Die Freiwillige Feuerwehr muss besonders aufpassen, dass sich niemand mit dem Coronavirus infiziert. Foto: dpa/Stefan Sauer

Wegen Corona ist die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Leinfelden-Echterdingen bereits zum zweiten Mal verschoben worden. Die Verantwortlichen gehen lieber auf Nummer sicher – auch in anderen Bereichen.

Leinfelden-Echterdingen - Die Freiwillige Feuerwehr Leinfelden-Echterdingen hat ihre für den 2. Oktober vorgesehene Jahreshauptversammlung abgesagt. Der Grund: die immer noch anhaltende Corona-Pandemie und die Sorge um die Einsatzfähigkeit der Wehr, erklärt der Stadtbrandmeister Wolfgang Benz in einem Schreiben. Als Ersatztermin ist der 12. März 2021 vorgesehen. Das ist der Ersatztermin des Ersatztermins, denn üblicherweise finden Jahreshauptversammlungen im Frühjahr statt, also nach dem Ende eines Geschäftsjahres. Doch schon der ursprüngliche Termin musste wegen Corona verschoben werden.

Ein weiterer Grund für die Entscheidung ist die Zahl derjenigen, die kommen könnten. Benz: „Wir haben mehr als 420 Mitglieder. Wenn dann noch Gäste hinzukommen: Wie sollen wir die wo unterbringen angesichts der aktuellen Corona-Regeln?“ Nun ist eine Jahreshauptversammlung nicht irgendeine Veranstaltung, sondern ein offizieller Akt. Konkret betrifft das den Geschäftsbericht und die darauf folgende Entlastung der Verantwortlichen per Stimmabgabe. „Das können wir in dieser Situation aber auch im nächsten Jahr noch machen. Gesetzlich gesehen ist das kein Problem, der Gemeinderat hat der Verschiebung ebenfalls zugesagt.“

Die allermeisten Bürger wird es freilich nicht interessieren, ob die Feuerwehr nun ihre Jahreshauptversammlung abhält oder nicht. Anderes ist dagegen von ganz großem Interesse: Wie ist es um die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr bestellt, können die Mitglieder nur eingeschränkt ihre Einsätze wahrnehmen, um die Corona-Regeln zu wahren?

„Wir hatten bisher keine Corona-Fälle bei uns“

Die Antwort gleich vorweg: Die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Leinfelden-Echterdingen ist ohne Einschränkungen gewährleistet, so der stellvertretende Stadtbrandmeister Hartmut Raff: „Wir haben jährlich mehr als 300 Einsätze, das ist schon ziemlich viel.“ Mehr als 230 aktive Feuerwehrleute stünden zur Verfügung. Daran hat auch Corona nichts geändert. „Natürlich sind wir daran interessiert, schon beim Notruf zu erfahren, ob wir es beim Einsatz mit Menschen zu tun haben, die möglicherweise mit Corona infiziert sind.“

Grundsätzlich sind Feuerwehrleute auf bewährte Schutzmöglichkeiten angewiesen. Wie Polizei oder Sanitäter können sie mit Menschen in näheren Kontakt kommen, die auch andere ansteckende Krankheiten haben. Raff setzt auf die Eigenverantwortung und Erfahrung seiner Kollegen: „Wir hatten bisher keine Corona-Fälle bei uns. Aber natürlich haben wir entsprechende Vorgaben.“ Verpflichtende Tests gebe es nicht. „Dazu gibt es keine Veranlassung“, so Raff, „aber wer entsprechende Symptome bei sich bemerkt, der soll einen Test machen lassen. Und da gibt es dann schon Möglichkeiten bei uns, dass das ganz schnell und zuverlässig geht“.

Jetzt nehmen sie zwei Fahrzeuge statt einem

Es gibt dann noch die Werksfeuerwehren, etwa für Objekte wie das Messegelände oder den Flughafen. Diese können sich in der Feuerwehr-Gewerkschaft organisieren. Yves-Pascal Pasquini, tätig bei der Messe, ist Landesgruppenvorsitzender der Gewerkschaft. Er beschreibt die coronabedingten Maßnahmen so: „Wenn wir bisher mit einem Fahrzeug unterwegs waren, nehmen wir jetzt zwei Fahrzeuge, die nach dem Einsatz gründlich desinfiziert werden“, so Pasquini. Und: „Im Kreis, den alle Beteiligten unmittelbar nach einem Einsatz miteinander schließen, werden die Abstandsgebote zwingend eingehalten.“ Die Einsatzbesprechung selbst werde kurz gehalten. „Das Feuerwehrhaus muss nach dem Ende des Einsatzes möglichst unverzüglich von allen verlassen werden.“

Damit fehlen auch soziale Komponenten, die in normalen Zeiten zum Alltag einer Feuerwehr-Mitgliedschaft gehören: „Anfangs waren Übungseinheiten überhaupt nicht möglich. Jetzt geht da schon ein bisschen was, aber nur in kleinen Gruppen“, sagt Pasquini.

Die Schichten dauern jetzt teils 36 Stunden

Die Werksfeuerwehr arbeite in Schichten. „Da ist eigentlich eine Bereitschaftsschicht von maximal 24 Stunden üblich“, so Pasquini. „Aber das hat sich nun gründlich geändert, da wir ja in möglichst kleinen Gruppen agieren sollen, die möglichst wenig Austausch untereinander haben sollen.“ Bedeutet konkret: Die Schichtzeiten dauern jetzt länger – bis zu 36 Stunden. Ganz extrem wurde dies laut Pasquini in Esslingen beschlossen: „Dort gibt es jetzt einen Sieben-Tage-Dienst, danach gibt es dann 14 freie Tage.“ Das sind Arbeitsmodelle, die eher im Bereich der Berufsfeuerwehren zu finden sind.

Der Gewerkschafter begrüßt Wünsche nach Corona-Tests: „Das ist notwendig wie bei anderen systemrelevanten Berufen auch. Man kommt immer wieder Menschen sehr nahe, von denen man nicht weiß, wie die mit Corona umgehen“, sagt er. „Schließlich werden ja auch unsere Gerätschaften nach jedem Einsatz gereinigt und desinfiziert.“ Doch diese Forderungen laufen bislang ins Leere. Pasquinis Verdacht: „Daran besteht auch wahrscheinlich deshalb kein Interesse, weil dann offensichtlich wird, wie eng dies alles gestrickt ist in personeller Hinsicht. Unsere Arbeitsbelastung ist zum Teil immer noch weit über dem, was zulässig ist.“

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