Zwei Frauen mit Atemschutzmasken vor einem Krankenhaus: Die unter Quarantäne gestellten Einwohner Wuhans leiden unter der Virus-Krise überrascht. Foto: AFP/Hector Retamal

Die unter Quarantäne gestellten Einwohner Wuhans wurden von der Schwere der Virus-Krise überrascht. Nun soll binnen weniger Tage ein neues Krankenhaus gebaut werden. Gelingt der Wettlauf gegen die Zeit?

Wuhan - Dutzende Bagger wühlen die rote Lehmerde auf, dicht an dicht gedrängt stehen sie auf der Brachfläche, der Lärm der Maschinen ist ohrenbetäubend. In nur einer Woche errichtet die Lokalregierung von Wuhan ein riesiges Krankenhaus mit über tausend Betten, um dem riesigen Ansturm der Patienten nachzukommen. Noch vor Ende des Monats soll die Klinik im Einsatz sein.

Wie notwendig solch eine Maßnahme ist, zeigen die unzähligen Videoaufnahmen, die auf sozialen Netzwerken aus der Elf-Millionen-Metropole kursieren: Sie zeigen völlig überfüllte Wartehallen von Spitälern, vor Erschöpfung auf dem Boden liegende Menschen sowie andere, die trotz schweren Symptomen aus Platzmangel nach Hause geschickt werden.

Die zentralchinesische Stadt Wuhan, von wo aus der neuartige Coronavirus sich verbreitet hat, befindet sich im Ausnahmezustand. Seit Donnerstag gibt es für die meisten Bewohner weder hinein noch hinaus, die U-Bahnen fahren nicht mehr, die Ausfallstraßen sind abgesperrt. Am Freitag hat sich auch die Versorgungslage in einigen Bezirken verschärft: Chinesische Reporter berichten von leeren Supermarktregalen, die nur mehr vereinzelte Salatköpfe verkaufen – für umgerechnet mehr als fünf Euro das Stück.

Deutschland hat noch keine Reisewarnung ausgesprochen

Vor allem die Lokalbehörden in Wuhan haben zu Beginn des Virusausbruchs offenbar geradezu naiv optimistisch, wenn nicht gar fahrlässig gehandelt. Noch am Sonntag hat die Regierung in Wuhan beispielsweise ein Neujahrs-Bankett mit mehr als zehntausend Familien organisiert, die gemeinsam speisten und tranken – nur vier Tage bevor die Stadt unter Quarantäne gestellt wurde.

Während Deutschland noch keine Reisewarnung für die Region ausgesprochen hat, haben dies sowohl die Vereinigten Staaten als auch Japan bereits getan. Vor allem die Regierung in Japan dürfte die Ausbreitung des Coronavirus mit Argusaugen verfolgen, schließlich finden in Tokio in ziemlich genau sechs Monaten die Olympischen Sommerspiele statt. Bislang bestätigte Japan bereits zwei vom Virus infizierte Menschen. Zum Vergleich: 2002 bei der Sars-Epidemie hat es rund ein halbes Jahr gedauert, ehe das Virus als eingedämmt galt.