Blick in den Nähsaal: Bei Hugo Boss in Metzingen werden Gesichtsmasken genäht. Foto: Hugo Boss

Der Modekonzern Hugo Boss reagiert auch in der Produktion auf die Corona-Krise und näht an seinem Stammsitz Metzingen Mundschutzmasken. 

Metzingen - Immer mehr Unternehmen steigen in die Produktion von Mundschutzmasken ein. Jetzt auch der Modekonzern Hugo Boss. Man wolle im Kampf gegen Covid-19 einen Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit leisten, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. „Unsere Expertise ist das Schneiderhandwerk – und das möchten wir für etwas Gutes einsetzen.“ Deshalb habe man sich entschlossen, in Metzingen Behelfsmasken anzufertigen. In den kommenden Wochen sollen dort mindestens 180 000 Masken genäht werden, welche das Unternehmen nach eigenen Angaben spenden will.

Ein großer Teil davon geht an öffentliche Einrichtungen, viele davon in der Region – darunter auch an die örtliche Feuerwehr, an Pflegeeinrichtungen und die Polizei. Auch stellt Hugo Boss den eigenen Mitarbeitern Masken zur Verfügung – je zwei Stück zum persönlichen Gebrauch.

Besprechungsräume als Behelfs-Schneiderei

Die Produktion der Masken ist laut Unternehmen bereits in vollem Gange. Man habe auch entsprechende Maßnahmen ergriffen, um die Gesundheit und Sicherheit der Näherinnen und Näher zu gewährleisten. Um die Kapazitäten noch auszuweiten, wurden zusätzlich zu den Produktionshallen noch große Besprechungsräume im Hauptgebäude des Unternehmens in Behelfs-Schneidereien umfunktioniert. „In einer Zeit ohne Meetings eine pragmatische Lösung, um noch mehr Unterstützung leisten zu können“, heißt es bei dem Metzinger Nobelschneider.

Die Masken bestehen aus einem Baumwoll-Polyester-Mischgewebe und können laut Unternehmen daher mindestens 50 Mal gewaschen und wiederverwendet werden. Sie seien nicht für den klinischen Gebrauch. Nichtsdestotrotz könnten diese etwa in Pflegeeinrichtungen, bei der Feuerwehr oder der Polizei eingesetzt werden, denn dort sei der Bedarf ebenfalls sehr hoch.

Prototyp für Schutzanzüge

Man habe man auch schon einen Prototyp für Schutzanzüge entwickelt, den man in Kürze produzieren werde. „Hier sind allerdings noch keine Stückzahlen festgelegt worden“, sagt eine Sprecherin. Der Stoff sei auch mehrfach waschbar – mindestens 20 Mal. Die Anzüge seien auch für öffentliche Einrichtungen vorgesehen. Es handle sich aber nicht um medizinische Schutzkleidung.

Viele schwenken auf Masken um

Mittlerweile sind etliche Textilhersteller im Südwesten in die Maskenproduktion eingestiegen, darunter etwa Trigema, aber auch Maute+Renz Textil (Albstadt), die als Material für den Mundschutz mit Namen „ProtectMe“ keine Baumwolle, sondern die Hightechfaser Trevira Bioactive verwenden, in die antimikrobiell wirkende Silberionen verarbeitet sind. Auch der Unterwäschehersteller Comazo in Tailfingen (Zollernalbkreis) produziert unterschiedliche Mund- und Nasenmasken für Krankenhäuser aber auch für Privatpersonen. Auch das Familienunternehmen Alfred Apelt aus Oberkirch (nahe Offenburg), das Dekostoffe, Bett- und Tischwäsche näht, hat an seinem Produktionsstandort Polen auf Maskenfertigung umgestellt.

Flexible Firmen gibt es viele – auch der Feinwäschehersteller Novila in Titisee-Neustadt produziert waschbare Mund- und Nasen-Masken, ebenso der Wäschehersteller Medima aus Albstadt sowie der Nachtwäschehersteller Rösch Fashion mit Sitz in Tübingen, um weitere Beispiele zu nennen. Auch Hakro in Schrozberg (Landkreis Schwäbisch Hall), ein Spezialist für Berufs-, Freizeit- und Sportkleidung, hat zusätzliche Kapazitäten für die Maskenproduktion geschaffen. Am Firmensitz sind 190 Mitarbeiter beschäftigt.

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