Alte Menschen in Heimen gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen. Foto: dpa/Büttner

In Filderstadt gibt es noch immer viele Corona-Fälle in Pflegeheimen. Auch zwei Häuser der Wohngemeinschaft für Senioren sind betroffen. Nach dem Ausbruch dort hatte sich die Situation trotz sofortiger Maßnahmen zunächst verschlechtert.

Filderstadt - Alte Menschen gehören in der Pandemie zu den vulnerablen Gruppen und müssen geschützt werden. Darum gelten in Pflegeheimen strikte Hygienekonzepte. Dennoch musste Filderstadt, wo die Zahlen insgesamt sehr hoch sind, in den vergangenen Wochen auch immer wieder viele Infektionen aus Pflegeheimen melden. Am Dienstagvormittag, 15. Dezember, waren 259 infizierte Personen gemeldet, davon 109 in Alten- Und Pflegeheimen.

Eine genaue Ursache konnte nicht ermittelt werden

Vom 30. November datiert das Schreiben der WGfS-Geschäftsführung an die Presse und die Angehörigen der Bewohner. „Die WGfS GmbH hat dem Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen gemeldet, dass es nun auch in Teilen unserer Alten- und Pflegeeinrichtungen zu einem Ausbruchsgeschehen des Covid-19-Virus gekommen ist“, ist darin zu lesen. Die Abkürzung WGfS steht für Wohngemeinschaft für Senioren. Das Unternehmen betreibt in Filderstadt drei Alten- und Pflegeheime. Nach dem ersten positiven Fall im November hätten die Verantwortlichen rasch reagiert und sofortige Maßnahmen wie Besuchsverbot und Quarantäneregeln ausgesprochen, heißt es in dem Infoschreiben. Ein Hygiene- und Pandemieplan sei bereits zu Beginn der Corona-Krise Anfang des Jahres erarbeitet und stetig angepasst und erweitert worden.

Eine genaue Ursache des Corona-Ausbruchs habe nicht ermittelt werden können, heißt es in dem Schreiben vom 30. November. Die Infizierten seien von den übrigen Bewohnern getrennt untergebracht und würden unter höchsten Schutzmaßnahmen weiter versorgt. Das Personal arbeite unter strikter Beachtung der Hygienemaßnahmen sowie mit Schutzausrüstung, dazu zählten unter anderem die medizinischen FFP2-Masken. Selbstverständlich würden regelmäßig weitere Tests durchgeführt. Die WGfS stimme sich dabei eng mit den Behörden und dem Gesundheitsamt ab.

Die Situation habe sich zunächst gar verschlechtert

Die Geschäftsführerin Malvine Amos und der Geschäftsführer Daniel Splettstößer machen in der Mitteilung deutlich, dass „man das Menschenmögliche tue, um die Situation zu meistern, um auch in dieser herausfordernden Situation mit Herz und Verstand in der Pflege da zu sein“.

Dennoch: Nach dem Ausbruch Ende November habe sich die Situation trotz aller Sorgfalt, strikten Hygienemaßnahmen und Schutzausrüstung leider zunächst verschlechtert, sagt Splettstößer auf Nachfrage unserer Zeitung. Dank der weiteren konsequenten und strikten Einhaltung aller Corona-Regeln, der Quarantäne für Betroffene und Testungen von Bewohnern und Mitarbeitern, sei „die Situation nun weitestgehend unter Kontrolle“. In einem der Häuser gebe es keinen einzigen Fall, weder bei Bewohnern noch bei Mitarbeitern. „In den anderen beiden Häusern haben wir leider eine vergleichsweise hohe Anzahl von positiv getesteten Bewohnern beziehungsweise Mitarbeitern“, sagt Splettstößer.

Tübingen galt lange Zeit bundesweit als Vorbild

Dem Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen sind aktuell (Stand 14. Dezember) aus drei Filderstädter Pflegeheimen Corona-Fälle gemeldet. Es gebe aber kein hochproblematisches Ausbruchsgeschehen und keines mit besonders schwerwiegenden Krankheitsverläufen, sagt die Pressesprecherin des Landkreises. Bei vielen Betroffenen verlaufe die Infektion ohne oder nur mit schwachen Symptomen.

Doch kann noch mehr für den Schutz älterer Menschen getan werden? In jüngster Zeit wird immer wieder auf das Tübinger Modell verwiesen. „Wir haben schon Anfang September regelmäßige Corona-Tests des Personals in Alten- und Pflegeheimen eingeführt. Jetzt sind wir auch Vorreiter darin, vor Besuchen im Heim einen Schnelltest durchzuführen. Mit diesem Schutzkonzept hoffen wir, das tödliche Eindringen des Virus in die Heime weiterhin zu verhindern“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt vom 1. November. Bis 9. Dezember wurde in Tübingen kein einziger Fall in einer Pflegeeinrichtung registriert. Jetzt seien aber gleich drei Einrichtungen betroffen, teilte der OB Boris Palmer am Montag mit. „Obwohl es mehrfach Infektionen bei den Pflegekräften gab, hat die Barriere, die wir durch die regelmäßigen Schnelltests errichtet haben, in den meisten Fällen gehalten. Leider war das Netz nicht engmaschig genug, denn wir konnten die Tests nicht verpflichtend anordnen“, so Palmer.

Bundesgesundheitsministerium hat Teststrategie erweitert

Das Bundesgesundheitsministerium hat seine Teststrategie zum 1. Dezember ausgeweitet. „Pflegeheime und Krankenhäuser können Antigen-Schnelltests nutzen, um Personal, Besucher sowie Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Coronavirus zu testen“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. „Jede Möglichkeit, die einen Schutz vor Ausbreitung des Virus darstellt, wie zum Beispiel das Tübinger Modell, ist zu begrüßen und zu unterstützen“, sagt Splettstößer.

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