Die Stuttgarter Ditib-Gemeinde bietet nun Schnelltests an, der Verband in Württemberg empfiehlt, im Ramadan auf das Nachtgebet in der Moschee zu verzichten. Gerne würde man in Feuerbach auch gegen das Virus impfen. Könnte das ein Mittel sein gegen die befürchtete Impfskepsis unter Migranten?
Stuttgart - Die Stuttgarter Moscheegemeinde und der Ditib-Verband Württemberg verstärken ihr Engagement gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Man habe die 99 Gemeinden angeschrieben, jetzt im Ramadan auf das Nachtgebet zu verzichten, sagt Ali Ipek, der Ditib-Landesbeauftragte für interreligiöse Zusammenarbeit. Und am Mittwoch hat die Gemeinde in Feuerbach mit der NK Medical Services vereinbart, dass an der Mauserstraße kostenlose Bürgertests angeboten werden. Das Unternehmen würde, so es bald genug Impfstoff gibt, dort gerne auch ein Impfangebot machen.
„Wir wollen den Menschen helfen, dass sie nicht krank werden und dass das Virus sich nicht verbreitet“, sagt Ismail Cakir, der Vorsitzende der Moscheegemeinde. Deshalb werde man nicht nur die Mitglieder dazu auffordern, „sich testen und impfen zu lassen“, erklärt der Gemeindevorsitzende. Fürs Testen sorgt von Freitag an die NK Medical Services, ein Schwesterunternehmen der Schifffahrtsgesellschaft Neckar Käpt’n. Die Moscheegemeinde stelle das Personal und die Räume zur Verfügung, sagt Jens Caspar, der geschäftsführende Gesellschafter. Seine angestellte Ärztin schule die Mitarbeiter und liefere das Hygienekonzept, mit dabei sei auch eine „türkischstämmige Arzthelferin“. Das Angebot, es handelt sich dabei um Spucktests, sei aber für alle Feuerbacher im Umfeld der Moschee, betont der Gemeindevorsitzende Ismail Cakir.
Viele Mutmaßungen über die Corona-Impfung
Jens Caspar, der nach eigenen Angaben 23 Schnellteststellen in Stuttgart sowie in den Landkreisen Esslingen und Calw betreibt, hat mit dem Standort aber weitergehende Pläne. Er will daraus ein „Modellprojekt“ machen und beantragen, dass dort auch gegen Corona geimpft werden kann, sobald wie erwartet sehr viel Impfstoff vorhanden sein wird. Caspar fühlt sich dazu aufgerufen durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der fürchte, dass sich viele Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund einer skeptischen Haltung „nicht impfen lassen“, sagt der Unternehmer. Nach den Erfahrungen des Impfzentrums am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK), das mit seinen mobilen Impfteams in vielen verschiedenen Einrichtungen unterwegs ist, gebe es unter Migranten gegenüber der Corona-Impfung „sehr viele Mutmaßungen und Ängste“, sagt Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer.
Auch wenn Ali Ipek in seinem Umfeld keine Impfskepsis sieht, kann er der Idee des Impfens an der Moschee etwas abgewinnen. Das sei zuletzt aber „eine Frage der Anforderungen“ der öffentlichen Hand an eine Impfstelle. „Wir würden das befürworten und die Lokalität gerne organisieren“, sagt der Landesbeauftragte für interreligiöse Zusammenarbeit der Türkisch-Islamische Union Ditib.
99 Ditib-Gemeinden angeschrieben
Mit der neuen Corona-Notbremse hat die Ditib Württemberg ihren 99 Gemeinden, die mit Familien etwa 90 000 Mitglieder haben, empfohlen, auf das traditionelle Nachtgebet im laufenden Fastenmonat Ramadan zu verzichten. Man wolle damit einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten, sagt Ali Ipek. Dies geschieht freiwillig, denn religiöse Aktivitäten wie Gottesdienste sind weiter zulässig. Auch das Nachtgebet, das stets zu etwas verschiedenen Zeiten beginnt, an diesem Freitag etwa um 22 Uhr, also am Anfang der Ausgangssperre. Dieses dauere mit dem üblichen Tarāwīh-Gebet etwa eine Stunde. Die anderen vier Gebetszeiten am Tag im Ramadan können weiter in der Moschee wahrgenommen werden.
Die Stadt Stuttgart äußert sich auf Anfrage derzeit nicht zu einem möglichen Impfangebot, lediglich zu den geplanten Schnelltests. Diese seien „ein starkes Angebot für eine wichtige Zielgruppe“.