In der Elvertstraße in Bad Cannstatt wird nun auch Personal aus Kitas und Schulen kostenlos getestet. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bis zum 30. September 2020 dürfen sich Lehrer, Erzieher und das Personal an Kitas und Schulen kostenlos auf Corona testen lassen. Die Arbeitgeber begrüßen den Vorstoß des Landes.

Stuttgart - Wer es sich aussuchen kann, der hält sich zum Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus nicht in Pulks auf. Aber es gibt Menschen, die diesbezüglich keine Wahlmöglichkeit haben. Vor allem nach den Sommerferien: Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie das sonstige Personal an Schulen, Kitas und in der Kindertagespflege.

Mehrfach hatten sie Gleichbehandlung eingefordert – zumindest mit jenen, die gut erholt aus dem Urlaub kommen und auf Bahnhöfen und auf Flugplätzen kostenlos auf das Coronavirus getestet werden. Das Land Baden-Württemberg hat auf die Kritik reagiert und verfügt, dass sich zwischen 17. August und 30. September auch Beschäftigte aus Schulen und Kitas und der Kindertagespflege testen lassen dürfen– kostenlos und zweifach.

Die Schulen und Verwaltungen sind kurz vor den Sommerferien informiert worden. „Wir konnten die Formulare auch noch rechtzeitig verschicken“, bestätigt Sandra Hörner, Fachberaterin beim Dachverband der Stuttgarter Eltern-Kind-Gruppen. Die Vordrucke müssen dem Arzt vorgelegt werden.

Der Test selbst kann in einer Arztpraxis, aber auch in einer Abstrichstelle wie beispielsweise jener im Neckarpark vorgenommen werden, „das entlastet die Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha in Stuttgart. In der Abstrichstelle in Bad Cannstatt ist eine Online-Terminvereinbarung unter https://aerzteschillerplatz.de/corona-abstrichstelle-neckar­park/ Voraussetzung für einen Test.

Jörg Schulze-Gronemeyer glaubt, „dass die meisten den Test nutzen werden“. Er ist Leiter der Abteilung Jugend und Soziales bei der evangelischen Kirche, Träger von 107 Stuttgarter Kitas.

Die Stadt Stuttgart beschäftigt rund 2000 Erzieherinnen und Erzieher. „Weil das Testergebnis medizinisch gesehen keine 100-prozentige Sicherheit gibt, ermutigen wir unser Personal nicht dazu“, sagt die Stuttgarter Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, Isabel Fezer (FDP). „Wir begrüßen das Angebot für eine kostenlose freiwillige Testung trotzdem, denn der Wunsch danach ist vor allem von Lehrern an uns herangetragen worden.“

Beim Staatlichen Schulamt Stuttgart stößt die Teststrategie des Landes auf Zustimmung. „Wir empfehlen den Kolleginnen und Kollegen, an beiden Tests teilzunehmen und hoffen, dass dadurch nach den Sommerferien Corona-Ausbrüche in Schulen weitgehend verhindert werden“, so Schulamtsdirektor Thomas Schenk. Die Rückmeldung der Kollegen sei bisher durchgängig positiv gewesen. Er hoffe nur, „dass Schülerinnen und Schüler, die aus Reisen in Risikogebieten zurückkehren, sich ebenfalls testen lassen und gegebenenfalls die Quarantäneregeln befolgen“.

Im Schnitt werden im Neckarpark rund 250 Abstriche pro Tag gemacht, am Montag waren es 500, 16 Erzieher und Lehrer waren unter den Testpersonen. Seit der Eröffnung am 5. August sind dort insgesamt 1813 Abstriche gemacht worden, teilt Dr. Hans-Jörg Wertenauer, leitender Arzt, auf Anfrage mit. Drei Viertel der Testpersonen seien Reiserückkehrer gewesen. Zum Schutz der Mitarbeiter würde das Personal unter anderem einmal wöchentlich auf das Virus getestet. Derzeit seien in Stuttgart keine aktiven Corona-Fälle bei medizinischem Personal bekannt.

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