Derzeit reichen die benötigten Beatmungsplätze in den Stuttgarter Krankenhäusern gut. Die Frage ist, wie es in ein paar Wochen aussieht. Foto: dpa/Claudio Furlan

Die Zahl der Infizierten in Stuttgart steigt zwar, aber die Lage in den Krankenhäusern ist stabil. Doch die Sorge der Kliniken ist: Was passiert, wenn die Bürger über Ostern womöglich die Kontaktbeschränkungen nicht mehr so streng einhalten wie bisher?

Stuttgart - In Stuttgart sind Stand Freitag 903 Personen gemeldet, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Mitte der Woche waren es noch rund 800 Infizierte. Laut Stadt sind aber auch schon 432 Personen von der Erkrankung wieder genesen. Doch elf Menschen seien an der Folgen der Viruserkrankung verstorben.

In den Stuttgarter Krankenhäusern ist die Lage weiter stabil. Die Kapazität an Beatmungsplätzen, die längst nicht ausgeschöpft ist, wird weiter aufgestockt.

Zahl der Intensivpatienten nimmt leicht zu

Das Klinikum der Stadt meldete am Freitagnachmittag eine „mittlere zweistellige Zahl Covid-19-positiver Patienten“, so Sprecher Hartmut Kistenfeger. Davon seien „knapp zehn schwer erkrankt und werden beatmet“. Es würden aber regelmäßig Covid-19-Patienten nach Hause entlassen, doch es kämen immer wieder neue hinzu. Bei der geplanten Verdoppelung der Intensivbetten mit Beatmung von 80 auf rund 160 sei man in dieser Woche „gut vorangekommen“. So werde die Corona-Intensivstation am Standort Bad Cannstatt um zwei Räume erweitert.

Im Marienhospital waren am Freitag 26 Patienten stationär untergebracht, die im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie versorgt werden mussten. Auf der Normalstation wurden 16 Infizierte betreut, dazu drei Verdachtsfälle, erklärte Pressesprecher Rainer Kruse. Auf der Intensivstation des Krankenhauses befanden sich sieben Betroffene, die beatmet werden mussten. Eine betagte Patientin sei vor wenigen Tagen verstorben. An der Böheimstraße ist man gespannt, ob es an Ostern wieder zu mehr Kontakten von Familien und Freunden kommt und womöglich die Infektionszahlen zunehmen.

Beschränken sich die Menschen auch an Ostern?

Im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) wurden am Freitag 25 Covid-19-Patienten behandelt, sechs davon mussten beatmet werden. Die Lage sei „fast schon stabil“, sagt Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer des RBK. Dort sind aber inzwischen auch schon acht Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Alscher sieht für die nächsten Wochen zwei Risiken bei der Eindämmung des Coronavirus. So sei von den Bürgern bisher „die soziale Distanzierung weitgehend gut angenommen worden“, was sich aber bei schönem Wetter in der Osterzeit ändern könnte. Und die Situation in den Alten- und Pflegeheimen mit vielen hochaltrigen Menschen sei wegen mangelnder Schutzkleidung weiter schwierig. Deshalb sei die Entwicklung „nicht präzise vorhersehbar“, so Alscher.

Weitgehend unverändert ist auch die Lage im Diakonie-Klinikum. Dort wurden am Freitag sieben Covid-19-Patienten versorgt, sagte Sprecher Frank Weberheinz. „Vier Patienten werden intensivmedizinisch betreut, ein Patient wird beatmet.“

Weitere Beatmungsplätze

Auch die Sana Herzchirurgie hat in dieser Woche eineihrer Intensivstationen in eine Isolierstation für Corona-Patienten umgerüstet. Dadurch könne man „sofort acht zusätzliche Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit vorhalten“, so Sprecherin Martina Steck. Als Herzchirurgie verfügt die Sana bei Bedarf auch über die ECMO-Technik. Bei dieser übernimmt eine Maschine teilweise oder vollständig die Lungenfunktion der Patienten, das Blut wird extern mit Sauerstoff angereichert, wenn bei Schwersterkrankten eine herkömmliche Beatmung nicht mehr ausreicht.

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