So einsam sollte die Gegend ums Jugendhaus während der Kontaktsperre sein. Foto: Julia Bosch

Herumlungern in Gruppen ist während der Corona-Pandemie noch weniger gern gesehen als sonst. Beim Jugendhaus in Stuttgart-Degerloch sollen sich häufig junge Männer treffen. Das ist auch der Polizei bekannt.

Degerloch - Menschen, die sich nicht an die Abstandsregeln während der Corona-Pandemie halten, fallen unangenehm auf. Auch ein Leser unserer Zeitung regt sich über Müßiggänger auf, „auffällige Gruppen junger Männer“, die sich angeblich beim Jugendhaus Degerloch herumtreiben. Diese Leute, schreibt der Degerlocher, kämen „oft in Pulks mit der U-Bahn aus der Stadt“. Andere Personen stießen kurz dazu. Er will beobachtet haben, dass „in Windeseile kleine Gegenstände von Hand zu Hand wechseln“. Dieser Austausch, in einem von der Straße nicht einsehbaren Bereich, dauere von morgens bis abends.

Corona interessiere sie offenbar nicht

Der weitere Aktivitätsradius erstrecke sich um die U-Bahn-Station Degerloch und versteckte Bereiche der U-Bahn-Station Albstraße, möglicherweise bis vor zur Filderschule. Diese Zustände fielen ihm seit etwa einem halben Jahr auf. Und sie verschlimmerten sich: „Herumlungern ist nicht verboten, wohl aber das Dealen mit gewissen Stoffen.“ Die Gefahr der Verbreitung von Coronaviren interessiere die Männergruppen offenbar nicht. Die Vorschriften würden missachtet. Die Gefahr für Ältere und Kranke, an Corona zu sterben, sei „enorm“. Verstöße gegen Schutzvorschriften seien kein Kavaliersdelikt.

Der Polizei sind die Gruppen bekannt. „Es sind schon Meldungen bei uns eingegangen“, sagt ein Polizeisprecher. Der angesprochene Bereich sei ein Treff für Jugendliche. Dort kontrolliere die Polizei , aber in unregelmäßigen Abständen. „Auch ein Joint wird ab und zu konfisziert“, sagt der Polizeisprecher. Nicht immer jedoch träfen die Streifen dort Jugendliche an. Der Bolzplatz sei mit Flatterband abgesperrt. „Die Gegend ist kein Schwerpunkt, aber wir haben ein Auge darauf.“ Dass die Gruppen gerade jetzt besonders bemerkt würden, sei kein Zufall. „Viele Menschen arbeiten nicht im Büro, sondern im Homeoffice. Jetzt sehen sie erst, was vor ihrer Haustür geschieht.“

Jugendliche aus prekären Verhältnissen halten es zu Hause schwerer aus

Auch der Jugendhausleiter Terje Lange kennt die Zustände. Das Haus sei wegen der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossen. Seine Mitarbeiter und er seien nur kurze Zeit im Haus. „Ich beobachte, dass Jugendliche, die aus prekären Verhältnissen kommen, trotzdem bei uns aufschlagen“, sagt er. Dass sie jedoch mit etwas handelten, wie vom Degerlocher Leser behauptet, könne er so nicht bestätigen. „Wenn ich sehe, dass sich mehrere treffen oder die Abstandsregeln nicht einhalten, dann spreche ich sie darauf an und sage ihnen, dass das nicht okay ist.“

Am Müllaufkommen in der Gegend sehe er, dass sich die jungen Leute „meistens zu Zeiten, in denen wir nicht im Haus sind, getroffen haben.“ Diese Jugendlichen, nimmt er an, kämen aus Verhältnissen, in denen es ihnen schwer falle, mit der Familie eng beieinander in einer kleinen Wohnung zu sitzen: „Sie haben zu Hause Schwierigkeiten, deshalb kommen sie in unsere Einrichtung, und die hat jetzt zu.“ Wann das Jugendhaus wieder öffne, wisse er noch nicht: „Es hängt davon ab, was die Stadt für die Schulen, an die wir angekoppelt sind, beschließen wird. Es kann sein, dass es noch bis Mai oder Juni dauert.“ Für die Jugendlichen biete seine Einrichtung auf der Homepage Angebote für zu Hause an. Auch Videokonferenzen seien eine Möglichkeit, aber leider nicht für alle: „Viele haben dafür die notwendigen Endgeräte nicht.“

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