Das Mitarbeiterzimmer wird zum Labor: Die Biologin und Kindergartenmutter Constanze Mezger (rechts) zeigt der stellvertretenden Einrichtungsleiterin Parthena Kyriathopoulou, wie mit den Geräten umgegangen werden muss. Foto: Alexandra Kratz

Im Wichtelpark Fasanenhof machen Kinder und Mitarbeiter zweimal die Woche einen PCR-Test. Das Ziel sei ein Maximum an Sicherheit in der Coronapandemie. Die Kita denkt sogar an eine Ausnahmegenehmigung im Falle eines neuen Lockdowns.

Fasanenhof - An diesem Montag sind es Stäbchen, die nach Vanillekipferl schmecken. Das behauptet zumindest Parthena Kyriathopoulou, die stellvertretende Leiterin des Wichtelparks, während sie den Test durchs Fenster reicht. Natürlich mit einem Augenzwinkern, sie will die Kinder neugierig machen, sie zu dem Abstrich motivieren und ihnen das vielleicht noch vorhandene letzte Fünkchen Angst nehmen. Aber eigentlich ist das gar nicht notwendig, denn für die Kinder ist das morgendliche Prozedere längst Routine, manche kennen es gar nicht anders. Und die Tests tun nicht weh. Es sind Lolli-Tests, mit denen die Mädchen und Jungen etwa 30 Sekunden lang die Wangeninnenseiten abstreifen müssen. Viele können das schon selbst, bei den Jüngeren helfen Mama oder Papa.

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Doch auch wenn die Stäbchen nicht nach Weihnachtsgebäck schmecken, besondere Tests sind es trotzdem, die im Kinderhaus Wichtelpark zweimal die Woche zum Einsatz kommen. Denn in der Kindertagesstätte am Zettachring am Rand des Gewerbegebiets Fasanenhof werden seit dem 7. Oktober PCR-Tests gemacht und direkt vor Ort ausgewertet. Das dürfte es so sonst in kaum einer Kita in der Region Stuttgart geben. In der Landeshauptstadt selbst läuft derzeit zwar ein Pilotprojekt. Denn auch in vier evangelischen Kitas machen die Mädchen und Jungen regelmäßig PCR-Tests. Allerdings werden diese dann in ein Labor geschickt, die Auswertung dauert damit deutlich länger.

Wie die Tests vor Ort funktionieren

Im Wichtelpark werden immer drei Chargen mit jeweils fünf mit Namen beschriftete Proben zusammen in den Vivalytic gesteckt. So heißt das Gerät der Firma Bosch. Etwa eine Dreiviertelstunde später ist das Ergebnis da. Sollte ein positiver Befund dabei sein, kann noch mal jede Charge mit je fünf Tests einzeln in das Spezialgerät geschoben werden. So kann das potenziell positive Ergebnis auf fünf Kinder eingegrenzt werden. „Deren Eltern sind dann aufgefordert, mit ihren Nachwuchs noch einmal einen externen PCR-Test zu machen“, erklärt der Einrichtungsleiter Felix Jung. Dazu sei es bisher aber noch nicht gekommen.

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Der Wichtelpark ist eine private Kita für 45 Kinder von null bis sechs Jahren, die von einem Verein getragen wird. Eigentlich wollte das Kinderhaus bei dem Pilotprojekt der Stadt Stuttgart mitmachen. Das hat aber nicht geklappt. „Unser Vorstand hat dann vorgeschlagen, dass wir das selbst machen – und auch selbst finanzieren“, sagt Felix Jung. Das Team habe diese Idee von Anfang an unterstützt, ergänzt Parthena Kyriathopoulou. Constanze Mezger ist die Frau des Vereinsvorsitzenden und Biologin. Sie schult die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung im Umgang mit den Laborgerätschaften. „Jede und jeder unserer Fachkräfte kann das machen, aber keiner muss es machen“, betont Parthena Kyriathopoulou. Viele Kolleginnen und Kollegen seien dazu bereit. Das Ziel sei es, dass das Team die Tests auch ohne Constanze Mezgers Hilfe durchführen kann. Derzeit aber ist die Mutter noch an zwei Tagen in der Woche für je vier Stunden im Wichtelpark, um zu assistieren.

Was die Eltern dazu sagen

Bei den Eltern kommen die PCR-Tests gut an. „Wir hatten keine negativen Rückmeldungen“, sagt Parthena Kyriathopoulou. Constanze Mezger ergänzt: „Wenn man weiß, wie die Schnelltests funktionieren, ist unsere Testmethode meiner Meinung nach die einzig glaubwürdige Lösung.“ Außerdem seien die Tests für die Kinder unkomplizierter als die Nasenbohrertests, und der Zeitaufwand für die Eltern sei geringer. Die Kosten in Höhe von knapp sechs Euro pro Test trägt der Verein. „Das ist ein Sonderpreis für uns als Kindergarten“, betont Constanze Mezger. Das Kinderhaus kooperiere mit Aprimeo Diagnostics, einem Biotechnologieunternehmen, welches die Geräte vertreibe, entsprechende Schulungen und einiges mehr anbiete.

Dennoch: „Es ist viel Geld, aber uns ist es das wert“, sagt Felix Jung. Auch das Personal werde zweimal die Woche getestet. Das Ziel sei ein Maximum an Sicherheit. Darum habe es im Wichtelpark auch immer eine Testpflicht gegeben, auch als das gesetzlich nicht vorgeschrieben war. Sollten die Infektionszahlen weiter steigen, könnte der Wichtelpark seine Teststrategie weiter ausbauen und sogar jeden Tag testen. „Wir würden dann auch versuchen, im Falle eines neuen Lockdowns eine Ausnahmegenehmigung vom Gesundheitsamt zu bekommen, um weiter für die Kinder öffnen zu können“, nennt Felix Jung das Ziel.

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