An der Grenze zwischen dem Saarland und dem französischen Département Moselle sind bereits wieder Grenzkontrollen eingeführt worden. An der baden-württembergischen Grenze gibt es diese noch nicht. Foto: dpa/Oliver Dietze

In Frankreich liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei rund 250 – Landrat Toni Huber (CDU) fordert deshalb Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) auf, dem Beispiel Sachsens und Bayerns zu folgen, wo in manchen Kreisen bereits die Impfreihenfolge aufgehoben worden ist.

Rastatt - Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen im Landkreis Rastatt und im französischen Nachbarland hat Landrat Toni Huber (CDU) in einem Brief an Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) gefordert, mehr Impfdosen in die Grenzregion zu liefern und die Impfreihenfolge aufzuheben. Im Landkreis Rastatt liegt die Inzidenz derzeit bei 127,5 und damit deutlich über dem baden-württembergischen Schnitt, im Département Haut-Rhin sogar bei knapp 200. Angesichts von 14 000 Grenzpendlern müsse unbedingt verhindert werden, dass sich das Coronavirus noch stärker grenzüberschreitend ausbreite. „Die Entwicklung ist besorgniserregend“, schreibt Landrat Toni Huber in dem Brief.

Tatsächlich lässt es die aktuelle Corona-Verordnung des Bundes zu, aufgrund der besonderen Situation in Grenzregionen von den ansonsten geltenden Regeln abzuweichen. Bayern und Sachsen haben diese Option bereits genutzt. Dort ist die Lage allerdings weitaus dramatischer: In vielen bayerischen und sächsischen Landkreisen, die an Tschechien grenzen, hat die Inzidenz die 200er-Marke überschritten; in den grenznahen Regionen in Tschechien gibt es sogar Inzidenzen von mehr als 1000.

Bayern schickt 150 000 zusätzliche Impfdosen in Grenzregion

Bayern hatte deshalb bereits Ende Februar avisiert, dass jeder Landkreis an der Grenze zu Tschechien zusätzliche Impfdosen erhalten soll. Zunächst wurden 50 000 Dosen geliefert; in der vergangenen Woche hatte Ministerpräsident Markus Söder (CDU) dann angekündigt: „Gute Nachricht für die Grenzregion in Bayern. Es kommen noch im März 100 000 Impfdosen extra.“ Die Gegenden seien von der britischen Virusvariante besonders betroffen. Die Impfreihenfolge könne in diesen Landkreisen aufgehoben werden. Die Impfdosen stammen aus einem Kontingent mit vier Millionen Stück, das die EU zusätzlich vom Hersteller Biontech/Pfizer erwerben konnte.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dies für den besonders heftig betroffenen Kreis Vogtland (aktuelle Inzidenz 307) bereits getan: „Wir brauchen dort eine Brandmauer und die muss darin bestehen, dass die gesamte Bevölkerung geimpft wird“, sagte Kretschmer. Allein mit den bestehenden Regeln werde man in diesen „Hochmutationsregionen“ nicht erfolgreich sein. Allerdings fehlt derzeit genügend Impfstoff.

In Frankreich liegt die Inzidenz derzeit bei 250

In Baden-Württemberg ist man noch nicht so weit. Allerdings wurden als erste Maßnahme bereits eine große Zahl an Schnelltests an Unternehmen verteilt, die diese für Pendler einsetzen sollen. In den sonstigen Landkreisen Baden-Württembergs, die an der Grenze zu Frankreich liegen, sieht es aber tatsächlich noch besser aus: Neben Rastatt hat nur der Kreis Emmendingen die 100-er-Marke bei der Inzidenz überschritten. Im Département Bas-Rhin, also dem südlichen Elsass, beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit 127. Im Landesschnitt liegt diese Zahl in Frankreich derzeit bei 250, vor allem in und um Paris aber auch schon über 400.

Der Landkreis Rastatt stehe jedenfalls bereit, um die Impfgeschwindigkeit zu erhöhen, sagte Landrat Toni Huber. Dabei müssten auch die Betriebsärzte einbezogen werden, damit die großen Betriebe mit vielen Grenzpendlern berücksichtigt würden: „Auf diese Weise könnten wir rasch eine clusterartige Riegelwirkung erreichen.“

Nachdem der Impfstoff von Astrazeneca vorerst aber nicht mehr verimpft werden kann, verstärkt sich nun der Mangel weiter.

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