Verwirrungen um die Teststrategie im Kindergarten Foto: © pascalskwara – stock.adobe.com

Ein positiver Coronafall in einem Kindergarten, widersprüchliche Aussagen vom Gesundheitsamt und eine Teststrategie, bei denen sich Eltern die Haare raufen – und schon steckt man als Mutter ganz schnell drin, im Corona-Irrsinn. Ein Erfahrungsbericht.

Rottweil - Wie so oft in dieser Pandemie haben unklare Regeln und das Gesundheitsamt wieder einmal für Verwirrung gesorgt. Diesmal betrifft es die Kindergärten, die mit dem neuen Handlungsleitfaden des Kultus- und Sozialministeriums eigentlich ein Instrument an die Hand bekommen sollten, dass den Regelbetrieb während der Omikron-Welle soweit gewährleistet. Doch ein konkreter Fall zeigt: Die ohnehin durch die Pandemie schwer gegängelten Eltern, trifft es mal wieder mit voller Wucht. Auch mich, als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder und eines Kindes in der Krippe.

 

In einem katholischen Kindergarten in Rottweil gibt es in einer Gruppe einen bestätigten positiven Coronafall. Ein Kind hat sich infiziert und ist nun in Quarantäne. Beim Personal gibt es einen Verdachtsfall. Eine Situation, wie man sie als Eltern in den vergangenen Monaten schon öfters erlebt hat.

Nasenabstrich für Kleinkind

Grund zur Panik gibt es nicht. Die Teststrategie ist engmaschig. Montag, Mittwoch und Freitag werden die Kinder zuhause per Lollitest getestet. Auf einer Liste, versehen mit Datum und Unterschrift muss das Ergebnis eingetragen und am Kindergarten vorgezeigt werden. Nun, da es einen positiven Fall gibt, reicht das nicht mehr. Der Leitfaden des Landes sieht eine Testung an fünf Tagen vor. Dem Gesundheitsamt geht das offenbar nicht weit genug, weshalb es die Testpflicht dahingehend ausweitet, dass nun alle Kinder des Kindergartens an den bislang freien Testtagen Dienstag und Donnerstag einen Schnelltest einer anerkannten Schnellteststelle vorzeigen müssen. Sonst kann das Kind den Kindergarten nicht nur an diesen beiden Tagen, sondern gar nicht besuchen. Und: der nächste Coronafall kommt bestimmt.

Die Teststrategie, die da von Gesamtkirchenpfleger Andreas Schmötzer an den Kindergarten heruntergereicht wird, sorgt bei mir im ersten Moment für Unglauben. Beim nochmaligen Durchlesen dann die Gewissheit. Ja, ich muss mein gerade Zweijähriges Kind zweimal in der kommenden Woche zum Nasenabstrich in ein Schnelltestzentrum bringen. Die verträglichere Methode, ihn nämlich in ein Röhrchen spucken zu lassen, kann er noch nicht. Und weil das ganze Testprozedere am frühen Morgen zeitlich ohnehin nicht zu machen ist, muss ich das ganze abends unterbringen und zwar an jenen Tagen, an denen ich ihn morgens ohnehin schon selbst zuhause testen muss. Ich frage mich: Wenn die Test, die ich zuhause durchführen muss, nicht genug Aussagekraft besitzen, oder nicht gut genug sind, um eine Infektion herauszufiltern, weshalb machen wir sie dann?

Eltern jedenfalls wissen, ein Nasenabstrich ist für ein kleines Kind eine Tortur, erst recht, wenn er von einem Fremden durchgeführt wird. Da helfen auch keine Tricks. Für mich als Mama ist da jedenfalls eine rote Linie überschritten.

Unterschiedliche Aussagen

Beim Kindergartenträger ist als Mama auf die Schnelle keine Antwort zu bekommen, der Leiter ist nicht da. Beim Gesundheitsamt ist man bemüht, weiß aber irgendwie nicht, woher die Anweisung zur Teststrategie letztlich kommt. Die Erkenntnis: Verwirrung hat sich scheinbar nicht nur unter den Eltern breit gemacht. Die nette Dame am Telefon versucht zu beschwichtigen. Man solle doch den Schnelltest in einer Apotheke abnehmen lassen, das Personal dort solle den Nasenabstrich am Kind einfach nicht so tief einführen. Da muss ich erst mal durchatmen.

Dann, ein paar Stunden und viele Elterntelefonate später, eine erneute Mitteilung des Kindergartens: Es gibt widersprüchliche Aussagen vom Gesundheitsamt. Die Teststrategie ist gekippt, das Vorgehen geändert. Es ist nun doch ausreichend, das Kind an fünf Tagen zuhause mit den Testkits des Kindergartens zu testen. Nun darf der Kindergarten die zusätzlichen Test organisieren und den Ablauf organisieren. Ich jedenfalls bin erleichtert und um eine Erkenntnis reicher: Man darf nicht alles hinnehmen, und eine rote Linie ist eine rote Linie.