Es gibt nach wie vor Unklarheiten, wie die Lockerungen in den Kitas umgesetzt werden sollen. Foto: dpa/Christoph Soeder

In einem Brief an die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann prangert eine Kita-Leiterin aus Stuttgart-Vaihingen leere Versprechungen in der Corona-Krise an. Ihr und ihren Kollegen würden Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Vaihingen - Bisher, schreibt Monika Lang, habe sie bei Unmutsäußerungen anderer immer die Politiker auf Bundes- und Landesebene hinsichtlich derer Handlungen in der Corona-Pandemie verteidigt. „Was Ihre Arbeit, Frau Eisenmann, betrifft, kann ich dies nun nicht mehr“, so die Leiterin der Kita der Paritätischen Sozialdienste (Pasodi) im Paritätischen Mehrgenerationenzentrum (PMGZ) in Vaihingen. Sie spreche in dem Brief an die Kultusministerin Susanne Eisenmann für ihre Kita, wisse aber, dass andere Einrichtungen ebenso empfinden.

Aktuell werde in der Kita in Vaihingen eine Notbetreuung umgesetzt: 15 von regulär 54 Kindern besuchen derzeit die Einrichtung. Bei jedem Ablauf der geltenden Corona-Verordnungen hoffe Monika Lang darauf, dass die Regeln „zumindest ein paar Tage vor Fristende“ weitergeschrieben und veröffentlicht werden, „damit wir planen und handeln können“. Monika Lang: „Meine Standard-Sätze gegenüber Eltern, pädagogischen Fachkräften und dem Träger sind: Ich weiß es nicht – wir müssen abwarten.“ Die Elternschaft und auch deren Arbeitgeber hätten sich auf die Anfang Mai von Eisenmann in Aussicht gestellte schrittweise Öffnung zum 18. Mai eingestellt.

Das Konzept war fertig – und dann das

Nachdem Eisenmann am 15. Mai die Möglichkeit eines rollierenden Systems für die reduzierte Regelbetreuung ins Spiel gebracht habe, habe Monika Lang mit ihren Mitarbeitern umgehend ein Konzept für ein solches System erarbeitet. Man habe die 39 Kinder, die nicht in der Notbetreuung sind, in drei Gruppen aufteilen und diese in einem Zwei-Tages-Rhythmus rollieren lassen wollen. Am 18. Mai habe sie allerdings feststellen müssen, dass diese Möglichkeit in der neuen Corona-Verordnung nicht erwähnt werde. Kurz darauf hätten der Landesverband und der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) mitgeteilt, dass mit der aktuellen Verordnung ein rollierendes System nicht umgesetzt werden dürfe. „Wie gesagt: Unser Konzept war fertig ausgearbeitet und niedergeschrieben; es hätte mit unserem Personal problemlos umgesetzt werden können“, so Monika Lang. Lediglich die Eltern seien noch nicht informiert gewesen.

Die Kita-Leiterin appelliert an Susanne Eisenmann, keine öffentlichen Aussagen und Versprechungen zu machen, die danach rechtlich nicht umgesetzt werden können. Zudem solle die Kultusministerin aufhören, sich rauszureden und die Schuld auf andere zu schieben. Sie solle ihre Arbeit sorgfältig und rechtzeitig machen, damit pädagogisch Tätige „nicht ständig Knüppel zwischen die Füße geworfen bekommen“, so Monika Lang.

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