Menschen mit viel Bauchfett haben ein größeres Risiko, schwer an Corona zu erkranken. Besonders betroffen: apfelförmige Männer. Was genau im Körper passiert.
Stuttgart - Frustessen, wenig Aktivität, wenig Sport: Faktoren wie diese haben dazu geführt, dass viele Deutsche in der Pandemie kräftig zugelegt haben. Schlimmer wird das Ganze dadurch, dass Übergewicht das Risiko für schwere Covid-Verläufe deutlich erhöht. „Das ist ein perfider Zusammenhang“, sagt Baptist Gallwitz, Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Was vielen nicht klar ist: Nicht nur stark adipöse Patienten sind gefährdet. Auch Menschen, die schlank wirken, aber am Bauch reichlich Fett eingelagert haben, sind schlechter dran.
Schon früh in der Pandemie hat sich abgezeichnet, dass bei Covid-19-Patienten mit Adipositas die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen. „Es besteht ein linearer Zusammenhang: Je stärker das Übergewicht, desto größer ist das Risiko“, sagt Gallwitz. Möglicherweise leiden adipöse Patienten auch häufiger an Long-Covid. „Aber natürlich kommt es auch darauf an, welche anderen Begleiterkrankungen die Patienten haben.“ So können sich unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen negativ auswirken. Außerdem gilt: Je älter der Patient, desto größer das Risiko.
Coronaviren nisten sich im Fett ein
Dass überschüssige Kilos bei Covid-19 so gefährlich sind, hat mehrere Gründe. „Zum einen reagiert das Immunsystem bei Menschen mit Adipositas schwächer“, erklärt Matthias Blüher, Vorstandsmitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Überschüssiges Fettgewebe provoziert nämlich eine chronische Entzündungsreaktion, die das Immunsystem laufend aktiviert. Das führt dazu, dass es für den Kampf gegen Viren wie Sars-CoV-2 schlechter gerüstet ist. „Zum anderen ist bei zu viel Bauchfett die Lunge schlechter belüftet, denn sie hat weniger Platz, sich beim Atmen auszudehnen“, sagt der Experte vom Uniklinikum Leipzig. Dadurch ist die Lungenfunktion insgesamt schlechter, was sich negativ auf den Verlauf von Covid-19 auswirkt.
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Abgesehen davon dient Fettgewebe den Viren offenbar als Depot. Darauf weist etwa eine Studie des Leibniz-Instituts für Experimentelle Virologie und dem Uniklinikum Hamburg-Eppendorf hin. Diverse Gewebeproben verstorbener Covid-Patienten wurden untersucht. Die Forscher konnten Sars-CoV-2 häufig im Fettgewebe nachweisen - vor allem bei übergewichtigen oder adipösen Männern. „Die Viren vermehren sich im Fettgewebe“, so Blüher. „Je mehr Fettgewebe vorhanden ist, desto größer ist die Gefahr, dass sich ein Viren-Reservoir bildet.“
Schon bei einem BMI von 23 steigt das Risiko
Eine klare Grenze, ab wann überschüssige Pfunde Covid-Patienten zum Verhängnis werden, gibt es nicht. „Mit jedem Kilo zu viel steigt das Risiko“, sagt Blüher. Eine britische Studie deutet darauf hin, dass die Gefahr, ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, schon bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 23 wächst – einem Wert also, der noch unterhalb der Schwelle zum Übergewicht bei einem BMI von 25 liegt. Dazu hatte ein Forscherteam der Universität Oxford die Daten von 6,9 Millionen Patienten aus 1500 Hausarztpraxen ausgewertet, von denen rund 13 500 wegen Covid im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das Sterberisiko erhöhte sich ab einem BMI von 28, also bei deutlichem Übergewicht.
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Wichtiger als das Körpergewicht ist jedoch die Fettverteilung: „Es kann täuschen, wenn jemand schlank wirkt“, meint Blüher. Manchmal sammelt sich auch bei Menschen, die gar nicht dick wirken, in der Körpermitte zu viel Fett. Eine solche „Apfelform“, wie sie bevorzugt bei Männern vorkommt, ist gefährlich. „Die Daten zeigen: Bauchfett ist gefährlicher als Hüftfett.“ Das sogenannte Viszeralfett im Inneren des Bauches hat nämlich einen besonders aktiven Stoffwechsel. Es produziert entzündungsfördernde Stoffe. Sie begünstigen schwere Infektionen. Und nicht nur das. So sagt Gallwitz: „Bauchfett ist für weitere Nebeneffekte verantwortlich, zum Beispiel erhöht es das Risiko für Bluthochdruck und Insulinresistenz.“ Ebendiese gelten wiederum als Risikofaktoren für einen schweren Covid-Verlauf.
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Auch Blutzucker beeinflusst Verlauf
Auch bei Diabetes gilt: Je mehr Viszeralfett, desto höher das Risiko. Botenstoffe, die in den Fettzellen am Bauch gebildet werden, setzen die Wirkung von Insulin in den Zellen herab und fördern so langfristig die Entstehung von Typ-2-Diabetes. „Vor allem Menschen mit schlecht eingestellten Blutzuckerwerten haben ein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken“, sagt Gallwitz von der Diabetes Gesellschaft. Bei ihnen ist das Immunsystem häufig geschwächt. Daher ist es wichtig, die Blutzuckerwerte gut zu kontrollieren. Aber: Da Typ-2-Diabetes lange Zeit keine Symptome bereitet, wissen viele gar nichts von ihrer Krankheit. Aus diesem Grund ist ein Gesundheits-Check sinnvoll. Auch eine kleine Gewichtsreduktion bringt schon viel. „Das Immunsystem belohnt es, wenn man auch nur wenige Kilos verliert“, ergänzt Blüher von der Adipositas-Gesellschaft. „Da wirkt es sich auch aus, dass man am Bauch zuerst abnimmt.“
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Bauchumfang
Der Bauchumfang sollte bei Frauen unter 80 und bei Männern unter 94 Zentimetern liegen. Messbar ist er an der schmalsten Stelle zwischen oberem Beckenkamm und unterem Rippenbogen – etwa auf Höhe des Bauchnabels gemessen. Wer am Bauch abnehmen will, muss das Gewicht insgesamt reduzieren und zwar durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung.
Ernährung
Wer Mahlzeiten auslässt, läuft Gefahr, Heißhunger zu entwickeln. Besser: regelmäßige Mahlzeiten, mit weniger Lebensmittel mit hoher Energiedichte. Pommes lassen sich durch Ofenkartoffeln mit Quark ersetzen, Nudeln durch Zucchini. Bei Snacks gibt es gesunde Alternativen, etwa Apfelschnitze statt Keksen oder Reiswaffeln statt Chips. Auf kalorienreiche Getränke sollte verzichtet werden.
Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Abnehmen beschleunigen. Es bringt schon etwas, sie in den Alltag einzubauen, zum Beispiel mit dem Rad zum Einkaufen zu fahren, Treppen zu steigen statt den Lift zu nehmen, abends spazieren zu gehen statt fernzuschauen. Vor allem Ausdauersport wie Joggen, Walken, Radfahren, oder Schwimmen sind empfehlenswert.