Per Nasenabstrich wird getestet, ob ein akuter Infekt vorliegt. Foto: Bernd Zeyer

Im Zuffenhäuser Gotteshaus an der Marbacher Straße 13 ist ein Corona-Schnelltest-Zentrum eingerichtet worden. Die Wartezeiten sind momentan kurz, wer Glück hat, kann sich noch am Tag der Anmeldung testen lassen.

Zuffenhausen - Wer normalerweise das Haus Gottes besucht, der erhofft sich himmlischen Beistand. Hoffnung ganz anderer Art haben diejenigen, die in diesen Tagen in die evangelische Johanneskirche an der Marbacher Straße kommen. Das hat allerdings weitaus irdischere Gründe: Zwischen Orgel, Altar und Taufstein wurde ein Corona-Schnelltest-Zentrum eingerichtet. Wer dort Station macht, hofft auf ein negatives Ergebnis.

„Bislang hatten wir noch keinen positiven Fall“, erzählt Dr. Frank Mürdel am Montagabend. Seit Freitagabend wird getestet, gut 20 Personen waren seitdem da. Die meisten davon verlangten einen Antigen-Schnelltest, der nachweist, ob jemand aktuell infiziert ist. Ebenfalls angeboten wird ein Antikörper-Schnelltest. Mit dessen Hilfe kann festgestellt werden, ob die betreffende Person Antikörper im Blut hat, weil sie bereits mit Covid-19 infiziert war. Immer vor Ort ist entweder Mürdel oder sein Kollege Dr. Johannes Stirnkorb. Zusammen mit Andreas Kull, der für die buchhalterischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten zuständig ist, sind sie für die Firma Corona Schnelltest Süd verantwortlich. Zuvor hatte das Team bereits im kleineren Rahmen Schnelltests angeboten, in der Weihnachtszeit kam dann die Idee, ein Testzentrum zu eröffnen. Beide Mediziner arbeiten als Oberärzte in Krankenhäusern, Mürdel im Stuttgarter Katharinenhospital und Stirnkorb in der Medius Klinik Nürtingen. Sowohl beruflich als auch privat wurden sie oftmals von Menschen angesprochen, die möglichst zeitnah einen Coronatest machen wollten, dafür aber keine Gelegenheit bekamen. Dass es nun ausgerechnet mit der Johanneskirche als Testzentrum geklappt hat, liegt daran, dass es Kontakt zwischen einem Gemeindemitglied und den Ärzten gab. Offiziell mit den Tests beauftragt wurde die Firma vom Gesundheitsamt.

Primäres Ziel ist es, die Pandemie zu bewältigen

Aufgrund der landeskirchlichen Heiz- und Lüftungsvorschriften kann das Gebäude momentan nicht für Gottesdienste genutzt werden. „Als Kirche ist es uns wichtig, nahe bei den Menschen zu sein und Begegnungen zu ermöglichen. Deshalb wollen wir einen Beitrag dafür leisten, dass zwischenmenschliche Kontakte ohne Ansteckungsgefahr möglich sind. Die Kirche bleibt als Kirche erlebbar“, sagt die Zuffenhäuser Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon.

39 Euro kostet ein Antigen-Schnelltest (60 Euro kommen für einen PCR-Test hinzu), 49 Euro ein Antikörper-Schnelltest. Zunächst wurden insgesamt 800 Einheiten geordert, bei Bedarf kann nachgebessert werden. „Unser primäres Ziel ist es, die Pandemie zu bewältigen“, sagt Mürdel, der im März vergangenen Jahres selbst an Corona erkrankt war. Großartig Geld verdienen wolle man nicht. Im Gegenteil: Mit rund 15 000 Euro habe man in Vorleistung gehen müssen, eine GmbH gegründet und viele Stunden Arbeit ins Projekt gesteckt, bevor überhaupt getestet werden konnte. Rund zehn Mitarbeiter gebe es, davon einige Studenten. Alle würden anständig bezahlt. Auf jeden Fall wolle man einen Teil des eingenommenen Geldes an das Kinderhospiz der evangelischen Kirche spenden. Wenn noch etwas übrig bleibe, solle das in ein Fest mit allen Mitarbeitern gesteckt werden.

Anmeldung über das Internet

Wer sich in der Johanneskirche testen lassen möchte, muss sich dafür im Internet unter www.covid-bw.de anmelden. Test-Termine sind von Montag bis Freitag jeweils 17.30 bis 19.30 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. „Wer Glück hat, kann sich noch am Tag der Anmeldung testen lassen“, sagt Mürdel. Das Ergebnis liegt nach 15 bis 20 Minuten vor, die Benachrichtigung erfolgt per E-Mail oder SMS. Wer nicht über diese Möglichkeiten verfügt, kann draußen warten und wird dann im persönlichen Gespräch unterrichtet. Positiv Getestete werden sofort telefonisch kontaktiert und unterwiesen.

Auch wenn die Johanneskirche zurzeit zweckentfremdet ist, gibt es dort in diesen Tagen trotzdem einen Hauch himmlischen Beistands: Während der Testzeiten brennt als Zeichen der Hoffnung und der Auferstehung die Osterkerze.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: