Das Coronavirus stellt Frauenhäuser vor große Herausforderungen. Foto: dpa/Sophia Kembowski

In den vergangenen Tagen wurde mehrfach gewarnt: Häusliche Gewalt könnte in der Coronakrise zunehmen. Nun will die Landesregierung Frauen- und Kinderschutzhäusern unter die Arme greifen.

Stuttgart - Die Coronakrise stellt Frauen- und Kinderschutzhäuser vor Herausforderungen. Zum Beispiel fehlt es häufig an Platz für die notwendige Isolation, sollte ein Coronafall auftreten – denn viele Frauenhäuser sind generell voll belegt. Außerdem rechnet etwa das Autonome Frauenhaus in Stuttgart damit, dass sich geplante Auszüge verzögern. Die Fluktuation könnte so stark abnehmen, dass in den kommenden Wochen und Monaten gar keine Plätze mehr frei werden, befürchtet Heike Fischer vom Trägerverein „Frauen helfen Frauen“. Unsere Redaktion hatte jüngst über die Schwierigkeiten der Beratungsangebote durch die Coronakrise berichtet.

Nun hat das baden-württembergische Sozialministerium bekannt gegeben, dass es Frauen- und Kinderschutzhäuser sowie Beratungsstellen mit einem Soforthilfe-Fonds in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro unterstützt.

„Die Corona-Pandemie macht weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens notwendig. Das bringt Risikofaktoren für das Auftreten von häuslicher Gewalt wie Existenzängste, Überforderung und mangelnde Möglichkeiten sozialer Interaktion mit sich. Die Vertreterinnen der Frauen- und Kinderschutzhäuser und der Fachberatungsstellen berichten uns von einem deutlichen Anstieg an Beratungsgesprächen und Aufnahmegesuchen. Das bedeutet: Wir müssen leider auch mit einem weiteren Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt rechnen. Darauf wollen wir vorbereitet sein“, sagt Staatssekretärin Bärbl Mielich am Freitag.

Wofür das Geld verwendet werden kann

Die Frauenhäuser und Fachberatungsstellen verändern laut Sozialministerium derzeit ihre Arbeitsweise. Da kaum direkte Beratung möglich sei, werde verstärkt telefonisch oder auf elektronischem Wege – etwa über Chats – beraten. Die Soforthilfe soll genutzt werden, um die Erreichbarkeit auch bei erhöhter Nachfrage sicherzustellen. Beispielsweise kann mit dem Geld nach Angaben des Sozialministeriums bei den hauptamtlichen Beschäftigten aufgestockt werden oder es kann für Zuschüsse bei technischer Ausstattung wie PCs und Telefonanlagen verwendet werden.

„Die Landesregierung übernimmt Verantwortung, um qualifizierten Schutz und Hilfe auch in Krisenzeiten zu gewährleisten. Wir nehmen die aktuellen Nöte und Bedarfe der Frauen- und Kinderschutzhäuser und der Fachberatungsstellen häusliche und sexuelle Gewalt sehr ernst und haben daher vor einem statistisch messbaren Anstieg der Zahlen reagiert“, sagte Staatssekretärin Mielich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: