Die Corona-Lage in Stuttgart ist vermutlich schlechter, als die Inzidenzen das glauben machen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

In den vergangenen Tagen verharrte die Sieben-Tage-Inzidenz in Stuttgart auf einem vergleichsweise niedrigen Wert. Das hält der Leiter des Gesundheitsamts nicht für realistisch. Schon bald sei mit Inzidenzen zwischen 400 und 500 Fällen zu rechnen.

Stuttgart - Auch in der Landeshauptstadt sind die ersten Fälle von Corona-Infektionen mit der Omikron-Variante nachgewiesen worden. Es handle sich um drei Betroffene, deren Infektionen in einem klaren Zusammenhang mit Reisen nach Südafrika bestehen, erklärte Stadtsprecher Sven Matis. Zwei Personen seien direkt aus dem Land an der Südspitze Afrikas zurückgekommen, bei der dritten handle es sich um den Angehörigen eines Reiserückkehrers. Die Omikron-Variante war erstmals in Südafrika aufgetreten. Sichere Erkenntnisse über diese gibt es noch nicht, es deutet aber einiges darauf hin, dass Omikron deutlich ansteckender ist als die bisherigen Coronavarianten.

Amtsleiter hält aktuelle Inzidenz nicht für realistisch

Unabhängig von der sich ausbreitenden Omikron-Variante geht das städtische Gesundheitsamt davon aus, „dass die gemeldeten Coronavirus-Fälle in den kommenden Tagen deutlich ansteigen werden“, sagt Amtsleiter Stefan Ehehalt. Die etwa am Mittwoch gemeldete Sieben-Tage-Inzidenz für Stuttgart von 345,2 Fällen pro 100 000 Einwohner sei nach Heidelberg die niedrigste im Land. Am Donnerstag lag sie dann bei 340,3 Fällen. Dies hält Ehehalt bei einem landesweiten Wert von 519 Fällen nicht für realistisch, die Entwicklung in Stuttgart sei „nicht abgekoppelt“ von der des Landes. Für den niedrigen Wert hat der Amtsleiter eine Erklärung: „Aufgrund des extrem hohen Fallaufkommens ist die Eingabe der Fälle derzeit verzögert.“ Deshalb können man insbesondere die jüngsten Zahlen nur als vorläufig betrachten, so Ehehalt. Es seien bald Inzidenzen „zwischen 400 und 500 Fällen“ zu erwarten.

Mehr Personal für die Falleingabe nötig

Der Mediziner betont, man habe „in Erwartung einer solchen Entwicklung frühzeitig das Personal aufgestockt.“ Derzeit seien 29 Personen mit der betreffenden Aufgabe befasst. Allerdings nehme die Stellenbesetzung und die Einarbeitung des Personals Zeit in Anspruch. Dadurch könnten rasche Anstiege der Fallzahl nicht sofort abgefangen werden. Weil jetzt die Personalkapazität etwa in Richtung Falleingabe umgeschichtet werden muss, könne man die Hotline für positiv Getestete und für enge Kontaktpersonen nicht mehr wie bisher besetzen.

Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann erklärte, die aktuelle Coronalage sei „kritisch, weil sich das Virus mit einer völlig neuen Geschwindigkeit ausbreitet“. Deshalb sei es gut, dass das Land „die Vorgaben für bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens verschärfen will“.

DLRG und Malteser testen in Altenheimen

Wie sehr es derzeit an Personal für die Bekämpfung der Pandemie mangelt, lässt sich daran ablesen, dass seit Montag in Stuttgart 56 ehrenamtliche Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes tätig sind. Sie kommen je zur Hälfte von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und vom Malteser Hilfsdienst. DLRG-Zugführer Thomas Ruhland erklärte zum Einsatz der zwei Katastrophenschutzeinheiten, das Gesundheitssystem in Stuttgart sei „mit den steigenden Infektionszahlen an der Belastungsgrenze. Die Impfstationen werden dem Ansturm nicht gerecht, die Infektionen steigen massiv, der Bedarf an Schnell- und PCR-Tests explodiert.“ Die Ehrenamtlichen helfen „beim Impfen und Testen“, sagte Daniel Anand, der Sprecher der Branddirektion. Sie seien im Einsatz in 17 Stuttgarter Altenpflegeheimen, in acht Impfambulanzen und in zwei mobilen Testteams.

Hilfskräfte werden weiter dringend gesucht

Der Einsatz soll bereits am 12. Dezember wieder enden. Bis dahin sollen neue Mitarbeiter für die Aufgabe eingestellt werden. Thomas Ruhland sagte, man sei froh, dass man seinen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten könne. Es sei aber auch „eine große Herausforderung, trotz gesetzlicher Grundlage unsere Helfer vom Arbeitsplatz frei zu bekommen“. Für Testungen und Eingangskontrollen in Altenpflegeheimen werden dringend Interessierte gesucht. Sie können sich beim Jobcenter unter der Adresse jobcenter.testpflege@stuttgart.de melden.

Aktuelle Meldungen, wissenswerte Hintergründe und nützliche Tipps – in unserem Dossier bündeln wir alle Artikel zu Corona.