündigten Spieletitels verschoben werden muss.

Computerspiele von zu Hause aus erstellen – welche weiteren Herausforderungen gibt es da?

Da gibt es beispielsweise Fragen zur Sicherheit insbesondere bei den größeren Entwicklungen. Aus einem neuen Spiel dürfen auf keinen Fall vorab Screenshots oder dergleichen bekannt werden. In den Gamestudios gibt es entsprechende Sicherheitsvorkehrungen, die zu Hause bei den Mitarbeitern natürlich so nicht gewährleistet sind. Manche Arbeitsschritte sind außerdem von zu Hause aus schlicht unmöglich – zum Beispiel Motion Capturing für Animationen. Das wird mit echten Schauspielern gemacht, die dabei spezielle Anzüge tragen und deren Bewegungen aufgezeichnet werden.

Wichtige Branchentreffs wie die Game Developers Conference, die im März in San Francisco hätte stattfinden sollen oder die E3 im Juni wurden abgesagt. Welche Auswirkungen hat das?

Das erleben wir mit der abgesagten Gamesweekberlin oder den German Dev Days auch bereits in Deutschland. Solche Veranstaltungen sind sehr wichtig, um neue Partner für die Finanzierung zukünftiger Projekte kennenzulernen. Manches kann man vielleicht per Videokonferenz machen, aber der Netzwerk-Effekt fällt weg. Gerade für kleinere Unternehmen ist die Herausforderung jetzt, mit den Finanzen zu haushalten, bis erneut Verträge zustande kommen, und Partner für zukünftige Projekte über andere Kanäle zu finden.

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