Im neuen Schuljahr gelten neue Corona-Regelungen im Unterricht. Nachdem die Impfkommission ihr Okay für Kinder von zwölf Jahren an gegeben hat, finden auch in Stuttgart in weiterführenden Schulen Impfungen statt. Die ersten Termine werden in der zweiten Septemberwoche angeboten. Foto: Leif Piechowski

Das Land hat Schulen gebeten, sich an Impfaktionen zu beteiligen. Schulleiter begrüßen das, doch es fehlt ihnen die Zeit für die Organisation. Der Gesamtelternbeirat hat Hilfe angeboten – und ist entsetzt über die Coronaverordnung.

Stuttgart - Die Schulsekretariate sind wieder besetzt, die Vorbereitungen fürs neue Schuljahr laufen. Mit dazu gehört die Organisation für Impfaktionen, entweder im Zentralen Impfzentrum oder in der Schule selbst. Die Landes-SPD hatte dies im Mai schon gefordert, letzte Woche dann bat die Landesregierung die Schulen darum. Die Resonanz fällt unterschiedlich aus.

„Wir haben über den Elternbeirat angefragt, ob es diesen Bedarf in den Familien gibt und warten jetzt auf den Rücklauf“, sagt Schulleiter Mario Zecher vom Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. Vor den Ferien hätten „nicht mal zwei Dutzend“ Interesse an einem solchen Impfangebot beim Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) gezeigt. Sollte sich dies ändern, wenn die Familien aus dem Urlaub zurück seien, „unterstützen wir das wirklich sehr gern“.

An amerikanischen Schulen steigen Zahlen steil an

Und dann erzählt er von seinem Verwandtenbesuch in den USA in diesem Sommer. „Dort hat der Unterricht schon begonnen, und die Zahl der mit der Delta-Variante infizierten Schüler ging durch die Decke!“ Führende amerikanische Virologen verträten die Ansicht, dass ein mit dieser Variante Infizierter in einem geschlossenen Raum reiche, um alle Ungeimpften anzustecken. „Unsere Chance, die Schülergesundheit zu erhalten, ist das Impfen“, sagt Mario Zecher.

Weiter „akribisch“ die Regeln einhalten

„Unerklärlich“ sei ihm, dass das Land die Coronaverordnung Absonderung geändert hat. Demnach müssen an weiterführenden Schulen genesene und geimpfte Schüler nicht mehr getestet werden. Außerdem könne die Quarantäne für Mitschülerinnen und Mitschüler in der Klasse entfallen, wenn diese für einen Zeitraum von fünf Schultagen negativ auf das Coronavirus getestet werden. „Was wir tun können, ist weiter zu testen, die Tische akribisch zu desinfizieren, die Abstandsregeln und die Maskenpflicht einzuhalten. Ich drucke gerade frische schöne Schilder zur Maskenpflicht aus.“

Das Land soll Kinder besser schützen

Der Gesamtelternbeirat der Stuttgarter Schulen (GEB) ist „entsetzt“ über die neue Coronaverordnung, „ weil die Gesellschaft jetzt nicht mehr die Kinder und Jugendlichen schützt“, sagt die Vorsitzende Manja Reinholdt. Zudem könnten viele jüngere Geschwister, Kleinkinder, Säuglinge und Schwangere nicht geimpft werden und seien durch den Wegfall der Absonderungspflicht gefährdet. Der GEB hält eine fünfmalige Testung der Schüler einer Klasse, in der ein Coronafall aufgetreten ist, für nicht ausreichend. In einem offenen Brief an die Grünen-Politiker Ministerpräsident Kretschmann, Kultusministerin Theresa Schopper und Gesundheitsminister Manfred Lucha fordern die Eltern, dass die Quarantäneregelungen des Landes die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts umsetzen sollen und die Präsenzpflicht wieder ausgesetzt wird.

Eltern bieten Fortsetzung der Impfaktionen an

Nach Angaben des Landesgesundheitsamts sind 28,8 Prozent aller Zwölf- bis 17-Jährigen im Land einmal geimpft, 22,9 Prozent davon haben schon den vollständigen Impfschutz. Um den Anteil der geimpften Schüler weiter zu erhöhen, will der GEB seine Impfaktionen fortsetzen und künftig auch an Schulen anbieten. „Die Eltern wollen Sicherheit für ihre Kinder“, so Reinholdt. Zuletzt habe man wegen des großen Andrangs beim Impfen im Stadtteil sogar zwei Impftermine anbieten müssen, insbesondere bei Jugendlichen wachse die Zahl der Impflinge. „Wir besprechen zurzeit mit dem Gesundheitsamt, wie es zum Schulanfang weitergeht.“ Insbesondere die Schließung des Impfzentrums am RBK zum 30. September und die Reduzierung der mobilen Impfteams mache dies problematisch.

Organisation unter erschwerten Bedingungen

Einen Überblick über den Impfbedarf der Gymnasiasten in Stuttgart hat der Geschäftsführende Schulleiter Matthias Wasel noch nicht. „Wir sind mitten in den Ferien“, sagt er, „deshalb ist das schon ein hoher Anspruch, mit diesem knappen Vorlauf Impfaktionen zu organisieren.“ Andererseits sehe er langfristig nur die Impfung als Option, die Schulen offen lassen zu können. „Wir müssen sehen, wie wir das hinkriegen.“

An einzelnen beruflichen Schulen in Stuttgart hat es bereits im Juli derartige Impfangebote gegeben in Zusammenarbeit mit dem mobilen Impfteam des RBK. „Die waren damals aber nicht überschwänglich nachgefragt“, sagt Felix Winkler, der Geschäftsführende Schulleiter der gewerblichen Schulen in Stuttgart. Offenbar wollten die Schüler kein Risiko eingehen, denn der Termin lag im Prüfungszeitraum. „Aber wir planen weitere Impfangebote ab Mitte September, denn grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, die Impfangebote so niederschwellig wie möglich vorzuhalten, damit wir den Präsenzbetrieb mit höherer Wahrscheinlichkeit aufrechterhalten können“, sagt Winkler. Da an den beruflichen Schulen circa 75 Prozent der Schüler und Schülerinnen volljährig seien, habe man mehrheitlich nicht das Problem, dass Elterneinverständnis einholen zu müssen.

Viele Eltern haben Kinder schon impfen lassen

Damit haben Schulleiter der weiterführenden Schulen mit einem größeren Anteil junger Schüler mehr Arbeit. „Da wird es ein etwas längeres Hin und Her an Infos und Briefen geben“, sagt Gerhard Menrad, „und sicher wollen einige Kinder ihre Eltern auch dabei haben beim Impfen.“ Er sei sehr fürs Impfen und warte nun ab, welcher Bedarf der Elternvertretung gemeldet werde. „Ich denke aber, dass viele mit ihren Kindern schon beim Impfen waren.“

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