Nach Angaben von Stuttgarter Schulleitern fehlt in jedem vierten Testkit die Pufferlösung. Das behindert den Unterrichtsbetrieb. Die Stadt Stuttgart hat dies beim Sozialministerium reklamiert. Die von den Schulen ausgestellten 60-Stunden-Tickets nach Negativ-Tests sind bei Schülern heiß begehrt.
Stuttgart - Ohne Corona-Schnelltest zweimal die Woche dürfen Schüler nicht in den Präsenzunterricht. Diese Regelung gilt unabhängig von der aktuellen Inzidenz. Während Grundschulen und Sonderschulen die Tests auch den Familien daheim überlassen dürfen, gehören die Tests bei den weiterführenden Schulen nun für alle verpflichtend zum Schulalltag. Das läuft an Stuttgarter Schulen nicht immer reibungslos.
Kinder haben Routine beim Testen
An der Grund- und Werkrealschule Gablenberg müssen sich alle Schüler an der Schule testen. Auch die Kleinen. „Das wird so auch von den Elternhäusern akzeptiert“, berichtet Schulleiter Uwe Heilek, der auch geschäftsführender Leiter der Stuttgarter Grundschulen ist. Die Selbsttests fänden unter Anleitung zu Beginn des Schultags statt. „Unsere Lehrkräfte absolvieren dies ohne Unterstützung“, sagt Heilek. „Viele Kinder haben bereits Routine über die Notbetreuung entwickelt.“ Es gibt aber auch andere Grundschulen, an denen geschulte Eltern die Kinder bei den Tests anleiten und auch die Ergebnisse dokumentieren und die Plätze desinfizieren. Die Bereitschaft sei groß, berichtet ein Vater eines Grundschülers im Stuttgarter Westen. Und der Erfolg gebe der Aktion recht, denn so habe man schon ein positiv getestetes Kind rausfischen können.
Ärger über fehlende Pufferlösung
„Ein großes Ärgernis stellt dar, dass in letzter Zeit häufig keine Pufferlösung in den Fläschchen enthalten ist“, berichtet Schulleiter Heilek. Somit erweise sich eine größere Menge an Testkits als unbrauchbar. Dies habe man bei mehreren Herstellern feststellen müssen. Auch andere Schulleiter klagen darüber. Felix Winkler spricht von einem „Riesenproblem“. Der geschäftsführende Leiter der gewerblichen und hauswirtschaftlichen Schulen und Leiter der Schule für Farbe und Gestaltung nennt eine hohe Fehlerquote: „In jedem vierten oder fünften Testkit ist zu wenig oder gar keine Pufferlösung drin – das geht eigentlich gar nicht“, findet er. Denn das bedeute einen großen Mehraufwand, da man für jede Klasse einen Klassensatz Testboxen vorbereitet habe. Für den Lehrer heiße das dann: „Er muss noch mal losgehen und Nachschub besorgen, das ist nervig.“ Zudem befördere die minderwertige Qualität des Materials, offenbar aus China, nicht gerade das Vertrauen in die Tests. „Bei den Testkits von Roche war alles vollständig“, so der Schulleiter.
Stadt reklamiert die Beanstandungen
„Es stimmt, dass mehrere Schulen sich über Testkits einzelner Hersteller beschwert haben“, sagt Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart. Der Grund sei fehlende Pufferlösung, aber auch, „dass jüngere Schülerinnen und Schüler Probleme hatten, die Kits ordentlich zu verwenden“. Allerdings sei Aufgabe der Stadt nur, „die Testkits zu verteilen, die uns das Land bereitstellt – auf die Auswahl und Beschaffung haben wir dabei keinen Einfluss“, so Matis. Das Schulverwaltungsamt habe die Reklamationen der Schulen erfasst und dies regelmäßig, zuletzt am Montag, dem Sozialministerium gemeldet. „Bei ähnlichen Problemen hatte das Sozialministerium zusätzliche Pufferlösungen bereitgestellt, die wir an betroffene Einrichtungen verteilt haben“, berichtet Matis.
60-Stunden-Tickets sind gefragt
Seit Anfang Juni müssen die Schulen den Schülern auf Wunsch auch Testbescheinigungen ausstellen, die 60 Stunden gültig sind und auch im außerschulischen Bereich eingesetzt werden können, etwa im Sport. Während sich die Nachfrage an der Grund- und Werkrealschule Gablenberg „im überschaubaren Rahmen“ hält, wie Heilek sagt, ist das 60-Stunden-Ticket anderswo heiß begehrt. „In vielen Klassen wollen nahezu alle Schüler die Bescheinigung“, berichtet Winkler. „Für die Schüler ist es eine tolle Sache“, meint er. „Wenn die jungen Leute sich abends für Kino oder Biergarten noch mal testen lassen müssten, wäre das unwirtschaftlich.“ Außerdem sei es ihm so rum lieber, so Winkler, dass mit den Testungen an der Schule „wir weiterhin die Kontrolle haben“. Bei den beruflichen Schülern brauche der Test eine Viertelstunde, plus fünf Minuten für die Unterschrift des Lehrers bei der Bescheinigung – „insgesamt steht das noch im Verhältnis“, findet Winkler. Seine Kollegin Barbara Koterbicki von den Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen und Leiterin der Schloss-Realschule spricht sogar von Entspannung – „da wir nicht mehr vier Tage testen müssen“.
Testen zu Lasten des Unterrichts
Matthias Wasel, der geschäftsführende Leiter der Stuttgarter Gymnasien, rechnet vor, bei ihm im Hölderlin-Gymnasium brauche eine Klasse mit 30 Fünftklässlern für einen einfachen Testdurchlauf etwa 30 Minuten, und das zweimal die Woche – „es geht schlicht zu Lasten des Unterrichts“. Die meisten Schüler wollten ein Testat, aber das laufe problemlos. Die Kollegen nähmen die Vordrucke mit, ließen die Schüler ihre Namen eintragen und attestierten dann mit ihrer Unterschrift.
Elterngremium für Tests an Schulen
Der Gesamtelternbeirat der Stuttgarter Schulen plädiert dafür, dass sich Grundschüler in der Schule testen – und nicht daheim. Auch wenn laut einer Mitteilung des Kultusministeriums vom 11. Juni die Schule auch das Ergebnis einer heimischen Testung bestätigen muss. Die schulischen Testate, so der GEB, sparten nicht nur Steuergelder durch Zusatztests, sondern entlasteten auch Schüler und Eltern.
Wenig Infektionsfälle
Im Sozialausschuss berichtete der Leiter des Gesundheitsamts, Stefan Ehehalt, am Montag, dass die Infektionslage in Schulen und Kitas „sehr stabil“ sei. Seit dem Ende der Pfingstferien seien neun Infektionsfälle bei Schulkindern und ein Fall bei Kitakindern erfasst worden.