Testen in der Schule bleibt auch nach den Ferien erhalten. Foto: imago images/Eibner/Fleig

Mit PCR-Pool-Tests könnte der Ausbruch von Corona-Infektionen an Schulen besser verhindert werden. Doch dazu müssten Schulleiter das erprobte Testsystem umstellen.

Stuttgart - Ein bisschen ratlos blickt Michael Burgenmeister auf eine Ecke seines Schulleiterbüros im Esslinger Theodor-Heuss-Gymnasium: „Hier sieht es aus wie in einem Warenlager.“ Tausende von Antigen-Selbsttests für seine Schüler lagern dort. Die Kälte im Keller könnte die Tests unbrauchbar machen, darum wacht der Rektor über das kostbare Gut in seinem Büro.

Zentraler Baustein im Kampf gegen Schulschließungen

Im neuen Schuljahr aber könnte eine andere Testmethode die Popeltests in die Ecke stellen. PCR-Pool-Tests, umgangssprachlich als Lolli-Tests bezeichnet, sollen in den ersten Schulwochen möglichst viele Kinder, die sich im Urlaub unwissentlich infiziert haben, herausfiltern. Sowohl im Gesundheits- als auch im Kultusministerium sieht man in der Anwendung dieses genaueren Testverfahrens einen zentralen Baustein, um das Infektionsgeschehen in den Schulen niedrig halten und Wechsel- oder Fernunterricht abwenden zu können. Das Land hat den Schulträgern 73 Millionen Euro für das Testen an Schulen zu Verfügung gestellt. Davon können die Kommunen nun auch die Durchführung der PCR-Pool-Tests finanzieren.

Positives Ergebnis kommt per SMS

Dabei lutschen die Kinder 30 Sekunden an einem Wattestäbchen. Alle Proben einer Klasse werden in einen Behälter gegeben und gemeinsam mittels PCR-Test im Labor getestet. Ist eine Probe positiv, bekommen die Eltern eine SMS, und alle Kinder der Klasse müssen erneut einzeln per Rachenabstrich nachgetestet werden.

Doch das Ansinnen, kurz vor den Ferien noch ein neues Testsystem möglichst flächendeckend zu etablieren, stößt auf Zurückhaltung. „Unser jetziges System läuft, und die Test waren ja auch nicht ganz billig“, sagt Burgenmeister. Sein Kollege Bernd Zickgraf vom Geschwister-Scholl-Gymnasium in Waldkirch bei Freiburg sieht das ähnlich. „Bevor ich wenige Tage vor Ende eines extrem fordernden Schuljahres anfange, unser Testsystem umzustellen, brauche ich mehr Informationen und vor allem Unterstützung“, sagt er.

Zeitgewinn im Unterricht

Trotzdem wollen sich die Rektoren dem neuem Verfahren nicht ganz verschließen – denn überzeugt sind sie von den momentanen Antigen-Selbsttests auch nicht. Regelmäßig komme es zu falsch positiven Ergebnissen, und vor allem kostet das Testen unheimlich viel Zeit. „Die Hälfte einer 45-minütigen Stunde ist weg“, sagt Burgenmeister.

Mehr Zeit für Unterricht ist eines der Argumente, mit denen Martin Rupp, Leiter des Freiburger Droste-Hülshoff-Gymnasiums, seinen Kollegen die Lolli-Test-Methode wärmstens ans Herz legen kann. An seiner Schule wurden die PCR-Pool-Tests bereits erprobt. Sein Fazit: Ist das neue Verfahren einmal aufgesetzt und die Software, die über die Ergebnisse informiert und Testbescheinigungen verschickt, eingepflegt, „entlastet dieser Test den Unterrichtsalltag enorm“. Das Testen sei nach fünf Minuten abgeschlossen und die Zuverlässigkeit viel höher.

Einige Stuttgarter Klassen steigen ein

Das kann der Arzt Hans-Jörg Wertenauer, der viele Testzentren in Stuttgart aufgebaut hat, bestätigen: „Die PCR-Pool-Tests führen dazu, dass weniger positive Kinder unerkannt in der Schule sitzen.“ Anders als durch die Antigen-Tests ließen sie sich erkennen, bevor sie ansteckend seien. Darum arbeitet er mit Rektoren daran, die Lolli-Tests an die Schulen zu bringen, ohne den Alltag zu sehr zu beeinträchtigen. „Diese Testmethode hat was“, sagt der geschäftsführende Schulleiter der Stuttgarter Gymnasien, Matthias Wasel „weil ein PCR-Test in einer ganz anderen Liga spielt.“ Darum wolle man sie zu Schuljahresbeginn im kleinen Umfang ausprobieren. Ziel sei es, das Verfahren in ein bis zwei Klassen in jeder Schulart zu testen.

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