Die Epplestraße in Stuttgart-Degerloch ist nach wie vor belebt – auch weil dort Supermärkte, Drogerien und Apotheken beheimatet sind, die noch öffnen dürfen. Foto: Dalcolmo

Dieter O. Schmid besitzt mehrere gewerbliche Immobilien in Stuttgart-Degerloch. Nun erlässt er den Einzelhändlern die Miete für April. Der Erlass sei aber kein Akt aus reiner Nächstenliebe, erklärt er.

Degerloch - Als „keinen besonders edlen Akt“ bezeichnet Dieter O. Schmid sein Geschenk, über das etliche Händler und Gewerbetreibende aktuell wohl sehr dankbar wären. Der Degerlocher Geschäftsmann, der beruflich inzwischen im Ruhestand ist, besitzt mehrere gewerbliche Immobilien im Stadtbezirk. Nun erlässt er seinen Mietern die Zahlungen für April. „Wir können uns zurzeit alle etwas helfen. Zusammenhalt ist wichtig“, sagt Schmid. Allerdings betont er, dass er bei der Aktion ganz klar auch an sich selbst denkt: „Es nutzt mir nichts, einen Einzelhändler jetzt in den Ruin zu treiben. Denn wenn der Laden nach Corona leer steht, habe ich drei, vier oder fünf Monate lang keine Einnahmen.“ Durch den Mieterlass für den Monat April halte er also auch seine eigene Situation stabil.

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Aufgrund des Coronavirus müssen derzeit viele Läden geschlossen bleiben. Von Montag an dürfen unter bestimmten Auflagen zwar Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmeter Verkaufsfläche wieder öffnen. Das gilt – unabhängig von der Verkaufsfläche – auch für Auto-, Fahrrad- und Buchhändler. In den vergangenen Wochen sind jedoch etlichen Händlern bereits hohe Einnahmen weggebrochen.

Viele behelfen sich mit neuen Geschäftsmodellen

„Bei mir handelt es sich zum Großteil um Einzelhändler, die jahrelang pünktlich ihre Miete bezahlt haben“, sagt Schmid, der auch Vorstandsmitglied beim Verein „Degerloch hilft“ ist. Allerdings findet er es wichtig, dass die Händler und Unternehmen nun nicht nur „zu Hause auf den Staat“ warten, sondern irgendetwas tun, um trotz der Krise Geld einzunehmen.

Immer mehr Einzelhändler versuchen genau dies und haben sich bereits in den vergangenen Wochen mit alternativen Geschäftsmodelle geholfen. So bieten etliche Restaurants und Läden inzwischen einen Lieferservice an. Zusätzlich hat sich so manches Lokal zum kleinen Supermarkt verwandelt und bietet nun beispielsweise Feinkost oder das stark nachgefragte Toilettenpapier an. Andere haben ihre Waren sowie eine Vertrauenskasse vor der verschlossenen Ladentür aufgebaut und so Einnahmen generiert.

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