Corona in der Schule bedeutet Maskenpflicht. Wie viele sich dennoch anstecken, lässt sich weiterhin nicht beantworten. Foto: dpa/Uli Deck

Insgesamt stagniert die Zahl der bestätigten Corona-Infizierten – an den Schulen legt sie zu. Die Zahl der Klassen in Corona-Quarantäne ist im Vergleich zur Vorwoche um 50 Prozent gestiegen. Doch bei diesen Zahlen steckt der Teufel im Detail.

Stuttgart - Am Mittwoch treffen sich die Regierungen von Bund und Ländern, um den seit Anfang November geltenden Teil-Lockdown zu bewerten. Neben einer möglichen Verschärfung der Regeln wird vermutlich auch über die Lage an den Schulen gesprochen. Derzeit sind Vorschläge wie ein etwa wochenweiser Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht in der Diskussion, außerdem eine Ausweitung der Maskenpflicht.

Erbittert wird über die Frage gestritten, wie stark Schulen (und Kitas) von Corona betroffen sind. Ein Grund dafür sind die auch für Baden-Württemberg relativ spärlich vorhandenen Zahlen. Relevant sind Angaben aus drei Quellen: vom Kultusministerium, vom Landesgesundheitsamt und vom Robert-Koch-Institut.

Corona-Quarantäne: Plus 50 Prozent in einer Woche

Das Kultusministerium veröffentlicht auf seiner Website Angaben zu Quarantäne und Präsenzunterricht an den Schulen im Land insgesamt; detaillierte Werte werden auch auf Anfrage unserer Zeitung nicht herausgegeben. Ende vergangener Woche waren demnach an 573 Schulen insgesamt 890 Klassen infolge tatsächlicher oder vermuteter Corona-Infektionen „vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen“. Verglichen mit dem Stand genau eine Woche davor ist das ein Plus von 30 Prozent bei den Schulen (Vorwoche: 439 Schulen) und sogar 50 Prozent bei den Klassen (Vorwoche: 584 Klassen).

Das Kultusministerium setzt das starke Wachstum selbst in Relation zu den etwa 67 500 Klassen im Land und weist somit darauf hin, dass das Problem weiterhin relativ überschaubar sei – weil weniger als 1,5 Prozent aller Klassen von Corona-Quarantäne betroffen seien. Detailliert nachprüfen lässt sich das nicht. Beispielsweise macht das Ministerium keine Angaben zur Zahl der von den Maßnahmen Betroffenen. Auch veröffentlicht es keine Angaben zur Zahl der Klassen, die seit Schuljahresbeginn insgesamt in Corona-Quarantäne waren.

Schuljahresbeginn: Zahlen steigen sprunghaft

Eine weitere wichtige Informationsquelle ist das Robert-Koch-Institut. Mit dem Tool SurvStat lassen sich etwa für einzelne Altersgruppen Abfragen zur Ausbreitung des Coronavirus erstellen. Das folgende Diagramm zeigt die nachweislich mit Corona Infizierten je 100 000 Personen für die relevanten Altersgruppen in Baden-Württemberg:

Es zeigt sich, dass der Anteil der mit dem Coronavirus Infizierten unter Grundschülern (6 bis 10 Jahre) und Schülern der Sekundarstufe 1 (11 bis 15 Jahre) weiter steigt, während er in der Gesamtbevölkerung zuletzt leicht zurückgeht. Allerdings ist er weiterhin deutlich unter dem Landesschnitt.

Seit Anfang Oktober hat die sogenannte Inzidenz deutlich zugenommen. Rechnet man einen zweiwöchigen Zeitverzug von der Infektion bis zum Eingang in die Statistik dazu, dann zeigt sich insbesondere bei den unter-16-jährigen Schülern wie auch bei der Gesamtbevölkerung ein deutlicher Corona-Effekt des Schulbeginns Mitte September.

Problem Dunkelfeld

Gemäß Infektionsschutzgesetz müssen auch Zahlen zu infizierten Erziehern und Schülern in Kitas, Schulen und Horten separat erfasst werden. Das Landesgesundheitsamt gibt diese Werte seit Ende Oktober immer donnerstags in seinem Lagebericht wieder.

Man kann von Woche zu Woche zumindest für Betreuer und Betreute errechnen, wie viele neue Infektionen bestätigt wurden. Das Schaubild zeigt Woche für Woche die Entwicklung im November:

In diesen Werten bildet sich keine dramatische Entwicklung ab. Allerdings umfassen die vom Landesgesundheitsamt berichteten Zahlen mit Gewissheit nur einen Teil der tatsächlichen Infektionen unter Betreuern und Betreuten. Die Gesamtzahl der gemäß Infektionsschutzgesetz erfassten infizierten Kinder und Jugendlichen wird Stand vergangenen Donnerstag mit 5535 angegeben. Dagegen sind laut dem RKI-Tool SurvStat in Baden-Württemberg seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Baden-Württemberg allein bei den 6- bis 15-Jährigen bislang 7535 Infektionen nachgewiesen. Es ist anzunehmen, dass der größte Teil dieser Infizierten zur Schule geht.

Tatsächlich gibt das Landesgesundheitsamt an, dass zuletzt nur in etwa einem Drittel aller Infektionsfälle geklärt war, ob es sich um Kita-Kinder, Schüler beziehungsweise in solchen Einrichtungen tätige Betreuer handelt oder nicht. Über die Meldungen laut Infektionsschutzgesetz lässt sich wegen dieses sehr großen Dunkelfelds die Frage nach dem Ausmaß des Corona-Problems an den Schulen also nur bedingt beantworten.

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