Für manchen Polizeibeamten wird’s überraschend nichts mit dem eigentlich freien Wochenende. Die Ankündigung einer landesweiten Ausgangsbeschränkung ab Samstag setzt die Polizei unter Druck.
Stuttgart - In den Einsatzstäben der Polizeipräsidien musste alles in hektischer Betriebsamkeit bis in den späten Abend vorbereitet werden: Die Ankündigung der Landesregierung, vom heutigen Samstag an eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr zu verhängen, bringt auch die Beamten und Beamtinnen unter Druck. Denn die sollen die Verschärfung der Coronamaßnahmen ja auch kontrollieren.
In Stuttgart werden am Samstagabend mehrere Hundert Polizisten im Einsatz sein. Dabei werden voraussichtlich aber nicht mehr Kräfte die Straßen durchkämmen als ohnehin geplant: „Wir haben ja mehrere Züge der Sicherheitskonzeption Stuttgart zur Verfügung“, sagt die Stuttgarter Polizeisprecherin Monika Ackermann, „und die hätten sich sonst um den Weihnachtsmarkt gekümmert.“ Welcher bekanntlich nicht stattfindet. Die Sondertruppe war 2016 aufgebaut worden, nachdem sich immer wieder Gewaltdelikte in der nächtlichen Vergnügungsszene in der Innenstadt abgespielt hatten.
In Ludwigsburg und Böblingen gibt’s Sonderschichten
Alarmstufe Rot herrscht dagegen beim Polizeipräsidium Ludwigsburg. Dort fällt das freie Wochenende aus. Revierbeamte, die eigentlich Freischicht hätten, müssen am Samstag einrücken – und damit noch mehr Überstunden aufbauen. „Wir werden mit Sonderschichten bei allen Polizeirevieren die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg kontrollieren,“ sagt Ludwigsburgs Polizeipräsident Burkhard Metzger. Der hofft auf ruhige Nächte und appelliert an die Einwohner, „dazu beizutragen, dass Sie selbst und andere nicht durch die Krankheit gefährdet werden“.
Beim Polizeipräsidium Aalen, das unter anderem für den Rems-Murr-Kreis zuständig ist, muss sich ebenfalls umstellen. „Die bisherigen Schwerpunktkontrollen der Coronamaßnahmen haben ja zumeist tagsüber stattgefunden“, sagt Polizeisprecher Bernd Märkle, „nun wird man mit den Kräften verstärkt nachts planen müssen.“ Die Vorbereitungen liefen am Freitag noch auf Hochtouren.
In Esslingen bleibt es wie ohnehin geplant
Ohne zusätzliche Kräfte wird das Polizeipräsidium Reutlingen auskommen, das unter anderem für den Landkreis Esslingen zuständig ist. „Wir hatten für den Samstag ohnehin Schwerpunktkontrollen vorgesehen“, sagt der dortige Polizeisprecher Martin Raff. Man werde daher voraussichtlich ohne zusätzliche Kräfte auskommen.
Mit der neuen Regelung der nächtlichen Ausgangsbeschränkung gilt, dass man sich nachts nicht außerhalb des eigenen Haushalts aufhalten sollte – es sei denn, man muss zum Beispiel zur Nachtschicht oder zum Arzt. Das abendliche Bier bei Freunden damit geht ab sofort nicht mehr. Tagsüber, das ist definiert als die Zeit von 5 bis 20 Uhr – dürfen weiterhin privat wie öffentlich maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten sowie Verwandte in gerader Linie (Großeltern-Eltern-Kinder) und Partner zusammenkommen. Kinder bis einschließlich 14 Jahre sind hiervon ausgenommen. Diese Regelungen gelten für ganz Baden-Württemberg von Samstag an und für vorerst vier Wochen. Die Regelung zur Weihnachtszeit soll von Bund und Ländern noch einmal überprüft werden.