Idee made in Hohenheim: Eine App soll den aktuellen Engpass abmildern. Foto: Fritsch

Zwei Studenten aus Stuttgart-Hohenheim haben eine Handy-App entwickelt, die Landwirte und freiwillige Erntehelfer miteinander verkuppeln soll. Damit verfolgen die Macher aber auch noch andere Ziele.

Hohenheim - Timo Grupp und Christian Bidlingmaier ahnen, welche Herausforderungen auf Landwirte zukommen, wenn in diesem Jahr wegen des Coronavirus deutlich weniger Erntehelfer einreisen dürfen als sonst. Die Agrarstudenten kommen selbst von landwirtschaftlichen Betrieben. Vor fünf Jahren haben sie sich in Hohenheim kennengelernt – und nun gemeinsam eine Handy-App entwickelt, die bundesweit Landwirte mit freiwilligen Erntehelfern verkuppeln soll.

„Für Studenten in Hohenheim würde es sich anbieten, dass sie jetzt den Bauern auf den Fildern helfen“, sagt Timo Grupp. Er und Christian Bidlingmaier haben innerhalb von 48 Stunden die App „SoliD“, kurz für solidarisches Deutschland, entworfen.

Die Bauern stünden vor riesigen Herausforderungen

Die beiden 24-Jährigen waren am Hackathon der Bundesregierung beteiligt, bei dem mehr als 28 000 Menschen insgesamt 1500 Projekte zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie eingereicht haben. Lösungen für funktionierende Wirtschaftslieferketten, Terminvergabe bei Fachärzten und Entlastung für Notruf-Hotlines waren dabei. Und eben die „SoliD“-App aus Hohenheim. „Es war eine Riesenherausforderung für uns, in so kurzer Zeit mit Leuten zu arbeiten, die man gar nicht kennt“, sagt Timo Grupp.

Seit gut drei Wochen arbeitet das Team, das mittlerweile zu zehnt ist, an der App. Zurzeit sind vor allem die Helfer aus dem IT-Bereich gefragt, die aus dem Prototypen eine funktionierende Anwendung machen. Da die meisten berufstätig sind, wird die App wohl erst in paar Wochen fertig sein. „Das erste Ziel haben wir aber schon erreicht“, sagt Timo Grupp, „seit dem Hackathon ist das Bewusstsein darüber, welche Schwierigkeiten die Krise mit sich bringt, größer geworden“.

Unter die 20 besten Hackathon-Ideen hat es die „SoliD“-App nicht geschafft. Eine Chance auf finanzielle Förderung vom Bund haben die Erfinder aber noch. „In erster Linie geht es uns darum, den Landwirten zu helfen“, sagt Grupp, „wenn wir von der Regierung Unterstützung beim Verbreiten der App bekommen würden, wäre das wichtiger als Geld“.

So funktioniert die App aus Stuttgart-Hohenheim

Wer die App aufruft, kann zuerst wählen, ob er Hilfe bietet oder braucht. Dann erfolgt eine Registrierung. Entweder als Landwirt, der eingeben kann, welche Arbeiten genau zu erledigen sind, wie viel Geld er pro Stunde zahlt und wie viele Helfer er sucht. Oder es registrieren sich Helfer, die ihre Adresse angeben und alle umliegenden Landwirte angezeigt bekommen, die Hilfe suchen.

Ähnlich funktioniert eine Website, die das Bundesministerium für Ernährung kurz nach dem Hackathon herausgebracht hat – für Timo Grupp und sein Team enttäuschend, nachdem sie zwei Tage mit Hochdruck an ihrer Idee gearbeitet hatten. „Aber unsere App ist viel sicherer, weil nicht jeder die Daten unserer Nutzer sehen kann“, sagt Grupp. Unerwartet für die Hohenheimer Studenten ist zudem die Entscheidung der Bundesregierung gewesen, dass im April und Mai nun doch je 40 000 Erntehelfer aus dem Ausland einreisen dürfen. Da insgesamt aber rund 300 000 Leute fehlen würden, sieht Timo Grupp nach wie vor Bedarf für seine App. „Es sind immer noch zu wenig Helfer, und es wäre viel nachhaltiger, wenn Leute aus der Region helfen“, sagt er, „vielleicht kann man so auch den Bezug zur Landwirtschaft wiederherstellen, damit die Wertschätzung für den Beruf steigt und die Menschen danach bewusst regionaler einkaufen“. Das ist der langfristige Wunsch hinter dem Projekt.

Kurzfristig denkt Grupp an die Menschen, die wegen des Coronavirus zurzeit nicht ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen können und genügend Zeit hätten, Landwirten zu helfen. „Das sind vor allem Studenten, die ihre Jobs gerade einfach nicht machen können, ihre Miete aber trotzdem bezahlen müssen“, sagt Grupp.

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