Die Gäste des Böblinger Gesundheitsamtes werden erst durch Container geschleust, um Ansteckungen zu vermeiden. Foto: factum/Granville

Das Gesundheitsamt in Böblingen hat Container für ihre Besucher aufstellen lassen, Nachdem ein CDU-Mitglied am Coronavirus erkrankt ist, sagt die Partei alle öffentlichen Veranstaltungen in Böblingen ab.

Böblingen - Dem Patienten aus Steinenbronn (Kreis Böblingen), den seine Partnerin mit dem Coronavirus angesteckt hat, geht es so weit gut. Der 28-Jährige liege im Tübinger Universitätsklinikum auf einer Quarantänestation, teilt das Klinikum mit, nachdem er sich am Donnerstagabend dort hatte testen lassen.

Der Patient bekleidet mehrere Ämter in der CDU, deswegen wurden auch andere Parteimitglieder, zu denen er Kontakt hatte, vorsorglich unter Quarantäne gestellt. Doch nicht nur sie. Von den insgesamt 27 Personen, zu denen der 28-Jährige seit der Ansteckung Kontakt hatte, sind 26 ermittelt und befinden sich in häuslicher Isolation. Ob sich jemand angesteckt hat, ist noch nicht bekannt.

Schulen in Steinenbronn bleiben geöffnet

Die CDU im Kreis Böblingen hat inzwischen umfassend reagiert: Wie der Kreisvorsitzende Michael Moroff berichtet, habe die Partei „aus Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitgliedern, aber auch als reine Vorsichtsmaßnahme alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt“. Vor allem betrifft das die Nominierungsveranstaltungen für die Landtagswahl. Hier wäre es besonders im Wahlkreis Leonberg interessant geworden. Am 6. März hätte dort der Herrenberger CDU-Vorsitzende Swen Menzel die Spitzenkandidatin Sabine Kurtz herausgefordert mit dem Ziel, das Direktmandat im Wahlkreis zurückzuholen. Diese Veranstaltungen sollen nun zwischen Ostern und Pfingsten nachgeholt werden.

Im Heimatort des 28-Jährigen in Steinenbronn ändert sich vorerst nichts. Die Schule und die sechs Kindergärten bleiben geöffnet, eine Schließung müsste vom Gesundheitsamt des Landratsamtes Böblingen angeordnet werden, und dazu bestehe keine Veranlassung, sagt Simone Hotz von der Pressestelle der Behörde. Der Bürgermeister von Steinenbronn, Johann Singer, gibt keine Stellungnahme ab. Das Gesundheitsamt in Böblingen indessen verstärkt seine Vorsorgemaßnahmen. Die Behörde hat vor dem Gebäude zwei Container aufstellen lassen, die als Besucherschleuse dienen. Jeder Bürger, der mit einem Anliegen kommt, muss zunächst den ersten Container betreten und wird dort von Mitarbeitern zu den Ämtern weitergeleitet. Bürger, die mit einem Husten oder Schnupfen kämen oder sich unwohl fühlten, würden in Container zwei weitergeleitet und später in ärztliche Behandlung gebracht, sagt die Pressesprecherin des Landratsamtes, Simone Hotz.

Landratsamt richtet zentrales Testzentrum ein

Die Behörde ist derzeit dabei, im Süden des Landkreises ein zentrales Testzentrum einzurichten, das seinen Betrieb voraussichtlich am nächsten Montagabend aufnehmen wird. Darin werden außerhalb der Praxissprechzeiten Abstriche für ­Laboruntersuchungen vorgenommen. Im Center werden Personen getestet, die vorher beim Gesundheitsamt telefonisch registriert wurden. Der Landkreis möchte so verhindern, dass Verdachtsfälle direkt in die Notfallpraxen oder Notfallaufnahmen der Kliniken gehen. Dort halten sich viele andere oftmals stark geschwächte Patienten auf, für die eine Ansteckung mit dem Coronavirus gefährlich ist.

Die Quarantäne des infizierten CDU-Mannes aus Steinenbronn wird indessen 14 Tage lang dauern. Die Landtagsvizepräsidentin Sabine Kurtz (CDU) aus Leonberg (Kreis Böblingen) sagt dazu, „der Betroffene hat ausgesprochen verantwortungsvoll gehandelt“. Sie führt das darauf zurück, dass der Vater des Infizierten Arzt sei. Seine Eltern hätten seit dem Zeitpunkt der Infizierung des Sohnes keinen persönlichen Kontakt zum Sohn gehabt und seien beim Skifahren gewesen und vermutlich nicht vom Coronavirus betroffen, heißt es aus Parteikreisen.

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