Auch Wechselunterricht soll angeblich bald wieder möglich sein. So reagieren Lehrerverbände auf die Kehrtwende des Kultusministeriums.
Stuttgart - Die Landesregierung führt wegen steigender Corona-Infektionszahlen die Maskenpflicht an den 2450 Grundschulen in Baden-Württemberg ein, wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen erfahren hat. Betroffen davon sind rund 380 000 Grundschüler, die seit dieser Woche wieder im vollen Präsenzunterricht sind. Sie sollen demnach im Schulgebäude eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. An den weiterführenden Schulen in den 5. und 6. Klassen und Abschlussklassen besteht schon eine Maskenpflicht.
Bei den Lehrerverbänden stieß die Kurswende allgemein auf Zustimmung: „Die Maskenpflicht ist vernünftig und entspricht den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Wenn Schule so für alle sicherer sein kann und mehr Präsenz möglich ist, macht die Maskenpflicht an allen Schulen, auch den Grundschulen Sinn“, sagte Monika Stein, die GEW-Landesvorsitzende.
Stein: Maskenpflicht ersetze andere Schutzmaßnahmen nicht
Die Lehrkräfte, Kinder und ihre Familien würden so besser geschützt. Eine Maskenpflicht ersetze aber nicht andere Schutzmaßnahmen wie Luftreinigungsgeräte und mehr Personal, damit kleinere Gruppen gebildet und Schulleitungen und Lehrkräfte entlastet werden können.
Der Landesvorsitzende der Bildungsverbandes VBE, Gerhard Brand, begrüßte den Schritt. Grundschullehrer hätten es mitunter schwer mit den Eltern gehabt, wenn sie die Kinder zum freiwilligen Maskentragen aufgefordert hätten. „Wenn jetzt eine Anweisung vom Land kommt, entlastet das die Schulleitungen“, so Brand. Er sprach die Vermutung aus, dass sich jetzt viele Eltern medizinische Atteste für ihre Kinder besorgen werden. Kinder ohne Maske, meint Brand, sollten im Fernunterricht bleiben. Im übrigen müsse es Ausnahmen für den sonderschulpädagoischen Bereich geben, dort sei Mimik sehr wichtig.
Druck auf Kultusministerium war gewachsen
Zuletzt hatten die Schulleiter-Vereinigung, der Städtetag und auch die Grünen im Landtag das Kultusministerium bedrängt, auch in Grundschulen die Maske verpflichtend zu machen. Es wurde argumentiert, dass sich Kinder insbesondere auch mit den nun schon sehr verbreiteten, mutierten Viren anstecken würden. Auf Druck der Grünen soll den 5. und 6. Klassen auch wieder ein Wechsel aus Präsenz- und Fernunterricht möglich sein.
Noch vor wenigen Tagen hatte das Kultusministerium zwei vom Kurs des Präsenzunterrichts abweichenden Schulen in Marbach am Neckar und in Schönau im Schwarzwald diesen Weg untersagt und auch keine Ausnahme zugelassen. Die Fünft- und Sechstklässler sind am vergangenen Montag nach einer dreimonatigen Phase der Ferien und des Fernunterrichts wieder in den Präsenzunterricht an ihre Schulen zurück gekehrt. Noch vor gut einer Woche hatte es um die Frage, ob in den Klassen die Abstandsregeln eingehalten werden müssen, heftigen Streit in der grün-schwarzen Koalition gegeben. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte die Forderung der Grünen abgelehnt, auch Wechselunterricht zuzulassen, wenn die Schulen den Abstand nicht gewährleisten können.