Der Patient liegt in der Göppinger Klinik am Eichert. Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann

In der Göppinger Klinik am Eichert liegt der 25-Jährige, der sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Wie ist die Stimmung im Ort? Und wie gehen die Menschen mit einer möglichen Gefahr um?

Göppingen - Egal ob im Café Bozen, unter Passanten in der Innenstadt oder in der Apotheke: Dass das Coronavirus nun auch ihren Landkreis Göppingen erreicht hat, ist unter den Bewohnern der Hohenstaufenstadt am Mittwochmorgen ein wichtiges Gesprächsthema. „13 Menschen isoliert“ oder „anders als die Grippe“ – an vielen Orten fliegen Gesprächsfetzen zu dem Thema durch die Luft. Für die meisten geht der Alltag aber erst einmal ganz normal weiter.

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Jochen Schwedler und Robert Jakobi haben sich gerade in einem Edeka-Markt Salate, einen Smoothie und Snacks für die Mittagspause geholt. Sorge wegen des Virus? Die beiden Männer winken ab. „Die Sterblichkeitsrate ist extrem gering“, sagt Schwedler. Sollte er sich je in Quarantäne begeben müssen, käme der 50-jährige Familienvater gut zurecht. Seine Essensvorräte zu Hause reichen für mehr als vier Wochen, sagt der Mann. „Dass ich gut vorbereitet bin, ist aber vom Coronavirus unabhängig“. Schließlich hätten die Behörden in Deutschland auch bislang schon dazu geraten, Notfallvorräte zu Hause zu haben. Ob er heute ganz regulär zur Arbeit geht? „Ja, leider“, sagt Schwedler und lacht. Sein Chef steht neben ihm und grinst.

Die Bewohner spekulieren, wo sich der Mann aufgehalten haben könnte

In dem Edeka-Markt, in dem die beiden Männer eingekauft haben, lief am Mittwochvormittag alles „ganz normal“, sagt eine Kassiererin. Hamsterkäufe habe es keine gegeben. Der Markt halte auch keine zusätzlichen Waren vor. „Aber die Leute reden darüber, das merkt man schon“, sagt Egzona Agushi, die in einer Bäckerei in dem Supermarkt arbeitet.

Dass die Gerüchteküche kurz nach Bekanntwerden des Falls bereits angelaufen ist, merkt auch eine Apothekerin in der Göppinger Innenstadt. Ihren Namen möchte die Frau nicht in der Zeitung lesen. Kunden spekulierten darüber, wo der erkrankte Mann sich aufgehalten, welche Veranstaltungen er besucht haben könnte. „Fachliche Fragen zum Virus gibt es dagegen nur wenige“, so die Apothekerin. Und auch die Grippe – von der Experten immer wieder betonen, dass sie jedes Jahr zu weitaus mehr Todesopfern führt, als bislang das Coronavirus – „interessiert jetzt niemanden mehr“, sagt die Apothekerin.

Der Rat der Apothekerin: „Hygiene und gesunder Menschenverstand“

Desinfektionsmittel für die Hände ist in dieser Apotheke knapp geworden, die Mundschutzmasken sind ausverkauft. Einige Kunden hätten kartonweise Masken kaufen wollen, sagt eine andere Apothekerin. „Manche sind richtig wütend geworden, als wir gesagt haben, dass wir nicht so große Mengen abgeben, weil andere Leute auch noch einen Mundschutz haben wollen.“ Wer braucht einen Karton Masken zu Hause? „Ich vermute mal, manchen Menschen gibt es ein Gefühl der Sicherheit, wenn sie die halbe Apotheke leer kaufen. Ob sie sich dann auch regelmäßig die Hände waschen, ist die andere Frage.“ Der Rat der Apothekerin: „Hygiene und gesunder Menschenverstand.“

Unbesorgt ist Moritz Rinklin, Geschäftsstellenleiter einer Volksbank. „Wenn man sich ein bisschen eingelesen hat, weiß man, dass das Virus hauptsächlich für Menschen mit einer Vorerkrankung oder schwachem Immunsystem gefährlich ist“, sagt der 26-Jährige. Für ihn geht der Alltag an diesem Mittwoch ganz normal weiter – genau wie für zahlreiche andere Passanten, die man in der Göppinger Innenstadt befragt. Alltag herrscht auch im Kindergarten Villa Regenbogen. Keine besonderen Vorkommnisse, ganz normaler Betrieb, so die Leiterin des Kindergartens am Dienstagmittag.

Alte Menschen sind für Viruserkrankungen im Schnitt gefährdeter

Nur ein paar hundert Meter die Straße runter vom Kindergarten liegt das Pflegeheim Karlshof. An der Glasschiebetür hängt ein Schild: „Sehr geehrte Besucher/innen, die Grippesaison ist in vollem Gange“. Erst im nächsten Absatz wird auf den ersten Coronafall im Land verwiesen. „Das wirksamste Mittel, um eine Ausbreitung zu vermeiden, ist gründliches Händewaschen“. Besucher werden gebeten, sich vor dem Betreten der Bewohnerzimmer gründlich die Hände zu desinfizieren.

Alte Menschen sind für Viruserkrankungen im Schnitt gefährdeter. Edmund Wanner lässt sich trotzdem nicht aus der Ruhe bringen. Er zieht sein Tagesprogramm durch. Windgeschützt sitzt Wanner zwischen einer Säule und der Wand des Altersheims auf seinem Rollator. Er blickt auf die Straße. „Man braucht frische Luft – jeden Tag“, sagt der 75-Jährige. Der Rentner findet den Rummel um das Virus unsinnig. „Ich bin total locker. Aufregung bringt gar nichts. Man muss es nehmen, wie es kommt“, sagt der Mann.

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