Bisher sind in Europa vier Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 zugelassen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die britische Regierung hat ihren Vertrag mit dem französischen Impfstoffhersteller Valneva gekündigt. Das ist ein herber Rückschlag für eine Impftechnologie, auf die viele warten.

Nach dem Tübinger Unternehmen Curevac hat auch der französische Impfstoffhersteller Valneva einen herben Rückschlag erlitten: Wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte, hat die britische Regierung den Vertrag mit Valneva am Montag beendet. Großbritannien werfe Valneva vor, gegen seine Verpflichtungen aus dem Liefervertrag verstoßen zu haben, was Valneva aber vehement bestreite.

Der nahe dem nordwestfranzösischen Nantes beheimatete Impfstoffhersteller hat für die Bestellung aus Großbritannien eigens seine Fabrik im westschottischen Livingston, vor den Toren der schottischen Hauptstadt Edinburgh, erweitert, die der britische Premier Boris Johnson noch im Januar besucht hatte. Großbritannien hatte sich im September 2020 eine Option auf 190 Millionen Dosen des Valneva-Impfstoffes gesichert, wie das Unternehmen auf seiner Website schreibt. Für 2021 und 2022 waren bislang 100 Millionen Dosen bestellt.

Einziger Impfstoff auf Basis inaktivierter Viren in Europa

Der Valneva-Impfstoff VLA2001 ist nach Angaben des Unternehmens und der EU bislang der einzige Impfstoffkandidat, der auf inaktivierten Viren beruht und sich in Europa in der klinischen Prüfung befindet. Der Einsatz von inaktivierten Viren ist eine klassische, seit mehr als 60 Jahren eingesetzte Impftechnologie, die bei den meisten Influenza-Impfstoffen und vielen Impfstoffen für Kinderkrankheiten zum Einsatz kommt. Impfstoffe dieser Art gelten daher als berechenbarer als solche auf Basis neuerer Technologien. Auf ihnen ruhen die Hoffnungen etlicher impfskeptischer Menschen. Die bisher zugelassenen Impfstoffe basieren auf den neuen Vektor- und mRNA-Technologien. Auch der chinesische Impfstoff Sinovac beruht auf inaktivierten Viren, ist in Europa aber nicht zugelassen.

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Laut dem britischen „Guardian“ kann das Vereinigte Königreich den Vertrag unter einer Reihe von Umständen vorzeitig kündigen. Dazu gehörten laut „Guardian“ „wesentliche Sicherheitsprobleme“ mit dem Impfstoff, Hinweise auf mangelnde Wirksamkeit oder ein Ausfall der Versorgung. Finanzielle Schwierigkeiten wie Insolvenz und Zahlungsausfall sowie eine Übernahme des Unternehmens können ebenfalls eine Kündigung auslösen, obwohl dies offenbar nicht der Fall ist. Die Regierung könne den Vertrag auch auflösen, wenn Valneva des Betrugs oder der Bestechung überführt werde, sowie bei Verstößen gegen das Umwelt-, Sozial- oder Arbeitsrecht oder bei Nichteinhaltung der Steuergesetze. Einige der Auslöser, die es der Regierung ermöglichten, den Vertrag vorzeitig zu beenden, seien aber in der Liefervereinbarung unkenntlich gemacht, schreibt der „Guardian“.

EU hat Sondierungsgespräche geführt

Valneva will die Entwicklung von VLA2001 nach eigenen Aussagen trotz des Rückschlags in Großbritannien fortsetzen und rechnet mit einer vorläufigen Zulassung im Königreich im ersten Quartal 2022. Derzeit befindet sich das Vakzin in der der Phase drei. Die in Paris und New York notierte Aktie des Unternehmens verlor nach Bekanntwerden der Nachricht zeitweise mehr als 40 Prozent an Wert. Großbritannien war bisher der einzige Kunde von Valneva für VLA2001. Die Europäische Union hat nach eigenen Angaben im Januar Sondierungsgespräche mit Valneva über bis zu 60 Millionen Impfdosen geführt. Das heißt, dass die Vakzine zwar noch nicht bestellt sind, die EU aber einen Teil der Vorlaufkosten der Impfstoffhersteller in Form von Abnahmegarantien finanziert.

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Valneva SE ist 2013 durch die Fusion des österreichischen Unternehmens Intercell mit der französischen Vivalis entstanden. Das Unternehmen hat Produktionsstätten in Schottland, Schweden und Österreich.

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