Auch in Baden-Württemberg impfen jetzt die Hausärzte gegen das Coronavirus. Foto: imago images/Wilhelm Mierendorf

Mehr als anderthalb Millionen Menschen in Baden-Württemberg sind gegen Corona geimpft. Nun sollen die Weichen gestellt werden für den Moment, wenn Impfstoffmangel kein Problem mehr ist.

Stuttgart - Um die Corona-Impfkampagne im Südwesten voranzutreiben, lädt Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Freitag zum Impfgipfel. Mit Landräten, Oberbürgermeistern sowie Vertretern etwa von Landesärztekammer, Landesapothekerverband und Baden-Württembergischer Krankenhausgesellschaft will er nach Angaben vom Wochenende online besprechen, wie es weitergehen soll, wenn deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Aus der Opposition kam Kritik, Lucha wolle von Versäumnissen ablenken. Die Hausärzte wiederum fürchten, dass Impfchaos in ihre Praxen verlagert wird.

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Im Südwesten haben inzwischen nach Angaben des Landesgesundheitsamts mehr als 1,5 Millionen Menschen eine erste Corona-Impfung bekommen. Über 600 000 davon sind schon ein zweites Mal geimpft. Dennoch rangiert Baden-Württemberg im Ländervergleich beim Anteil der Geimpften an der Gesamtbevölkerung im unteren Drittel, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Demnach liegt Baden-Württemberg knapp unter dem Bundesschnitt von gut 15 Prozent. Länder wie Bremen und das Saarland sind aber schon ein paar Prozentpunkte weiter.

Kritik aus der SPD-Fraktion im Landtag

Bislang ist vor allem Impfstoffmangel ein Problem. Hinzu kamen geänderte Empfehlungen für das Vakzin von Astrazeneca, das im Moment in Deutschland nur Menschen über 60 Jahre nutzen sollten. „Ab Mai und Juni sollen die Impfstofflieferungen nach derzeitigen Angaben der Hersteller auch nach Baden-Württemberg deutlich zunehmen, das Impfen im Land erhält also absehbar deutlich mehr Schub“, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums von Samstag. „Damit bricht eine neue Phase für die Impfungen im Land an“, sagte Lucha.

Der Gesundheitsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Rainer Hinderer, kritisierte: „Kommt das Impfen nicht auf Trab, dann lenk mit einem Gipfel ab.“ Zu viele Menschen aus den höchsten Prioritätsstufen warteten noch auf ihren Impftermin. „Dass es hier immer noch nicht schnell genug voran geht, übersieht der Minister fast schon leidenschaftlich gerne und wendet sich lieber den Aufgaben zu, die auch ohne ihn gelöst werden“, sagte Hinderer.

Angebot von Hausärzten wird offenbar gut angenommen

Bei dem Gipfel fehlten jene Gesprächspartnern, „die Lucha zu den bisherigen Impfungen den Marsch blasen würden“, erklärte Hinderer und nannte den Landesseniorenrat, die Landesbehindertenbeauftragte und den Sozialverband VDK als Beispiele. „Sie würden auf dem Gipfel für die Betroffenen sprechen, die seit Monaten schlechter gestellt sind, während der Minister immer weitere Gruppen zur Impfung zulässt, weil das schöne Überschriften macht“, so der SPD-Abgeordnete. „Ein Gipfel, auf dem das nicht klar zur Sprache kommt, ist vertane Zeit.“

„Das Impfen ist weiterhin der wichtigste Schritt, um langfristig wieder zu einem möglichst normalen Alltag zurückzukehren“, sagte Lucha. Erstmals wurden laut Ministerium in der vergangenen Woche rund 41 000 Impfungen in den baden-württembergischen Impfzentren an nur einem Tag verabreicht - ein Rekord. Auch das Angebot von Impfungen bei Hausärzten sei von Anfang an sehr gut angenommen worden.

Der Hausärzteverband Baden-Württemberg kritisierte am Sonntag, dass die Praxen ab dem 19. April den Impfstoff von Astrazeneca zusätzlich bekommen sollten, aber dafür weniger von Biontech/Pfizer. Der 2. Vorsitzende Frank-Dieter Braun bezeichnete das als „völlig inakzeptabel“. „Wir müssen dann den verunsicherten Menschen vorwiegend Astrazeneca-Impfstoff impfen. Damit wird das politische Impfchaos in die Hausarztpraxen verlagert, was für uns unzumutbar ist.“ Der 1. Vorsitzende Berthold Dietsche ergänzte: „Wenn Lieferschwankungen auf dem Rücken der Hausarztpraxen ausgetragen werden, wird dies das Vertrauen in die Politik weiter zerstören.“ Hausärzte dürften nicht erst nach den Impfzentren beliefert werden.

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