Das neue Fahrrad bequem nach Hause geliefert bekommen - einige Händler bieten diesen Service während der Corona-Krise an. Foto: Shutterstock/Winston Link

Statt eine frustrierte Vollbremsung hinzulegen, treten Fahrradhändler und Fahrradindustrie in Zeiten von Covid-19 erst richtig in die Pedale. David Eisenberger, Marketing- und Kommunikationschef beim Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), erzählt im Interview von ideenreichen Mitgliedern.

Herr Eisenberger, warum punktet das Fahrrad als Fortbewegungsmittel gerade jetzt?

Mobilität muss auch aktuell stattfinden. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind während der Corona-Krise nicht das Transportmittel der Wahl. Also greifen die Menschen auf Auto oder Fahrrad zurück. Letzteres ist nicht nur infektionssicher, sondern stärkt zudem das Immun- und das Herz-Kreislaufsystem durch die Bewegung an der frischen Luft. Durch das viele Zuhause sitzen, fahre ich derzeit selbst auch mehr Fahrrad als ansonsten. Es wirkt prima gegen Stress, man bekommt den Kopf frei und kann auch mal für sich alleine sein - Stichwort Lagerkoller.

Wie steht es um die Fahrradhändler? Was dürfen diese noch? Lediglich den Werkstattbetrieb aufrechterhalten?

Die Fahrradbranche gilt als systemrelevant. Daher dürfen die Werkstätten der Händler offen bleiben. Wie bei KfZ-Betrieben auch. In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ist zudem der Verkauf in den Fahrradläden möglich. Von unseren Mitgliedern in Berlin hören wir, dass die Geschäfte derzeit gut laufen, weil Kunden ihre Räder fit machen lassen oder neue kaufen.

Doch was ist mit den Händlern in den anderen Bundesländern? 

Viele von ihnen haben kreative Konzepte entwickelt. Haben Online-Shops aufgebaut, in denen die Kunden Räder ansehen, auswählen und bestellen können. Die Räder stehen dann im Laden zur Abholung bereit oder werden ausgeliefert. Damit der persönliche Kontakt so gering wie möglich ausfällt, wird per Vorkasse oder auf Rechnung bezahlt. 

Die Stärke des Einzelhandels, das persönliche Beratungsgespräch und das Probefahren vor geschultem Fachpersonal, entfällt dann allerdings

Manche Händler beraten zumindest telefonisch. Probe gefahren wird zuhause und das 14-tägige Rückgaberecht gilt freilich weiterhin.

Vieles hängt davon ab, wie und wann es nach dem Shutdown weitergeht

Demnach gibt es bislang kaum negative Auswirkungen auf die Fahrradindustrie? Immerhin trifft die Händler die Corona-Krise im Frühjahr und noch dazu vor Ostern

Freilich schwächeln die Umsätze. In Umfragen, die wir bereits im Februar unter unseren Mitgliedern gemacht haben, klagten viele darüber, dass keine Teile ankamen, da China komplett dicht war. Mittlerweile laufen die Lieferketten in Asien wieder an und es kann produziert werden. Jetzt hinkt aber der Verkauf. Fahrradmessen wurden abgesagt. Die Eurobike Anfang September findet bislang statt. Insgesamt ist die Stimmung nicht gut. Fahrradindustrie wie Fahrradhandel haben Angst um ihre Existenz. Insolvenzen betreffend, haben wir aber keine Rückmeldungen unserer Kunden.

Wie ist Ihre Prognose für die Fahrradbranche?

Wer gut aufgestellt ist, wird durchkommen. Allerdings ist eine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt schwierig. Das hängt davon ab, wie lange die Maßnahmen des Shutdowns greifen werden. Wenn diese nach dem 20. April Schritt für Schritt gelockert würden, dann könnten die Verluste in der Fahrradbranche eventuell kompensiert werden. Ziehen sich die Maßnahmen bis in den Sommer hinein, verschieben die Kunden den Radkauf eher aufs kommende Jahr. Dann wird es durch Corona auch drastische Einschnitte in der Fahrradindustrie geben.

Powered by Radsport Mayer

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: