Die Zahl der Coronakranken auf Intensivstationen hat sich auf einem hohen Niveau eingependelt. Die Kliniken im Kreis Esslingen appellieren an die Impfdisziplin der Menschen.
Esslingen - Gebremst, aber noch lange nicht gebrochen: Krankenhäuser müssen gegen die hohen Wogen der vierten Coronawelle ankämpfen. Die Belastungen seien hoch, betonen das Klinikum Esslingen und die Medius-Kliniken.
Belegung auf hohem Niveau
Seit Wochen sei konstant eine Belegung der Intensivbetten auf einem sehr hohen Niveau zu verzeichnen, betont Jan Schnack. Und der Pressesprecher der Medius-Kliniken ergänzt: „Unser Personal ist sehr stark beansprucht, und planbare Eingriffe müssen immer wieder verschoben werden.“ 61 an Corona erkrankte Personen würden derzeit an den drei Standorten in Kirchheim, Nürtingen und Ostfildern-Ruit betreut. Von diesen Kranken befänden sich 41 auf der Isolierstation. Das sei eine Normalstation, für die wegen der höchst infektiösen Erkrankungen gesonderte Isolationsbedingungen gelten würden. 20 der an Covid 19 Leidenden liegen seinen Worten zu Folge auf der Intensivstation – zwölf würden invasiv beatmet, fünf nichtinvasiv. Diese hohen Krankenzahlen stellten die Mitarbeitenden vor sehr hohe Herausforderungen.
Schicksale sind nicht planbar
Am städtischen Klinikum in Esslingen präsentiert sich die Lage ähnlich. 25 Coronapatienten werden laut der Pressesprecherin Anja Dietze hier behandelt. Von ihnen lägen sechs auf der Intensivstation, wo knapp 20 Betten zur Verfügung stünden. Notfälle würden zwar immer behandelt, aber planbare Eingriffe müssten teilweise wegen der angespannten Coronalage verschoben werden. Das Wort „planbar“, so betont die Pressesprecherin, höre sich harmlos an. Doch hinter dem nüchternen Begriff würden sich immer auch menschliche Schicksale verbergen. Die Verschiebung von Eingriffen könne für die Betroffenen mit Stress, Unsicherheit, Ängsten und psychischen Belastungen verbunden sein.
Hohes Plateau ist erreicht
Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Ein hohes Plateau sei mit Blick auf die Behandlung Coronakranker erreicht, meint Matthias Ziegler, der Geschäftsführer des Klinikums Esslingen. Doch: „Seit gut 1,5 Wochen hat die Zahl zumindest nicht zugenommen.“ Eine Prognose für die Zukunft mag er aber nicht abgeben: Dazu müsste er gleich in mehrere Glaskugeln schauen. Die Zukunft sei nicht kalkulierbar, meint auch Professor Hans-Jürgen Hennes. Der Sprecher des Verbundes QuMiK, zu dem auch das Klinikum Esslingen gehört, verweist auf eine „ernst zu nehmende Situation und Belastung, die kaum noch freie Kapazitäten zulasse“. Wie es weitergehe, hänge auch von der Verbreitung und Gefährlichkeit der Omikron-Variante ab. Professor Jörg Martin, Geschäftsführer des QuMik-Mitgliedes RKH Kliniken, rügt Versäumnisse der Regierenden bei der Bekämpfung der Pandemie: Das Infektionsgeschehen würde sich eben leider nicht nach den Wahlterminen richten, kritisierte er mit Blick auf den Stillstand vor und nach der Bundestagswahl am 26. September.
Appell zur Impfdisziplin
Glaskugeln brauchen er und seine Kollegen auch nicht, um auf die Wichtigkeit des Impfens hinzuweisen. 80 bis 90 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen hätten keine Immunisierung, betont Hennes. Geimpfte Erkrankte hätten meist schwere Vorerkrankungen. Sein Kollege Martin spricht von der „Pandemie der Ungeimpften“. Ein geimpfter Patient auf der Intensivstation sei die absolute Ausnahme, fügt Matthias Ziegler hinzu.