Otto Karl Hartmann (li.) vermisst die tägliche Lektüre einer Tageszeitung. Foto: © C) Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Finanzschwachen Menschen fehlt der Zugang zu Informationen. Konnten sie vor der Coronakrise im Treffpunkt Rotebühplatz oder in der Stadtbibliothek Zeitung lesen, so ist das nun nicht mehr möglich. Die Stadt ist für das Problem sensibilisiert.

Stuttgart - Das Leben der Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht, war schon immer hart. Anstehen an der Tafel, wo Ellbogenmentalität herrscht. Oder Mülleimer nach Pfandgut durchwühlen, um die schmale Rente aufzubessern. Otto Karl Hartmann, der auch Gast der Vesperkirche ist und im Chor „rahmenlos und frei“ mitsingt, trägt all das in der Regel mit Humor oder einer stoischen Haltung. Sogar, dass er zuletzt von der Fellbacher Tafel weggeschickt wurde, weil er ein Infektionsrisiko sei, nimmt er locker. Nun aber – mitten in der Corona-Krise – merkt er, was ihm am meisten fehlt: Informationen.

Bisher war es der frühere Rechtsanwalt gewohnt, in der Bibliothek, dem Treffpunkt Rotebühlplatz oder anderen öffentlichen Einrichtungen Zeitung zu lesen. Menschen wie er schätzen das gute, alte Papier. „Ich bin ein Zeitungsleser“, sagt er und betont, dass es ihm nicht nur um haptische Erlebnis gehe. Zeitungslesen ist für den Senior gewissermaßen Vertrauenssache. Im großen weltweiten Netz und vielen digitalen Informationen findet er sich nicht so gut zurecht. Zudem fehlt es ihm an Zugangsmöglichkeiten, um seinen Informationsbedarf zu decken. „Es ist echt schade, dass ich nun keine Zeitung mehr lesen kann“, sagt er und weiß: So wie ihm geht es vielen. Sie sind treue Zeitungsleser, obwohl sie sich kein Abo leisten können.

Die Stadt macht sich Gedanken

Bei der Stadt Stuttgart ist man bereits für dieses Thema sensibilisiert. „Wir machen uns Gedanken, was wir hier tun können“, sagt sie. Aber die zündende Idee fehlt noch. Denn was sonst so praktisch ist, geht nun eben nicht mehr: Es können nicht mehr viele an einem Ort zusammenkommen, um sich eine Zeitung zu teilen. Aber in der Verwaltung will man sich weiter mit dem Problem auseinandersetzen.

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