Immer mehr Passanten schützen sich und ihre Mitmenschen auch im Freien mit Masken. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Seit Montag gilt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht in Bus und Bahn und beim Einkaufen. Polizei und Händler sind zufrieden mit der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger.

Stuttgart - Die neue Normalität kommt bunt daher: Die Menschen tragen Stoff in Rot, Grün gestreift oder Blütenweiß im Gesicht. Seit diesem Montag gilt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht. In Bussen, Bahnen und beim Einkaufen sind die Bürgerinnen und Bürger verpflichtet, Mund und Nase zu bedecken. Ob das mit selbst genähtem Mundschutz, mit Tüchern oder Schals passiert, ist dabei jedem selbst überlassen.

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Jennifer trägt ein gelbes Stück Stoff mit buntem Rand im Gesicht. Ein selbst genähtes Exemplar, das ihr geschenkt worden ist. Die Sozialarbeiterin steht an der Haltestelle Arnulf-Klett-Platz und wartet auf die Stadtbahn. Auch in den vergangenen Wochen sei sie aus beruflichen Gründen viel im öffentlichen Nahverkehr unterwegs gewesen – ihren Mundschutz hat sie schon da getragen. Oft war sie damit aber ziemlich allein: „Ich kam mir manchmal vor wie eine Aussätzige.“ Komische Blicke von der Seite, manche hätten sich sogar weggesetzt.

Ein Bußgeld droht bei Verstoß noch nicht

Jetzt kann das nicht mehr passieren: Über Durchsagen erinnert die SSB an die Maskenpflicht und weist darauf hin, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann hat am Wochenende mit einer Zeitungsanzeige für die Einhaltung geworben. „Aber bitte mit Maske“ steht unter einem Bild, das den Ministerpräsidenten mit Mundschutz zeigt.

Wer an diesem Tag ohne eine am Bahnsteig steht, wird von der Polizei darauf hingewiesen. „Das war aber kaum notwendig“, sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach. Seit den frühen Morgenstunden war die Polizei an den innerstädtischen Haltestellen sowie am Kesselrand unterwegs, um die Einhaltung der neuen Verordnung zu überprüfen. Von Kontrolle möchte Keilbach in diesem Zusammenhang nicht sprechen. „Es geht darum aufzuklären und darauf hinzuweisen, dass ab heute die Verpflichtung gilt.“ Der erste Eindruck sei an diesem ersten Tag positiv. „Wir sind äußerst zufrieden“, sagt Keilbach. „Es ist wohltuend zu sehen, wie gut die Stuttgarter auf sich und ihre Mitbürger achtgeben.“ Dann könne auch die Polizei mit Gelassenheit agieren. Einzig auf die Abstandsregeln müssten die Beamten von Zeit zu Zeit hinweisen. „Die Leute neigen dazu, sich mit Mundschutz sicherer zu fühlen“, sagt Keilbach. Dabei sei die Maske neben den Abstands- und Hygiene­regeln nur ein Teil der Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen. Ein Bußgeld droht bei Verstoß im Moment noch nicht. Das solle es voraussichtlich von kommender Woche an geben.

Kunden bekommen am Eingang einen Mundschutz

Auf der Königstraße sind die Masken ebenfalls präsent. Sie hängen unter dem Kinn oder sind an einem Ohr befestigt. Die Menschen nutzen die Zeit an der frischen Luft, um durchzuschnaufen. An das Tragen der Maske muss man sich erst gewöhnen. Wer allerdings ein Geschäft betreten möchte, muss den Schutz wieder überziehen. An den Eingängen zu den Geschäften entlang der Einkaufstraße steht Personal mit Desinfektionsmittel, Zähler und Einlasskarten bereit. In der Buchhandlung Wittwer-Thalia bekommen Kunden ohne Maske einen Schutz am Eingang ausgehändigt. In anderen Geschäften, wie dem Kaufhaus Mitte, werden die Masken verkauft.

Schon in der vergangenen Woche seien viele Kunden mit Mund-und-Nasenschutz in sein Geschäft gekommen, sagt Sven Schulze vom Schuhladen Börd. Auch er selbst und seine Mitarbeiter tragen seit der Wiedereröffnung selbst genähten. Trotzdem hätte er sich gefreut, wenn die Pflicht zeitgleich mit der Wiedereröffnung der Geschäfte eingeführt worden wäre.

Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, steht ebenfalls hinter der Einführung der Maskenpflicht. „Die ersten Rückmeldungen zeigen, dass es tadellos läuft“, sagt sie. Die Menschen hätten ein besseres Gefühl der Sicherheit. Natürlich gebe es Leute, die noch nicht routiniert sind und beim Eintritt in die Geschäfte an den Schutz erinnert werden müssen: „Das läuft sich noch warm.“

„Alles, was wir machen können, um eine zweite Welle zu verhindern, ist gut“, sagt auch Sven Hahn von der City-Initiative Stuttgart. Noch einmal herunterfahren zu müssen wäre verheerend.

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