Glühweinstand der Alten Kanzlei Foto: Andreas Rosar

Ab Samstag gelten in Stuttgart deutlich verschärfte Ausgangsbeschränkungen. Viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter genießen noch mal einen letzten Glühwein, bevor die neuen Regelungen in Kraft treten.

Stuttgart - Lieber jetzt kurz hart durchgreifen, statt wochenlang nur so Wischiwaschi: Das denkt Passant Andreas Hahn, der am Freitag auf der Königstraße unterwegs ist, über die verschärften Corona-Maßnahmen. Die Landesregierung reagiert auf die explosionsartig ansteigenden Fallzahlen mit ganztägigen Ausgangsbeschränkungen, die ab Samstag gelten. Das Verlassen der Wohnung ist damit nur noch mit einem triftigen Grund erlaubt.

 

Kritik: unkonkrete Beschränkungen

Die Passantinnen Elisabeth und Linda Geidies zeigen Verständnis: „In Nürnberg haben wir solche Ausgangsbeschränkungen schon lange. Bei den aktuellen Infektionszahlen sind härtere Maßnahmen auf jeden Fall auch hier nötig“, sagt Linda Geidies. Die Formulierung der Beschränkungen sei jedoch zu unkonkret, finden die beiden. „Was ist denn ein triftiger Grund, das Haus zu verlassen? So etwas kann man ja nur schwer allgemein festlegen. Ich finde die Beschränkungen insgesamt sehr schwammig“, so Elisabeth Geidies. Den letzten Tag vor Inkrafttreten der neuen Regeln nutzen die beiden, um noch ein paar Einkäufe zu erledigen.

Einen letzten Glühwein trinken

Schon vor Verkündung der neuen Maßnahmen haben sich einige dazu entschieden, den Freitag noch mal auszunutzen. Am Donnerstag hat die Stadt bekannt gegeben, dass der Verkauf alkoholischer Getränke zum sofortigen Verzehr ab dem Wochenende untersagt sein würde. Viele Stuttgarter haben das zum Anlass genommen, noch einen letzten Glühwein trinken zu gehen.

So auch die Passanten Mark Schmidhammer und Jürgen Auwetter. Mit einigem Abstand zum Imbissstand, der vor dem Cube aufgebaut ist, stehen die beiden auf der Königstraße, einen Glühwein to go in der Hand. Von dem angekündigten Verkaufsverbot alkoholischer Getränke halten sie eher wenig. „Ich wage mal die Prognose, dass das an den Infektionszahlen nicht viel ändern wird“, meint Schmidhammer. „Wenn Menschen sich ansammeln wollen, dann tun sie das auch so“. Auwetter stimmt ihm zu und ergänzt: „Warum geht es nur um alkoholische Getränke? Geht die Regierung davon aus, dass sich die Menschen nur treffen, um Alkohol zu trinken?“

Gastronomen machen sich Sorgen

Eine Mitarbeiterin des Imbissstands vor dem Cube, die anonym bleiben will, ist ähnlicher Meinung. Sie macht sich Sorgen um ihren Betrieb. Verstehen kann sie die neuen Regelungen nicht. „Nein, ich finde das nicht korrekt“, sagt sie. „Ich denke, es macht keinen Unterschied, ob man Glühwein oder Wasser trinkt. Wo ist außerdem der Unterschied, ob ich Alkohol am Stand oder im Laden kaufe? Menschenansammlungen wird es trotzdem geben“.

Teils fragwürdige Einzelmaßnahmen

Auch die Passanten Anna-Sophie Koch und Mathias Fischer stehen Glühwein trinkend beisammen. Auf die Frage, ob sie von den neuen Maßnahmen gehört haben, lachen beide. „Ja, deshalb sind wir hier“, sagt Anna-Sophie Koch. Einen letzten Glühwein wollten die beiden noch mal trinken, bevor das nicht mehr möglich sei. „Schade finden wir es schon, dass das in Zukunft nicht mehr geht. Aber es ist auch verständlich“, kommentiert Mathias Fischer. „Die Einzelmaßnahmen sind allerdings schon teilweise fragwürdig. Ich glaube auch nicht, dass der Alkohol per se das Problem ist“.

Angesichts der nun geltenden Ausgangsbeschränkungen sind die beiden froh, den Tag in der Stadt noch mal nutzen zu können. Bleibe zu hoffen, dass die Maßnahmen wenigstens etwas bewirken.