Das ist ein Bild von gestern. An diesem Mittwoch wird der erste Spielplatz wieder geöffnet, die Verbotsschilder. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Von Mittwoch an dürfen Kinder in Stuttgart die Spielplätze wieder stürmen. Unmut gibt es in der Stadtverwaltung über die Landesregierung. Sie habe die Städte ohne Anleitung in den Alltag starten lassen.

Stuttgart - Am vergangen Samstag hat das Kabinett die siebte Verordnung der Landesregierung zur Änderung der Corona-Verordnung beschlossen – und damit unter anderem die Öffnung der Spielplätze, Musikschulen und Zoos. „Das soll Familien und Kindern etwas Entlastung bringen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die Lockerungen treten an diesem Mittwoch in Kraft.

Die Spielplätze

Der Spielplatz im Höhenpark am Killesberg war der erste von insgesamt 603 städtischen Spiel- und Bolzplätzen sowie fünf Waldspielplätzen, den die Behörden vor rund sieben Wochen geschlossen haben. „Ich bin sehr glücklich, dass die Kinder endlich mehr Freiraum bekommen und wieder auf die Spielplätze dürfen“, sagt Maria Haller-Kindler, die Kinderbeauftragte der Stadt. Sie ist dabei, wenn am Spielplatz im Höhenpark an diesem Mittwochmorgen um 7.30 Uhr das erste Absperrband durchschnitten wird. „Für jüngere Kinder ist der Spielplatz eine wichtige Adresse, um in Bewegung zu kommen“, betont Maria Haller-Kindler. Bis zum Ende der Woche sollen wieder alle Spielplätze bespielbar sein.

Spielregeln für Kinder und Eltern

Laut Volker Schirner, dem Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, hängen seine Mitarbeiter die neuen Regeln aus. Kinder und Eltern sollen demnach den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten, den Platz nur symptomfrei betreten und überfüllte Spielplätze meiden. „Für die Einhaltung der Regeln sind die Eltern und Aufsichtspersonen verantwortlich“, heißt es auf den neuen Schildern.

Kontrollen vom Amt

Dorothea Koller, die Leiterin des Amts für öffentliche Ordnung, betont, dass die Regeln der Landesverordnung weiter gelten. „Es dürfen sich nur zwei Personen in der Öffentlichkeit treffen, die nicht in einem Haushalt leben. Im Privaten nur fünf.“

Kritik am Land

Die Zeit von der Verkündung der Lockerungen bis zur Öffnung der Spielplätze sollte, so die Landesregierung, „den Kommunen Zeit geben, die Hygieneregeln vorzubereiten. Doch erst im Nachhinein habe Sozialminister Manne Lucha (Grüne) bei den Kommunen anfragen lassen, wie sich das Infektionsrisiko für Kinder und Eltern minimieren lasse, echauffierte sich der Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD) nach Informationen unserer Zeitung am Rande der Sitzung des Technikausschusses.

Die Musikschule

Eigentlich dürfte die Musikschule schon an diesem Mittwoch wieder die Schüler einlassen. Ihr lag bis zum Abend jedoch keine offizielle, unterzeichnete Verordnung des Landes vor. „Auf deren Basis müssen wir ein Wiedereinstiegskonzept erarbeiten, das Bürgermeister Fabian Mayer (CDU) genehmigen muss, bevor wir öffnen können“, sagt der Leiter der Musikschule, Friedrich-Koh Dolge. „Ich hoffe auf diesen Freitag, spätestens Montag nächster Woche.“

Auftakt mit Streichern

Auf sein Kollegium ist Dolge „mächtig stolz“, weil dieses seit 17. März telefonisch, per Mail, mittels Aufnahmen, Skype und Videos die Krisenzeit kreativ überbrückt hätten. Als erstes starte der Präsenzunterricht in Musiktheorie und Komposition sowie der Einzelunterricht an Streich-, Zupf- und Tasten- sowie Schlaginstrumenten. Wer ein Blasinstrument spielt oder sich in Gesang unterrichten lässt, muss weiterhin zu Hause üben. Die Begründung des Ministeriums: Aufgrund der erhöhten Abgabe verbrauchter Atemluft sei von einer erhöhten Infektionsgefahr durch Tröpfcheninfektion und Aerosole auszugehen.

Musizieren mit Maske

Die Maskenpflicht gilt auch für den Unterricht. Für Lehrer, die nicht den ganzen Tag mit Maske unterrichten könnten, habe man Visiere angeschafft, für den Klavierunterricht ein Zweitinstrument, da Schüler und Lehrer nicht dasselbe Instrument spielen dürfen. Damit Lüft-Pausen eingehalten werden können, sei eine andere Taktung des Unterrichts nötig.

Auch Blas- und Vokalunterricht soll bald wieder erteilt werden. Dafür stellt die Schule größere Räume mit Hustenschutzwänden zur Verfügung. Bei Schülern, die dem Online-Unterricht nicht folgen konnten, verzichte die Schule von der dritten, ausgefallenen Stunde an auf die Kursgebühren.

Maske in der Wilhelma

Ein riesiger Park mit 8500 Pflanzenarten und ein Zoo mit 11 000 Tieren ohne Menschen? Seit Mitte März ist das der Fall in Bad Cannstatt. Manchen Affen war’s gar schon fad. Jetzt ist Erlösung aus der Langeweile in Aussicht: Am Montag, 11. Mai, öffnen sich die Tore der Wilhelma wieder. „Für viele Tiere wie Affen, Raubkatzen und Seelöwen wird es eine willkommene Abwechslung sein, wenn sich der Park wieder mit Leben füllt“, sagt der Direktor Thomas Kölpin.

Die Gesundheit der Besucher, der Belegschaft und der Tiere soll an oberster Stelle stehen. Laut Kölpin gilt beim Besuch der Wilhelma eine Maskenpflicht wie in Bus und Bahn und beim Einkaufen.

Mit mehreren Vorkehrungen sollen die Besucherströme entzerrt werden. Erstens bleiben zunächst alle Gebäude – ob Tier- oder Gewächshäuser – sowie der Streichelzoo und begehbare Volieren für das Publikum geschlossen. Zweitens fallen Führungen und kommentierte Fütterungen aus. Drittens soll es keine Warteschlangen vorm Eingang geben. Daher bleiben die Kassen geschlossen.

Von Donnerstag, spätestens Freitag an führt die Wilhelma ein Online-Ticket ein, das für ein Zeitfenster gilt: entweder vormittags von 8.15 Uhr an oder mittags und nachmittags von 12.30 Uhr an. Pro Zeitfenster sind 2000 Besucher erlaubt. So will Kölpin die Besucherdichte „luftig halten“. Auch die Besitzer von Dauerkarten sowie Mitglieder des Fördervereins müssen sich vor jedem Besuch vorab eine – für sie kostenlose – Online-Reservierung besorgen. Die Tickets werden auf der Homepage der Wilhelma verkauft, wegen der Einschränkungen wird nur der vergünstigte Abendtarif berechnet. Auch wer einen Gutschein besitzt, muss dort ein Zeitfenster buchen.

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