Der erste Piks beim Hausarzt, das ist diese Woche ein rares Gut im Land. Foto: imago images/Wilhelm Mierendorf

Die Erwartung der Patienten und der Druck auf die Arztpraxen ist gestiegen, seit die Impfpriorisierung dort am Montag aufgehoben worden ist. Nur wird es aufgrund des Impfstoffmangels und vorgesehener Zweitimpfungen in dieser Woche dort so gut wie keine Erstimpfungen geben.

Stuttgart - Seit Montag ist für die Hausärzte im Land die Impfpriorisierung aufgehoben. Wer geglaubt hat, das würde die Chancen auf einen Impftermin schlagartig erhöhen, wird eines anderen belehrt. Laut der in Stuttgart ansässigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg wird es in dieser Woche in den Praxen nämlich „praktisch keine Erstimpfungen geben“, sagt Sprecher Kai Sonntag.

Die Arztpraxen hätten in dieser Woche Impfstoff „fast ausschließlich für Zweitimpfungen bekommen“, erläutert der Sprecher. Zwar seien pro Arzt auch sechs Dosen für Erstimpfungen vorgesehen. Nur deuteten Rückmeldungen aus der Ärzteschaft an, dass womöglich auch ein Teil dieses Impfstoffes für Zweitimpfungen verwendet wird, weil die für diesen Zweck bestellten Mengen nicht in vollem Umfang geliefert worden seien.

Das macht die Lage der Hausarztpraxen aktuell noch schwieriger, da viele derzeit mit einem telefonischen Ansturm von Patienten kämpfen, die geimpft werden wollen. Die Knappheit des Impfstoffs bleibt auch dort einstweilen ein Problem.

Kritik an Aufhebung der Priorisierung

Ob es ratsam war, im Land die Impfpriorisierung jetzt schon und nur in Arztpraxen, nicht aber in den Impfzentren aufzuheben, darüber gehen die Meinungen auseinander. Auch von Hausärzten hört man, die Aufhebung der Priorisierung sei verfrüht. Die KV im Land hat sich in den vergangenen Monaten gegenüber der Politik stark für den Einstieg der Niedergelassenen in das Impfgeschehen eingesetzt. Man hatte kürzlich sogar eine bundesweite Petition für die zügige Schließung der Impfzentren lanciert.

Beim Thema Aufhebung der Impfpriorisierung sei die KV aber „immer sehr zurückhaltend gewesen“, erklärt Sprecher Kai Sonntag. Man habe immer gesagt, „das schafft neue Probleme“, betont er. Allerdings werde die Priorisierung ohnehin Anfang Juni bundesweit aufgehoben. Sonntag: „Zwei Wochen früher oder später ist da nicht entscheidend.“

Der Einstieg der Arztpraxen ins Impfen habe viel gebracht, sagt der KV-Sprecher. In nur fünf Wochen hätten rund 6000 Niedergelassene im Land 1,3 Millionen Menschen geimpft, „mehr als zehn Prozent der Bevölkerung“. Nächste Woche soll es in den Arztpraxen neben Biontech und Astrazeneca erstmals den Einmalimpfstoff von Johnson & Johnson geben.

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