Geldgeschäfte sicher erledigen – das geht nur noch mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Foto: factum/Simon Granville

Die Zahl der Infizierten im Kreis steigt. Die RKH-Kliniken hoffen auf Ruheständler und Medizinstudenten als Aushilfen. Die Banken versuchen indes verunsicherte Kunden zu beruhigen.

Kreis Ludwigsburg - Die Zahl der Erkrankten im Landkreis wächst – 124 Menschen zwischen vier und 93 Jahren waren es am Mittwochabend laut Kreisgesundheitsamt –, und die Einschränkungen werden drastischer. Vor allem für ältere und chronisch Kranke hat die Stadt Ludwigsburg jetzt eine Anlauf- und Koordinierungsstelle geschaffen. Sie will Menschen, die Unterstützung benötigen, mit Menschen zusammenbringen, die Hilfe anbieten. Erreichbar ist sie unter unter Telefon 0 71 41/ 910 28 25 oder per E-Mail unter buergerengagement@ludwigsburg.de. Das städtische Seniorenbüro bietet für Fragen zum Verhalten in Zeiten des Coronavirus und zur Alltagsbewältigung unter den Ludwigsburger Nummern 910 42 62 und 910 20 14 Telefon-Hotlines.

Hilferuf aus den Kliniken

Einen Hilferuf haben am Mittwoch die RKH-Kliniken in den Landkreisen Enzkreis, Karlsruhe und Ludwigsburg verschickt. Für eine Welle an Corona-Patienten sehen sich die Kliniken nach eigenen Angaben zwar gut vorbereitet, „doch die Infektionswelle wird auch beim Klinikpersonal nicht Halt machen“, sagt Kliniken-Sprecher Alexander Tsongas. Vorbeugend suchen die Kliniken Pflegekräfte und Ärzte, die als Aushilfen einspringen können. „Wir wollen uns gut auf die bevorstehende Ausnahmesituation vorbereiten, bei der die Patienten jede helfende Hand dringend benötigen werden“, so Tsongas.

In Frage kommen examinierte Pflegekräfte und Ärzte, die in Elternzeit oder im Ruhestand sind, aber auch Medizinstudenten, die das zehnte Semester absolviert haben oder als Pflegekraft oder Rettungssanitäter ausgebildet sind. Besonders hoffen die Kliniken auf Pflegekräfte und Ärzte, die im Intensivbereich gearbeitet haben. Interessierte können sich unter Telefon, 0 71 41 / 9 99 62 15 oder per Mail an rkh.personal@rkh-kliniken.de melden.

Schulterschluss statt Konkurrenz

Die Landräte der Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr haben sich unterdessen darauf verständigt, dass sich die kommunalen Kliniken der Region fortan eng abstimmen. In Krisenzeiten gebe es weder Wettbewerb noch Konkurrenz. Priorität habe die Überwindung der Engpässe bei der Versorgung mit medizinischer Schutzausrüstung. Die Probleme seien bereits an Bund und Land adressiert, der Nachschub aber noch immer nicht sichergestellt.

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Hamster-Phänomene wie in Supermärkten beobachtet die Kreissparkasse Ludwigsburg an ihren Standorten immerhin noch nicht: „Wir stellen bisher keinen Anstieg der Geldabhebungen fest“, sagt der Pressesprecher Martin Lober. Um Engpässe an Geldautomaten zu vermeiden, werde öfter kontrolliert und bei Bedarf nachbefüllt. Wenn vereinzelt Öffnungszeiten verkürzt oder Filialen zeitweise geschlossen würden, dann mit Rücksicht auf Eltern oder aus Gründen der Gesundheitsvorsorge. Online-Banking und die telefonische Erreichbarkeit seien aber sichergestellt.

Kreissparkasse: Frühzeitig gewappnet

Die Kreissparkasse hatte Corona schon Anfang Februar auf dem Schirm, „als das Thema in Deutschland noch fast keinen Aufmerksamkeitsgrad hatte“, sagt Martin Lober. Deshalb sei sie zeitig gewappnet gewesen, habe einen Pandemiestab gegründet und für verschiedene Szenarien vorgeplant. Besonders wichtige Abteilungen wurden auf unterschiedliche Standorte verteilt, Teams räumlich getrennt, damit bei einer möglichen Erkrankung nicht alle Kollegen in Quarantäne müssen. In Eingängen, Kundenbereichen und Beratungsbüros stehen Desinfektionsspender – wobei die meisten Beratungen ans Telefon verlagert werden.

Heinz-Werner Schulte, der Chef der KSK Ludwigsburg, hofft auf Besonnenheit. „Anleger sollten nicht vergessen: Panik-Verkäufe von Aktien sind so ziemlich das Schlechteste, was man seinem Vermögen jetzt antun kann“, sagt er. Auch wenn jetzt alles hoffnungslos erscheine: In der Regel stabilisierten sich die Kurse nach solchen Paniktagen schnell und es dauere oft nur wenige Monate, bis der frühere Stand wieder erreicht werde. Langfristig seien die Aussichten für Aktien weiterhin gut, für Anleger mit langem Atem und guten Nerven könnten es derzeit „gute Kauftage sein“.

Volksbank: Kleinere Filialen bleiben zu

Die Volksbank Ludwigsburg verstärkt ihre Kundendialog-Center mit Mitarbeitern, die in den Filialen aktuell weniger zu tun haben. „Die Menschen erledigen derzeit verständlicherweise ihre Bankgeschäfte lieber telefonisch als am Schalter“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Thomas Palus. Deshalb öffnet die Volksbank für die persönliche Beratung jetzt nur noch ihre Standorte in Vaihingen, Bietigheim, Marbach sowie in Ludwigsburg die Zentrale und die Filiale am Arsenalplatz. In den kleineren Filialen wird es erst einmal keinen persönlichen Service mehr geben, alle Dienste wie Kontoauszugsdrucker, Geldautomaten und Briefkästen stünden dort aber weiterhin zur Verfügung.

Auch die Bargeldversorgung sei gewährleistet - „auch wenn immer weniger Einzelhändler noch Bargeld entgegennehmen möchten und zahlreiche Geschäfte bereits geschlossen sind“, so Palus. Einzelberatungen können auf Kundenwunsch aber auch unverändert an allen Standorten werktags zwischen 8 und 20 Uhr vereinbart werden. Ansonsten verweist die Volksbank auf die Vorzüge ihrer App und auf die Corona-Informationen auf ihrer Homepage.

Sorge um behinderte Menschen

Auch die Theo-Lorch-Werkstätten haben ihre Sorgen mit dem Coronavirus. Sie mussten ihren Bietigheimer Standort mit rund 350 Beschäftigten und Mitarbeitern schließen. Ein Praktikant hatte mit einer infizierten Person Kontakt, als Folge wurde die Gruppe, die mit ihm direkt zu tun hatte, in freiwillige Quarantäne geschickt. Mittlerweile ist der Praktikant positiv getestet worden, weshalb ein Krisenstab die Schließung bis 30. März beschloss. Nicht betroffen sind die Standorte Ludwigsburg und Großbottwar. Seit 16. März haben die Werkstätten die Verbindungen zwischen den Standorten gekappt; Besprechungen mit Externen sind abgesagt, Besucher dürfen nicht mehr in die Gebäude. Insgesamt arbeiten bei den Theo-Lorch-Werkstätten knapp 1100 Menschen, davon 850 mit einer Behinderung.

„Wir haben uns schon länger mit diesem Szenario beschäftigt, kamen also nicht unvorbereitet in diese Situation,“ sagt der Geschäftsführer Stefan Wegner. Er findet es unverständlich, dass die Behörden in Baden-Württemberg, anders als in anderen Bundesländern, Werkstätten für Menschen mit Behinderung nicht schlössen, „obwohl es sich um einen besonders gefährdeten Personenkreis handelt“. Die Werkstätten hätten einen gesetzlichen Auftrag, Arbeit und Betreuung für Menschen mit Behinderung anzubieten, und könnten nicht selbst über Schließungen entscheiden. Wegner hält eine „bundesweit einheitliche Entscheidung zur Sicherheit aller“ für notwendig.

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