Im Winter generiert die Sprungbude eigentlich die meisten Einnahmen – wegen Corona fällt diese Wintersaison allerdings flach. Foto: Archiv/Ines Rudel

Das Fildorado in Bonlanden und die Sprungbude in Plattenhardt sind zwei beliebte Freizeiteinrichtungen auf den Fildern. Doch sie dürften mit zu den Letzten gehören, die öffnen dürfen. Wie kommen sie durch die Pandemie?

Filderstadt - Leere Bahnen, leere Umkleiden, leere Saunen: Die Türen des Fildorados sind geschlossen, bereits das zweite Mal seit Beginn der Coronapandemie. „Das ist eine Katastrophe, und das schon zum zweiten Mal“, sagt Felix Schneider, der Chef des Freizeitbads in Filderstadt. „Fast alle Mitarbeiter sind zu 100 Prozent in Kurzarbeit“, berichtet er. Lediglich ein kleines Team sei vor Ort, um sich um die technischen Anlagen und die Administration zu kümmern. Die Anlagen müssen im Standby-Modus bleiben – „Licht aus, Licht an, geht bei uns nicht“, sagt Schneider. Die Wassertechnik etwa müsse in Betrieb gehalten werden.

 

Um alles wieder hochzufahren, wenn das Fildorado wieder geöffnet werden kann, brauche er mit seinem Team etwa zwei bis drei Wochen, „und das ist schon sehr sportlich“, sagt Schneider. „Es kommt dann ganz auf die Corona-Auflagen an“ – die Hygiene-Vorgaben müssen erfüllt und umgesetzt werden, die Mitarbeiter geschult und instruiert, Absperrungen und Plakate angebracht, die Internetseite und der Online-Shop angepasst, die Besucherbegrenzungen bestimmt und organisiert werden. „Es ist fast ein bisschen, als nähme man die Anlage komplett neu in Betrieb“, erklärt Felix Schneider.

Ein Mitarbeiter vor Ort, einer im Homeoffice

Die wenigen Mitarbeiter, die noch da sind, sind in Teams aufgeteilt, sodass sich stets ein Mitarbeiter vor Ort und einer im Homeoffice befindet. „So haben wir uns organisiert, damit keine Begegnungen stattfinden“, erklärt Schneider. Das Homeoffice werde maximal ausgenutzt, man organisiere Videokonferenzen, wo möglich. „Aber auch der persönliche Kontakt unter den Mitarbeitern fehlt“, sagt der Fildorado-Chef, „das Zwischenmenschliche, das Gespräch auf dem Flur. Es ist schwierig, aber sie machen es super“.

Und wann könnte es im Fildorado weitergehen? Felix Schneider mag dazu keine Prognose abgeben. „Vor April halte ich für unwahrscheinlich“, sagt er. Geplant werde für die Inbetriebnahme natürlich trotzdem schon. „Wir halten uns bereit.“

Pro Monat kostet der Unterhalt des Fildorado aktuell etwa 300 000 Euro – die wegen der Schließung nicht durch Eintritte und andere Besucherausgaben kompensiert werden können. „Das ist bitter“, sagt der Chef. Das Fildorado ist eine städtische Einrichtung – die Stadt Filderstadt muss also für Fehlbeträge aufkommen (wir berichteten).

Ist der Nachholbedarf der Menschen größer als beim ersten Lockdown?

Zumal mit den erwarteten Besucherbegrenzungen – wie nach der Öffnung nach der ersten Schließung – kein wirtschaftlicher Betrieb möglich sei. „Es ist keine volle Auslastung möglich“, sagt Schneider. Er hofft trotzdem, dass nach einer Öffnung möglichst viele Menschen wieder ins Fildorado kommen. „Der Nachholbedarf ist größer als beim ersten Lockdown“, meint er, „jetzt nach dem Winter fehlt vielen Menschen der Ausgleich“.

Darauf, dass nach einer möglichen Öffnung bald wieder viele Besucher kommen, hofft auch Martin Hesse, Miteigentümer der Trampolinhalle Sprungbude in Filderstadt-Plattenhardt. „Die Lage ist sehr angespannt“, sagt auch er. Seit dem 1. November sind alle Trampolinhallen zu, neben der in Filderstadt gibt es noch welche in Cannstatt und Heidelberg. Dabei ist gerade die Wintersaison sehr wichtig für Indoorhallen wie die Sprungbude: „Da bauen wir uns das Polster auf, das uns durch den weniger vollen Sommer bringt“, erklärt Hesse.

Fast alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Ähnlich wie im Fildorado sind fast alle Mitarbeiter in Kurzarbeit, bis auf einen kleinen Teil, der in den Hallen ab und zu nach dem Rechten sehe. „Alles ausschalten können wir nicht, gerade jetzt, als es kalt war, mussten wir natürlich heizen“, erklärt Hesse. Die steten Ausgaben, wie Miete oder Darlehen, habe man zwar zum Teil aussetzen können, aber die laufenden Kosten seien trotzdem hoch, eine genaue Zahl mag er nicht öffentlich nennen. „Die Schließzeit nagt natürlich Monat für Monat an unserer Liquidität. 2020 und 2021 werden keine guten Jahre für uns sein.“ Hesse ist dankbar für die staatlichen Hilfen, die auch die Plattenhardter Sprungbude in Anspruch genommen habe. „Ich bin sehr froh darüber. Was das angeht, leben wir wirklich in einem tollen Land“, sagt er.

Länger als eine Woche brauche man aber nicht, um die Trampolinhalle wieder öffnungsbereit zu machen. „Wir sitzen schon in den Startlöchern“, sagt Martin Hesse, „wir haben bereits im vergangenen Sommer in Hygienekonzepte und Luftfilter investiert“. Dabei ist er sich im Klaren darüber, dass die Sprungbude wohl zu den letzten Einrichtungen gehören wird, die wieder aufmachen dürfen. „Bei uns tummeln sich gerne viele Leute, das ist natürlich eine andere Liga, auch wenn wir eine große Halle und damit viel Luftraum haben.“ Ihm bleibt, auf ein baldiges Ende der Schließzeit zu hoffen. „Aber es ist sehr wichtig, dass die Infektionszahlen weiterhin sinken und wir die Pandemie in den Griff bekommen.“