Das Thema ist ernst, denn manche Unternehmen sind von der Corona-Krise stark gebeutelt. Foto: Christoph Kutzer

Unternehmer berichten bei den Vaihinger Wirtschaftsgesprächen von den Folgen der Corona-Pandemie für ihre Branche.

Vaihingen - Matthias Filbinger, erster Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen (BDS) in Vaihingen, ist bester Laune. Das Thema der sechsten Vaihinger Wirtschaftsgespräche, zu denen der branchenübergreifende Zusammenschluss am Donnerstagabend geladen hat, ist wenig erbaulich. Es geht um Corona und den Weg durch die Krise. Die Aussicht auf angeregten Austausch aber hebt die Stimmung. 14 Teilnehmer vom Gastronomen bis zum Hautarzt haben sich eingefunden, um über ihre Erfahrungen und mögliche Perspektiven zu diskutieren.

Zwar waren die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung überall spürbar, allerdings haben sie längst nicht jeden Wirtschaftszweig gleichermaßen gebeutelt. Während Hotelmanager Nico Giovanoli, der im Ibis Styles an der Ruppmannstraße auch als Gastgeber fungiert, eindrücklich schildert, wie sich das Haus im März schlagartig leerte und er froh ist, noch schwarze Zahlen zu schreiben, brummt der Laden bei Steuerberater Jens Müller. Für ihn liegt die Herausforderung in der Fülle an neuen Regelungen. „Man muss sich pausenlos fortbilden, weil sich Dinge im Wochen- oder gar Tagesturnus ändern“, berichtet er. Die Mandanten stünden oft unter enormem Druck und legten Wert auf schnelle Bearbeitung.

Ein Ladensterben habe es auch schon vor der Corona-Krise gegeben

Stress ganz anderer Art schildert Guido Balser vom Automobilkonzern Porsche, der die Folgen von Homeoffice-Tätigkeiten umreißt. Der Teamgeist habe gelitten. Gemeinsames virtuelles Frühstück sei nicht das selbe, wie ein persönliches Zusammentreffen. Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice arbeiten konnten, hätten teilweise Neid entwickelt. Obendrein sei es nicht immer einfach, im Kreise der Familie zu arbeiten. Physiotherapeutin Monika Humbsch ergänzt das Bild um die Zunahme von Rückenproblemen. Mehr Kundschaft haben sie ihr nicht eingebracht. „Während des Lockdown ging plötzlich niemand mehr zum Arzt“, blickt sie zurück. „Es gab keine Überweisungen mehr.“

Das Wirtschaftsgespräch mag um persönliche Erfahrungen kreisen. Peu à peu entsteht dennoch ein Bild von den komplexen Zusammenhängen, die einen raschen Weg aus der Krise erschweren. Gelitten hat auch der Einzelhandel. Personalberater Ewald Gehrmann warnt jedoch davor, die Ursachen nur in der Corona-Krise zu suchen. „Ein Ladensterben gab es bereits vorher“, betont er. Die Konkurrenz durch den Onlinehandel und der Kostendruck hätten der Branche schon lange Sorgen bereitet. Er fordert ein Umdenken bei Kunden und Anbietern.

Manche hätten von der Pandemie auch profitiert

Matthias Filbinger hat allerdings auch ein Beispiel dafür parat, dass die Veränderungen durch die Corona-Pandemie auch positive Effekte haben können: Bei Cigarren-Metzger am Vaihinger Markt habe sich durch Arbeitnehmer im Homeoffice ein ganz neuer Käuferstamm gebildet. Wer für eine Schachtel Zigaretten nicht im Supermarkt Schlange stehen wollte, ging in den Laden um die Ecke. Auch die Nachfrage nach der dort vertriebenen Reiseliteratur sei in Zeiten des Nichtreisens gestiegen. Er vermutet, wer flexibel auf die neue Situation reagiere und entsprechende Angebote mache, könne gut durch die Krise kommen. Vorausgesetzt, die Leute ließen ihr Geld in Vaihingen. Mehr Bewusstsein für den Wert der lokalen Wirtschaft und neue Konzepte im Umgang mit Leerstand, darin sind sich alle einig, sind für die Zukunft eines lebendigen Stadtteils unabdingbar.

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