Am Mittwochnachmittag sei der Betrieb in allen Filialen der Bäckerei Schrade (im Bild Degerloch) geordnet heruntergefahren worden, sagt Andreas Schrade. Foto: C. Holowiecki

Fünf Mitarbeiter des Traditionsbetriebs Schrade haben sich nachweislich mit dem Virus infiziert. Nun hat der Chef Andreas Schrade alle Filialen und die Produktion vorübergehend dicht gemacht. Warum er sich dazu entschlossen hat und was es bedeutet.

Filder - Der Schritt ist Andreas Schrade nicht leicht gefallen. Doch der Chef der gleichnamigen Traditionsbäckerei auf den Fildern will kein Risiko eingehen. Darum hat er sich am Mittwochnachmittag dazu entschlossen, alle seine Filialen und die Produktion für zehn Tage zu schließen. „Wir müssen die Reißleine ziehen. Wir haben uns vom Gesundheitsamt beraten lassen. Weitermachen wäre zu riskant. Ich stehe in der Verantwortung für meine Mitarbeiter und Kunden“, sagt Bäckermeister und Konditor Andreas Schrade, der das bald 120 Jahre alte Unternehmen in der vierten Generation führt.

 

Der Grund für die vorübergehende Schließung der insgesamt sechs Filialen in Möhringen, Sonnenberg, Degerloch und Kaltental ist Corona. In Kooperation mit einer Apotheke biete die Bäckerei Schrade ihren rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schon seit einiger Zeit regelmäßig kostenlose Coronatests an. Zudem räumt die Bäckerei ihren Angestellten die Möglichkeit ein, vor ihrem Dienstbeginn am Sonntag beziehungsweise Montag einen Selbsttest zu machen.

Das alles hat das Möhringer Unternehmen schon gemacht, bevor eine gesetzliche Verpflichtung dazu festgeschrieben wurde. Und fast alle im Unternehmen hätten sich daran beteiligt, berichtet Schrade. Auch Plexiglasscheiben und kostenfreie FFP2-Masken für alle Mitarbeitenden gibt es in der Traditionsbäckerei auf den Fildern schon lange.

Alle Mitarbeiter aus der Backstube seien in Quarantäne

Wie wichtig eine solche Strategie ist, zeigt sich jetzt. Vergangene Woche wurden bei Schnelltests im Betrieb zwei Bäcker ohne Symptome positiv getestet. PCR-Tests haben diese Ergebnisse inzwischen bestätigt. „Beide Mitarbeiter haben sich wohl im privaten Umfeld angesteckt“, sagt Schrade. Mittlerweile seien fünf Mitarbeiter aus der Backstube nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Auch wenn die weiteren Schnelltests in dieser Woche allesamt negativ ausgefallen seien, habe sich seine Familie in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt dazu entschieden, zur Verhinderung weiterer Infektionen für zehn Tage in einen kompletten betrieblichen Lockdown zu gehen, sagt Schrade.

Alle Mitarbeiter aus der Backstube seien in Quarantäne. „Unser Hygienekonzept hat bei den hochansteckenden Mutationen leider nicht gegriffen. Es fällt uns sehr schwer, diesen Schritt gehen zu müssen, aber wir sind der Gesundheit und Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter verpflichtet“, betont der Chef.

Was die vorübergehende Schließung finanziell bedeute, sei noch nicht absehbar

Was der zehntägige Lockdown für seinen Betrieb finanziell bedeutet, kann er noch nicht absehen. „Soweit sind wir noch gar nicht“, sagt Schrade. Zunächst einmal habe man die Lieferanten informieren müssen, dann in den Filialen entsprechend Plakate aufgehängt. „Wir mussten alles geordnet herunterfahren. Schließlich arbeiten wir mit frischen Lebensmitteln“, sagt Schrade. Ihm ist es wichtig, auch den Kunden gegenüber offen mit den Coronafällen in seinem Betrieb umzugehen. „Vertrauen ist unsere Währung“, sagt Schrade, und dieses Vertrauen wolle er nicht aufs Spiel setzen, indem er so etwas nicht kommuniziere. Schließlich habe keiner Schuld an den Infektionen. Das gehe so schnell, jeden könne es erwischen.

Die Schließung bis zum Montag, 3. Mai, sei auf alle Fälle hart. „Aber es ist der richtige Schritt. Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn jemand ernsthaft erkrankt, weil ich gezögert habe.“ Schrade betont, dass das Amt den Betrieb nicht zur vorübergehenden Schließung gezwungen habe. Aber: „Die Gesundheit ist jetzt das Wichtigste“, so der Bäckerei-Chef. Und bisher seien die Krankheitsverläufe bei den fünf Mitarbeitern seines Betriebs zum Glück milde.