Von der zunehmenden Digitalisierung profitieren nicht zuletzt Frauen. Foto: dpa/Britta Pedersen

Die zunehmende Digitalisierung, die Demografie und die Frauenquote in Vorständen – selten waren die Bedingungen für Frauen günstiger, ihren Traumjob zu ergattern, meint Inge Nowak.

Stuttgart - Der Frauenanteil in der IT-Branche in Deutschland liegt bei gerade mal 17 Prozent. Allein diese Zahl macht deutlich, dass das Interesse von Frauen an digitalen Technologien nicht sonderlich ausgeprägt sein kann. Und dennoch sind Experten zuversichtlich, dass genau in diesem Gebiet eine große Chance für sie liegt, um die immer noch männlich dominierte Wirtschaftswelt aufzubrechen.

 

Die Experten könnten recht haben. Denn die Corona-Pandemie hat zu einem Digitalisierungsschub in Deutschland geführt. Ob in Unternehmen, in Schulen oder der Verwaltung – überall wird das Internet intensiver als bisher für Homeoffice, Homeschooling, Online-Handel genutzt. Damit wird das Arbeitsleben automatisch flexibler. Selbstorganisation und Eigenverantwortung rücken stärker in den Mittelpunkt. Und weil die Büros leer sind, werden traditionelle Management- und Unternehmensstrukturen schnell zum Auslaufmodell.

Geschwindigkeit nimmt zu

Um in der digitalen Welt mithalten zu können, ist Geschwindigkeit wichtig, das hat die Corona-Pandemie aufgezeigt. Und die Erfahrung lehrt zudem, dass gemischte Teams – sowohl was Geschlecht, Alter als auch kulturelle Herkunft betrifft – kreativer und damit erfolgreicher sind. Es geht dabei nicht immer um technische Expertise. Nicht jeder eignet sich zum Softwareentwickler. Genauso wichtig ist fachliches Wissen, damit der Entwickler weiß, was konkret eine Software können muss.

In dieser neuen, digitalen Arbeitswelt liegen die Chancen für Frauen. Freilich, auch wenn sich die Rahmenbedingungen verbessert haben, ein Selbstläufer ist auch das nicht. Die Frau muss sich aktiv im Unternehmen einbringen, sie muss auf sich aufmerksam machen. Kurzum – sie muss sich ihren Platz erkämpfen. Aber nicht nur der – Corona-bedingte – Trend zur Digitalisierung sorgt für Rückenwind, sondern auch die demografische Entwicklung und damit verbunden der drohende Fachkräftemangel.

Zudem hilft der Gesetzgebung. Denn jetzt gibt es die Frauenquote auch in Vorständen großer Unternehmen. Dies macht es für Personalchefs, die die Vorteile der Diversität bisher nicht erkannt haben sollten, schwerer, ihre alten Verhaltensmuster beizubehalten.