Anstehen in der Schlange: Europa-Park-Besucher vom Montag, den 10. August, sollen auf Corona-Symptome achten. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Ein mit Covid-19 infizierter Mann aus dem Kreis Esslingen hat den Vergnügungspark am 10. August besucht. Das Gesundheitsamt muss nun alle Besucher per E-Mail oder Telefon von dem Fall informieren – wie funktioniert das?

Stuttgart - Der Europa-Park hat seinen ersten Corona-Fall. 15 000 Besucher strömten am Montag, 10. August, durch die Tore des Freizeitparks in Rust. Acht Tage später meldete sich das Gesundheitsamt Ortenaukreis bei den Betreibern des Parks. Einer der Besucher vom Montag war zu dem Zeitpunkt an Covid-19 erkrankt und „wahrscheinlich ansteckend“. Er wohnt im Landkreis Esslingen, sein Test dort war positiv. Die engen Kontaktpersonen des Infizierten sind bereits informiert worden, heißt es seitens des Gesundheitsamts.

Für Gäste und Mitarbeiter des Europa-Parks sei die Gefahr einer Infektion zwar sehr gering. Doch den Behörden steht nun eine Mammutaufgabe bevor. Wie können alle Besucher des Tages auf den Corona-Fall aufmerksam gemacht werden?

Besucher geben Mail-Adresse oder Telefonnummer an

Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Kontaktdaten der Besucher vollständig sind. Jeder Ticket-Käufer muss entweder eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer angegeben. Der Europa-Park hat laut eigenen Angaben an diesem Tag durch die Online-Bestellungen nahezu alle Tickets verkauft. „Für jedes erworbene Ticket wird eine Kontaktmöglichkeit erfasst, sowie Namen und geplante An- und Abreisezeit“, teilt eine Sprecherin des Parks mit. Die wenigen Gäste, die direkt an der Kasse kaufen, seien ebenfalls mit ihrer E-Mail oder Telefonnummer registriert worden.

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Die Daten sind an das Gesundheitsamt im Ortenaukreis weitergegeben worden. Dort entschied man sich, über den Corona-Fall per E-Mail zu informieren. Warum? Geht eine Mail nicht leicht im Spam-Ordner oder als Fake-Anschreiben unter? Die Pressestelle des Landratamts argumentiert: „Eine E-Mail erreicht die Besucher deutlich schneller als ein Brief. Die Gäste ohne E-Mail-Adresse wurden telefonisch benachrichtigt.“

Reinhard Kirr aus dem Dezernat für Sicherheit, Ordnung und Gesundheit erklärte bereits in einer öffentlichen Mitteilung: „Die Besucherzahl von nahezu 15 000 Menschen pro Tag macht es für die Behörden unmöglich, jede Person einzeln telefonisch zu kontaktieren.“ Das einzige Wagnis: Bei Familienbuchungen, die mehrere Karten beinhalten, muss nur eine Kontaktmöglichkeit angegeben werden. Nur diesem Kontakt kann per Mail oder Telefon über den Corona-Fall Bescheid gegeben werden. Dann liegt es in seiner Verantwortung, die weiteren Karten-Inhaber im Familienpaket zu informieren.

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Kein flächendeckender Test für alle Besucher

Der infizierte Besucher sei laut Landratsamt am 10. August auf dem Gelände des Vergnügungsparks zwischen 9.30 und 16 Uhr unterwegs gewesen. Dazu habe es ein Mittagessen zwischen 13 und 13.30 Uhr im Restaurant Bamboe Baai im Themenbereich Holland gegeben.

Alle Besucher, die sich an diesem Tag im angegebenen Zeitraum im Europa-Park befunden haben, sollen wachsam sein und ihren Gesundheitszustand bis einschließlich 24. August beobachten. Dazu soll der körperliche Kontakt zu anderen Menschen möglichst vermieden werden, rät das Gesundheitsamt.

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Ein flächendeckender Test aller 15 000 Besucher wird nicht angestrebt, heißt es auf eine Anfrage aus der Pressestelle des Landratsamts Ortenaukreis: „Die Ansteckungsgefahr ist bei Einhaltung der Hygienevorschriften in diesem Fall sehr gering. Es wäre daher unverhältnismäßig 15 000 Personen testen zu lassen. Die Situation ist vergleichbar mit einer infektiösen Person, die sich in der Innenstadt aufhält.“ Für den Europa-Park ist es der erste Vorfall mit einem Corona-Infizierten. Der Park hatte Ende Mai mit einem neuen Hygienekonzept nach einer Zwangspause wegen der Corona-Pandemie wieder geöffnet.

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