Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann setzt sich für eine vorsichtige Öffnung der Schulen ein. Aus anderen Ländern gibt es an dem Vorschlag Kritik. (Archivbild) Foto: dpa/Sebastian Gollnow

„Nicht vorstellbar“, „illusorisch“ - mit klaren Worten wenden sich Politiker gegen eine Öffnung der Schulen in der kommenden Woche. Die zuständigen Länder diskutieren ein schrittweises Vorgehen.

Berlin - Die meisten Schülerinnen und Schüler in Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass sie zum Schutz vor Corona-Infektionen vorerst wohl weiter nicht an ihre Schulen können. Die Kultusminister der Länder kamen am Montag zu einer Schaltkonferenz zusammen, um über eine mögliche Verlängerung der Schulschließungen zu beraten. Der Schul-Lockdown war von Bund und Ländern Mitte Dezember als Teil des Herunterfahrens des gesamten öffentlichen Lebens bis Ende dieser Woche vereinbart worden. Die Videokonferenz sollte der Vorbereitungen neuer Beratungen der Regierungschefs der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Dienstag dienen. Einzelne Länder preschten mit eigenen Regelungen bereits vor.

Grundsätzlich war die Haltung der Kultusminister in der Vergangenheit, die Schulen so schnell wie möglich wieder zu öffnen, damit die Schülerinnen und Schülern möglichst wenig Nachteile haben. Die Eltern sollen auch nicht mit zusätzlichen Betreuungsaufgaben zu Hause zu stark belastet werden. Nun diskutierten die die Bildungsministerinnen und -minister einen möglichen Stufenplan, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag erfuhr. Spekuliert wurde über eine mögliche Verlängerung des Schul-Lockdowns mit Ausnahme von Abschlussklassen und Grundschulen.

Fernunterricht wird vorbereitet

In einzelnen Ländern stellten die Behörden bereits die Weichen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte bei SWR Aktuell, der Fernunterricht an den Schulen in Rheinland-Pfalz solle auf jeden Fall mindestens bis zum 15. Januar weiterlaufen. „Wir hoffen, dass wir dann aber auch Stück für Stück wieder mehr Schule in der Schule machen können.“ Auch das sei allerdings abhängig von den Corona-Zahlen. Möglich sei Wechselunterricht. Wichtig sei, dass die Abschlussklassen ihre Prüfungen ablegen könnten. „Deswegen beginnt bei uns am 7. Januar ja auch das Abitur regelhaft.“

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Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bekräftigte ihre Forderung, Kindergärten und Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder zu öffnen. „Es gibt viele Kinder – vor allem aus sozial schwächeren Verhältnissen –, die beim Lernen leider keine Unterstützung ihrer Eltern erhalten“, sagte die CDU-Politikerin der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Montag). Kinder benötigten die Struktur und Stabilität durch Schulalltag und Präsenzunterricht.

Nördliche Länder sind gegen Schulöffnung

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will die Schulen in ihrem Land zunächst weiter geschlossen lassen. „Angesichts des Infektionsgeschehens und der unsicheren Datenlage bin ich Schulöffnungen im Präsenzunterricht zum 11. Januar gegenüber sehr skeptisch“, sagte sie der „Bild“-Zeitung (Montag). „Jetzt kommt es darauf an, die Fortschritte des digitalen Lernens auszuschöpfen.“

In Hamburg sollen wegen der weiter zahlreichen Corona-Neuinfektionen viele Schüler noch bis voraussichtlich Ende Januar zu Hause lernen. Der Senat der Hansestadt hatte die Anwesenheitspflicht für eine weitere Woche ausgesetzt und nicht ausgeschlossen, dass es auch in den letzten beiden Januarwochen keinen regulären Präsenzunterricht geben wird.

Politiker erheben zahlreiche Forderungen

Die zuständigen Landesregierungen sind Ziel zahlreicher Forderungen. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag), eine vollständige Rückkehr zum Präsenzunterricht in allen Jahrgängen sei aufgrund der Infektionslage „nicht vorstellbar“. Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, sagte: „Wechselunterricht ist, denke ich, das Gebot der Stunde.“ Im Sender RTL sagte sie: „Wir haben in Sachsen festgestellt, dass die Lehrkräfte dreimal so häufig betroffen sind von Infektionen wie andere.“ Die Sicherheit müsse sichergestellt werden.

SPD-Chefin Saskia Esken bezeichnete eine schnelle Rückkehr der Schulen zum Regelbetrieb nach dem 10. Januar als „illusorisch“. Sie sagte der „Rheinischen Post“ (Montag): „Die weiterführenden Schulen sollten ihre Schüler und Schülerinnen in den nächsten Wochen weiter in Distanz unterrichten.“ Auch wenn die Infektionszahlen Ende Januar erste Lockerungen möglich machten, werde volle Präsenz nur in den Grundschulen möglich sein. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, plädierte in der „Passauer Neuen Presse“ (Montag) für eine Verlängerung des eingeschränkten Präsenzbetriebs bis Ende Januar. Grundschulkinder, Unterstufenschüler und Abschlussklassen sollten in Wechselbetrieb an die Schulen.

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