Ministerpräsident Winfried Kretschmann will mit den Stadtchefs für mehr Verständnis bei den Bürgern in Baden-Württemberg werben. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Bürgermeister und Oberbürgermeister aus dem Ländle hatten in einem Schreiben an Winfried Kretschmann den Teil-Lockdown kritisiert. Der Ministerpräsident reagiert mit Unverständnis.

Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) reagierte mit Verwunderung auf ein Schreiben, in dem sich 36 Stadtchefs aus Baden-Württemberg gegen den Teil-Lockdown ausgesprochen haben. In einem gemeinsamen Brief an Kretschmann kritisierten über 35 Bürgermeister und Oberbürgermeister die für November geplanten Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Nun liegt unserer Redaktion das Antwortschreiben des Landesvaters vor. In diesem hält Kretschmann an der Linie fest, die er auch am Freitagnachmittag in seiner Erklärung im Parlament verteidigte.

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Der Regierungschef betont die Einigkeit, mit der die Bundeskanzlerin zusammen mit den Ministerpräsidenten die Einschränkungen beschlossen haben. „Das Paket steht für eine gewaltige kollektive Kraftanstrengung von Bund und Ländern.“ Umso verwunderter sei er über das Ansinnen der Bürgermeister, dass „ausgerechnet Baden-Württemberg als eines der stärker betroffenen Länder von der Umsetzung“ abweichen soll, schreibt Kretschmann weiter.

Stadtleben vom Lockdown bedroht

Unterzeichnet hatten den Appell unter anderem Tübingens Stadtoberhaupt Boris Palmer (Grüne) und die Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Aalen, Friedrichshafen und Böblingen. Sie forderten gelockerte Corona-Maßnahmen und Ausnahmen für Gastronomiebetriebe und Kultureinrichtungen im Südwesten. Ausgerechnet diese Betriebe hätten in den vergangenen Monaten viel in Hygienekonzepte und damit die Sicherheit ihrer Gäste investiert.

Doch der Ministerpräsident erwidert: „Wir wollen bestimmte Bereiche des gesellschaftlichen Lebens bewusst offen halten.“ Restaurants und Theater meint er damit nicht, dem Landeschef geht es um die Schulen und Kitas. Um Bildung und Kinderbetreuung zu gewährleisten, seien in anderen Bereichen „einschneidende Maßnahmen nötig.“

Kretschmann zeigt kaum Verständnis

Sein Antwortschreiben schließt der grüne Ministerpräsident damit, dass er auf die Unterstützung der Bürgermeister und Oberbürgermeister zählt: „(...) ich zähle darauf, dass wir gemeinsam darum werben, dass die Menschen in diesem Land die Maßnahmen mittragen.“ Die breite Akzeptanz in der Bevölkerung könne man nur durch einen Schulterschluss mit den Akteuren vor Ort erreichen.

Reaktionen der Stadtchefs

Boris Palmer, einer der Initiatoren des ersten Schreibens, akzeptiert Kretschmanns Antwort.

Die Regierungslinie sei durch die Abstimmung im Landtag „demokratisch legitimiert“, schreibt er auf Facebook und sicherte seine Unterstützung zu.

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