Erik Schweickert (FDP) leitet den Wirtschaftsausschuss des Landtags, der über die großen Bürgschaften und Beihilfen im Südwesten entscheidet. Foto: FDP

Trotz milliardenschwerer Hilfen leben viele Unternehmen seit Monaten aus der Substanz. Firmeneigentümer zehren ihre Altersvorsorge auf, und vielen fehlt die Kraft für einen Aufschwung.

Stuttgart - Die Coronakrise bedroht die Altersvorsorge zahlreicher kleiner Unternehmer im Land. „Viele Unternehmer leben im Alter von dem, was sie jahrzehntelang angespart haben“, sagt Erik Schweickert, Vorsitzender des Landtags-Wirtschaftsausschusses. Weil sie jetzt ihre Altersvorsorge angriffen, bestehe die „Gefahr, dass ausgerechnet die typisch baden-württembergischen Firmeneigentümer in eine Klein-Unternehmer-Armut hineinlaufen“. Sie hätte keine Rentenansprüche und könnten von der Krise besonders hart getroffen werden.

„Für den Aufschwung fehlt das Geld“

Schweickert erwartet eine steigende Zahl von Firmenpleiten. Ziehe die Wirtschaft wieder an, müssten viele Firmen ihre Vorräte wieder aufstocken. „Um den Aufschwung zu finanzieren, brauchen die Firmen Geld, das viele jetzt nicht mehr haben.“

Nötig seien jetzt Hilfen, die sich auf besonders betroffene Branchen konzentrieren. Er kritisiert, Ministerpräsident Winfried Kretschmann setze die Gelder inzwischen nicht mehr so zielgerichtet ein wie bisher.

Guter Überblick über Lage der Firmen

Beim Wirtschaftsausschuss laufen die Fäden zusammen, wenn Firmen Beihilfen oder Bürgschaften von 20 Millionen Euro oder mehr beantragen. Der Ausschuss hat damit einen guten Überblick über die Lage mittelständischer Unternehmen im Land.

Das Gremium bereitet sich darauf vor, auch in den Ferien kurzfristig über Beihilfen zu entscheiden. Für die geheimen Sitzungen hat der Landtag eine Videotechnik bereitgestellt, über die die Abgeordneten auch an ihren Urlaubsorten konferieren können.

Hoher Preis für Banken

Der Konjunktureinbruch und coronabedingte Pleiten könnten auch Europas Banken teuer zu stehen kommen. In den nächsten drei Jahren müssten sich die Geldhäuser auf Kreditausfälle von mehr als 400 Milliarden Euro einstellen, warnt die Beratungsfirma Oliver Wyman. Bei einer zweiten Schließungswelle könnten sich die Ausfälle auf mehr als 800 Milliarden Euro verdoppeln.

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